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Neufahrn:Erschreckende Gleichgültigkeit

Nicht einmal jeder Zweite beteiligt sich an der Bürgermeisterwahl, obwohl diese als erster Schritt zum Neuanfang beschworen worden ist

An Wahlabenden werden traditionell Zahlen gedreht und gewendet, Ergebnisse analysiert und interpretiert, Statistiken zerlegt - und was dabei herauskommt, ist immer eine Frage der Sichtweise. An einer Zahl lässt sich jedoch nichts herumdeuteln oder schön reden: Gerade einmal 47 Prozent der Wähler haben sich in Neufahrn an der Bürgermeister-Wahl beteiligt! Nicht einmal jeder Zweite hat es für nötig befunden, die Weichen für die nächsten Jahre zu stellen. Und das bei einer Wahl, bei der es definitiv um einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin ging. Bei einer Wahl, deren Ergebnis im Vorfeld als völlig offen galt. Bei einer Wahl, die im Vorfeld vielfach als erster Schritt zu einem Neuanfang beschworen wurde, nachdem die Kritik an Amtsinhaber Rainer Schneider immer lauter geworden war. Warum also wollten in dieser Situation nicht mehr Neufahrner ein Wörtchen mitreden und wenigstens ihre Stimme abgeben?

Egal ob der Bürgermeister künftig Heilmeier oder Seidenberger heißt - er wird sich nicht nur über ein attraktives Ortszentrum, eine aktive Wirtschaftspolitik, neue Verkehrskonzepte oder eine vorausschauende Kindergartenplanung Gedanken machen müssen. Vor allem muss er den Bürgern zeigen, dass ihre Meinung gefragt ist und Gehör findet - nicht nur am Wahltag, auch im Alltag. Die Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung war ein großes Thema im Wahlkampf und sollte es bleiben. Schon damit sich nicht die Causa "Bavaria Park" wiederholt: Als die Pläne für den Freizeitpark 2011 bekannt wurden, war das Projekt schon weit fortgeschritten. Die Kritiker haben den Park am Ende zu Fall gebracht, und der Bürgermeister, der sich stark für das Vorhaben eingesetzt hatte, galt fortan als angeschlagen. Sein Nachfolger - wer auch immer es sein wird - wird sich ähnliches ersparen wollen.