Neufahrner Keller-BarEin beliebter Treffpunkt weicht der Kultur

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Die Nachbarschaft zum Mesnerhaus (links) macht die Räume der Keller-Bar für die Gemeinde attraktiv.
Die Nachbarschaft zum Mesnerhaus (links) macht die Räume der Keller-Bar für die Gemeinde attraktiv. Marco Einfeldt
  • Die Keller-Bar in Neufahrn musste nach über 37 Jahren schließen, weil das Grundstück an die Gemeinde verkauft wird.
  • Die Gemeinde will die Räume nutzen, um das benachbarte Mesnerhaus für Musik- und Volkshochschule zu erweitern.
  • Wirtin Waltraud Czemerys fand trotz Gemeindevorschlägen keine geeigneten Alternativräume wegen strenger Brandschutzauflagen.
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Die Keller-Bar in Neufahrn musste schließen, weil das Haus an die Gemeinde verkauft werden soll. Die will damit das Raumangebot für Musik- und Volkshochschule im benachbarten Mesnerhaus erweitern. Doch die Stammgäste trauern, und die Wirtin findet keine neuen Räume.

Von Francesca Polistina, Neufahrn

Kürzlich veröffentlichte Waltraud Czemerys einen durchaus emotionalen Post. „Nach über 37 Jahren fällt es mir nicht leicht, die Keller-Bar zu schließen“, schrieb die Wirtin auf Facebook. Die Kneipe an der Dietersheimer Straße in Neufahrn sei für sie viel mehr als nur ein Arbeitsplatz gewesen: „Sie war ein Treffpunkt, ein Stück Zuhause und ein wichtiger Teil meines Lebens.“ Diese Zeit sei geprägt gewesen von Begegnungen, Gesprächen, Lachen, gemeinsamen Abenden und vielen unvergesslichen Momenten, so die Kneipenbetreiberin. Die Erinnerungen würden für immer bleiben.

Auch viele Neufahrerinnen und Neufahrer empfinden es so. Ein Nutzer kommentierte den Post mit dankbaren Worten: „Danke für diese unvergessliche Zeit. Es war eine Zeit, die in absoluter Erinnerung bleibt“, eine andere schrieb: „Traurig... einfach nur traurig“. Jemand bedankte sich sogar für die Liebe des Lebens: „Ohne euch gäbe es unsere Ehe nicht.“

Die Ehe wird hoffentlich noch lange halten – die Keller-Bar hingegen ist Geschichte. Ende Dezember wurde in der traditionsreichen Kneipe eine große Abschiedsparty veranstaltet, danach gingen die Lichter für immer aus. Auch eine Petition, die vor mehreren Monaten gestartet und von 1300 Menschen unterzeichnet wurde, konnte das Schicksal nicht ändern.

Grund für die Schließung der Neufahrner Kneipe ist nicht die Entscheidung der Wirtin, die gerne noch weitergemacht hätte, sondern der Verkauf des Grundstücks an die Gemeinde Neufahrn. Offiziell ist der Kauf laut der Rathausverwaltung noch nicht, er soll aber in den nächsten Wochen finalisiert werden. Details dazu werden deshalb noch nicht genannt. Nach Angaben der Gemeinde laufen die Gespräche mit dem Eigentümer des Grundstücks seit 2024: Dieser sei von sich aus auf die Gemeinde zugekommen und habe gefragt, ob Interesse bestehe. Und die Antwort lautete ja.

„Eine kommerzielle Nutzung stand und steht nicht zur Diskussion“

Dass die Gemeinde Neufahrn an den Räumen der Keller-Bar interessiert ist, hat vor allem mit ihrer besonderen Lage zu tun: Sie befinden sich gleich neben dem Mesnerhaus, das der Gemeinde gehört und im September 2023 nach langjährigen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet wurde. Das Mesnerhaus ist das einzige denkmalgeschützte, nichtkirchliche Gebäude in Neufahrn und wird regelmäßig von der Volkshochschule, der Musikschule und dem Heimatverein genutzt, außerdem finden dort viele kulturelle Veranstaltungen statt.

Kulturreferentin Silke Rößler (CSU) freut sich, dass die Gemeinde nun die Möglichkeit hat, das Mesnerhaus zu erweitern und für Musik, Bildung und Geschichte mehr Platz anzubieten. Denn ihrer Meinung nach stößt das Mesnerhaus auf eine unglaubliche Resonanz: „Die Kapazitäten sind inzwischen sehr eng“, sagt sie. Gleichzeitig räumt sie mit den Gerüchten auf, wonach die Gemeinde in der Keller-Bar die Eröffnung eines Cafés plane. „Eine kommerzielle Nutzung stand und steht nicht zur Diskussion“, betont sie. Auch die Gemeindeverwaltung bestätigt dies. Ein detailliertes Nutzungskonzept wurde allerdings noch nicht erarbeitet, da noch unklar ist, wie lange die Renovierungsarbeiten dauern werden. Diese sollen unter anderem durch Zuschüsse des Bundes finanziert werden.

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Ein kultureller Raum mehr, eine Kneipe weniger. Die Geschichte der Keller-Bar ist wahrscheinlich nicht repräsentativ, weil die Hauptgründe für die Schließung eingeführter Gaststätten meist andere sind. Fakt ist aber, dass sie das Schicksal vieler anderer Lokale teilt, vor allem außerhalb der Großstädte. Laut dem bayerischen Landesamt für Statistik hat sich der Bestand an gastronomischen Betrieben im Jahr 2024 zwar kaum geändert. Die Statistik gibt allerdings keine Antwort auf die Frage nach dem Betriebstyp, also ob beispielsweise ein traditionsreiches Wirtshaus schließt und eine kleine Imbissbude öffnet. Wirtin Czemerys betont außerdem, dass es inzwischen sehr schwierig ist, neue Kneipen zu eröffnen, weil die Brandschutzauflagen hoch sind und deshalb die Zahl der infrage kommenden Gebäude eingeschränkt ist.

So war es auch in diesem Fall: Nach dem Start der Petition hat die Gemeinde Czemerys zwei alternative Standorte vorgeschlagen, die aus Sicht der Wirtin allerdings überhaupt nicht geeignet sind. „Ein Standort hat keinen Notausgang, weshalb ich nie die Konzession bekommen hätte. Der andere befindet sich in einem Bürogebäude und ist schlicht nicht geeignet“, sagt sie.

Und jetzt? Die Wirtin weiß nicht, wie es beruflich für sie weitergeht: Gerade denkt sie über ein paar Angebote nach, die allerdings nichts mit Kneipen zu tun haben. Aber nicht nur für sie, sondern auch für die Kundschaft ist es ein harter Schlag, denn in Neufahrn gibt es nun einen Begegnungsort weniger für den Abend.

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