Der Baubeginn ist noch nicht in Sicht, aber es ist ein wichtiger Schritt: Das bayerische Umweltministerium hat eine Förderung in Höhe von 15 Millionen Euro für den Neubau der Münchner Reptilienauffangstation genehmigt. Die auf exotische Tiere spezialisierte Einrichtung soll nach Neufahrn bei Freising umziehen und dort endlich mehr Platz für Tiere und Personal bieten.
Das Wort „soll“ ist hier absichtlich gewählt, denn seit Jahren kämpft der Trägerverein um einen Neubau. Der aktuelle Standort der Auffangstation in der Kaulbachstraße 37 in München, zwischen dem Geschwister-Scholl-Platz und dem Englischen Garten, ist nach Angaben des Vereins schon lange überfüllt und nicht mehr angemessen. Zusätzlich wurden deshalb Räumlichkeiten in Freimann und Riem angemietet. Außerdem möchte die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), die Eigentümerin des Gebäudes, die Flächen anderweitig nutzen.
Im Jahr 2019 hatte der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) nach langem Verhandlungen 765 000 Euro für den Kauf des Grundstückes in Neufahrn bereitgestellt – mit der Zusage, auch den Neubau der Auffangstation zu fördern. Doch dann ließ das Geld auf sich warten. Tierarzt Markus Baur, der Leiter der Einrichtung, blieb hartnäckig – und am Ende wurde seine Entschlossenheit belohnt. Die Finanzierung ist nun gesichert: Der Spatenstich ist für Jahr 2027 geplant, der Umzug für das Jahr 2028, heißt es. Im Neubau in Neufahrn nahe dem dortigen Tierheim sollen die aktuell drei Standorte der Münchner Auffangstation wieder zusammengeführt werden.
Die Reptilienauffangstation München gilt als die größte ihrer Art in Deutschland. In der Einrichtung, die wie ein Tierheim funktioniert, werden Reptilien, Amphibien, Wirbellose, aber auch exotische Säugetiere tiermedizinisch versorgt, gepflegt und weitervermittelt. Jährlich werden rund tausend Tiere aus verschiedenen Bundesländern aufgenommenen, etwa 2500 Exemplare sind dort untergebracht – Tendenz steigend.
„Die Auffangstation ist kein Nice-to-have, sondern extrem wichtig.“
Die Tiere stammen von privaten Haltern, die überfordert sind oder sich nicht mehr um sie kümmern können, aus behördlichen Beschlagnahmungen, etwa beim illegalen Exotenhandel, oder sie wurden als Fundtiere gemeldet. In der Einrichtung werden auch Einsatzkräfte und Behörden geschult.
Die Auffangstation wurde 2001 gegründet und ist aus dem Institut für Zoologie der LMU hervorgegangen. Der Freistaat unterstützt den Verein jährlich mit 340 000 Euro, denn er erfüllt eine fundamentale Aufgabe im Bereich des Tierschutzes und der Unterbringung gefährlicher Tiere. „Die Auffangstation ist kein Nice-to-have, sondern extrem wichtig“, sagte Staatskanzleiminister Florian Herrmann (CSU) bei einem Pressetermin am Dienstag in München.
Von den 15 Millionen Euro, die vom Freistaat bereitgestellt werden, kommen acht Millionen aus dem Sondervermögen des Bundes. Umweltminister Thorsten Glauber betonte, dass das Ministerium darauf dringen wird, dass die 15 Millionen Euro für den Neubau „tatsächlich auch 15 Millionen bleiben“.
Markus Baur, der Leiter der Auffangstation, zeigte sich zufrieden. Das Projekt begleitet ihn schon „ein halbes Leben“, sagte er, nun geht es langsam in die Umsetzung. Mit den Fördermitteln könne die Einrichtung „ihre umfangreichen Ausbaupläne tiergerecht und gleichzeitig umweltschonend umsetzen“.

