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"Schon immer seinen eigenen Kopf gehabt":18-Jähriger wird Gemeinderat in Neufahrn

Johannes Steinberger ist mit 18 Jahren der jüngste Gemeinderat in Neufahrn.

(Foto: Marco Einfeldt)

Erst drei Wochen vor den Kommunalwahlen ist Johannes Steinberger 18 Jahre alt geworden. Jetzt ist der junge Mann, der kurz vor dem Abitur steht, Gemeinderat und Jugendreferent.

Als das Abstimmungsergebnis verkündet wird und klar ist, dass der Gegenkandidat deutlich abgehängt ist, huscht zum ersten Mal ein kurzes Lächeln über das Gesicht von Johannes Steinberger: Jetzt ist er nicht nur Gemeinderat, sondern auch Jugendreferent - zusammen mit seiner Fraktionskollegin Matea Majstorovic. Drauf anstoßen will er dann aber nicht, zumindest nicht mit Sekt: "Ich bin mit dem Auto da, und ich hab Probezeit". Erst drei Wochen vor den Kommunalwahlen ist der Mintrachinger 18 Jahre alt geworden. Damit ist er der womöglich jüngste Gemeinderat in ganz Oberbayern.

Die konstituierende Sitzung ist nicht die einzige Herausforderung in diesen Tagen. Nächste Woche geht es endlich los mit dem Abitur. Dass er alles unter einen Hut kriegt, hat er im Wahlkampf schon bewiesen. "Der Wahlkampf war nix, was mich vom Lernen abgehalten hat, und das Lernen hat mich nicht vom Wahlkampf abgehalten", versichert er und erzählt zum Beispiel von den S-Bahn-Aktionen: Um sechs Uhr früh hat er da am Bahnhof Flyer verteilt, und dann ging es gleich weiter zum Oskar-Maria-Graf-Gymnasium.

Für den Gemeinderat kandidiert hatte auch Papa Michael Steinberger, allerdings weiter hinten auf der Liste. Die Vereidigung des Sohnes erlebt er auf der Zuschauertribüne in der Käthe-Winkelmann-Halle mit. "Sicher ist man stolz, wenn man sieht, dass der Bub unten sitzt im Gemeinderat - mit 18 Jahren, kurz vor dem Abitur, politisch aktiv", sagt er: "Er geht sicher seinen Weg." Dann erzählt er noch, dass der Sohn schon immer "seinen eigenen Kopf" gehabt hat und sich da von Älteren auch "nicht beeindrucken" lasse: "Er hat seine Meinung und zieht das auch durch.

Schon mit neun Jahren interessierte sich Steinberger für Energiefragen

Genau genommen hat Johannes Steinberger sich schon mit neun Jahren zum ersten Mal ein bisschen in die Politik eingemischt. Damals schlugen die Pläne für den "Bavariapark" hohe Wellen, sein Vater engagierte sich in der Bürgerinitiative der Gegner und nahm den Sohn zu einer Informationsveranstaltung mit. Prompt hat sich der Bub zu Wort gemeldet. Um die "Energiefrage" sei es ihm damals gegangen, erinnert sich der 18-Jährige. Der Freizeitpark sollte aufwändig beheizt werden, "und da hab ich gefragt, wie das mit den Umweltzielen zusammenpasst". Vor zwei Jahren ist der Mintrachinger den Grünen beigetreten. Die Flüchtlingspolitik, aber auch die Energie- und Verkehrspolitik hätten ihm gefallen, erzählt er. Dass er dann selbst für den Gemeinderat kandidiert und sich im Wahlkampf stark engagiert hat, lag ganz wesentlich auch am grünen Bürgermeister Franz Heilmeier: Dieser habe "eine wahnsinnige Wende geschafft für Neufahrn", findet Steinberger, und deshalb habe er ihn auch bei der Wiederwahl unterstützt wollen. Der gibt das Lob zurück: Johannes sei ein "toller junger Mensch", schwärmt Heilmeier. "Der macht ein 1,0- oder 1,1-Abitur, er geht schon in Vorlesungen, obwohl er noch in die Schule geht, er spielt Tennis.... ich bin begeistert von ihm."

Nur eines klappt für den zielstrebigen jungen Mann derzeit nicht planmäßig: Nach dem Abitur und vor dem Physikstudium wollte er mit einem Freund vier Wochen durch Jordanien reisen. Jetzt wird es eben ein Tour durch ganz Deutschland. Danach will er in der Heimat etwas bewegen - nicht nur als Jugendreferent. Beim ÖPNV etwa müsse man "noch mehr machen" und die Ortsteile stärker mit Bussen anbinden. Auch die Verbindungen zur U-Bahn in Garching sollte verbessert oder am besten die U-Bahn irgendwann nach Neufahrn verlängert werden, sagt er.

© SZ vom 14.05.2020/nta

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