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Neufahrn:Echte Hingucker, selbst entworfen

Nähen leicht gemacht: Celine Hemard (re.) zeigt Katrin Demmler bei einem Workshop in ihrem Neufahrner Atelier wie es geht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Céline Hémard bietet in ihrem Mitmach-Atelier am Marktplatz Nähkurse an. Auch Jugendliche interessieren sich wieder fürs Handarbeiten - und kaum einer glaubt ihnen anschließend, dass sie die coolen Sachen selbst geschneidert haben

Ein 14-Jähriger hat irgendwann kapituliert: Seine Kumpels wollten einfach nicht glauben, dass er die coole Tasche selbst genäht hat. Bis der Teenager es leid war und sagte, dass er die "Messenger-Bag" für nicht gerade wenig Geld per Internet in New York bestellt habe. Schmunzelnd erzählt Céline Hémard diese Geschichte, die zweierlei zeigt: Die Näh-Kurse in ihrem Mitmach-Atelier am Neufahrner Marktplatz sind für jeden geeignet - unabhängig von Alter, Geschlecht und Vorkenntnissen. Und was dort angefertigt wird, kann sich sehen lassen - selbst ein Erstlingswerk kann zum echten Hingucker werden.

Vor drei Monaten hat Céline Hémard ihr Atelier als Untermieterin im "English Learning Center" eröffnet, und seitdem dürften in Neufahrn und Umgebung einige Nähmaschinen neu angeschafft oder auch "wiederbelebt" worden sein. Zum Beispiel bei Kirsten Edenhofner, die sich selbst als "Wiedereinsteigerin" bezeichnet: "Meine Nähmaschine daheim war in letzter Zeit verstaubt - aber jetzt nicht mehr", erzählt sie.

Trotzdem kommt sie immer wieder ins Atelier: "Ohne Anleitung ist es halt schwierig, und hier kann ich immer wieder mal was nachfragen." Verschiedene Kissen hat sie so zum Beispiel schon angefertigt, diesmal soll es eine Tasche werden. Der 21-jährige Sohn will später nachkommen und selbst eine "Computertasche passend zum Handy" nähen, die 18-jährige Tochter Stephanie ist schon mit dabei. Auch sie hat ein neues Hobby für sich entdeckt, und zu Weihnachten soll die ganze Verwandtschaft mit Näharbeiten beschenkt werden - womit genau, wird allerdings noch nicht verraten. Erst einmal soll die eigene Umhängetasche fertig werden - mit aufgenähten Außentaschen, Verschlüssen und verschiedenen Stoffen. Gerade schneidet sie ein Stück zu, auf dem der Eiffelturm zu sehen ist.

Céline Hémard kauft die Stoffe als Reste auf Märkten in ihrem Heimatland Frankreich, das sie regelmäßig besucht. Ursprünglich hatte sie die Stoffe, die sich vor allem im Design etwas von deutscher Ware unterscheiden, nur per Internet weiterverkaufen wollen. "Alle waren ganz wild darauf", erzählt sei, "das ging weg wie heiße Semmeln." Aus der Entdeckung einer Marktlücke entstand dann die Idee eines eigenen Ladens samt Atelier, mit dem die Übersetzerin und Lehrerin auch ihr eigenes Hobby zum Beruf gemacht hat. "Ich habe mir alles selbst beigebracht", berichtet sie stolz, und was sie weiß, versucht sie ihren Kunden möglichst einfach und unkompliziert zu vermitteln: "Die Leute wollen ja einen Erfolg sehen." Ihre ältere Tochter Amélie hat sich auch schon anstecken lassen. An diesem Abend will die 17-Jährige ein neues Shirt schneidern - mit Ärmeln "im Fledermaus-Stil".

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eine Kundin hat im Atelier einen Kindersessel neu bezogen, eine andere wollte aus einem Nachthemd unbedingt ein Ringkissen für die Hochzeit machen. "Wir machen hier oft aus etwas Altem was Neues", erzählt Céline Hémard, und auch einem Buben konnte sie helfen: Er kam in den Neufahrner Laden und erklärte, dass seine Stoffente "einen Kumpel braucht". Gemeinsam haben die beiden das hingekriegt.

Bis unter die Decke sind die Stoffballen in dem kleinen Verkaufsraum gestapelt. Außerdem gibt es dort zum Beispiel ausgefallene Druckknöpfe samt der nötigen Zange. "Mir geht es nicht nur um den Verkauf", betonte Céline Hémard, "mir ist wichtig, dass jeder hier alles findet, was er für die Näharbeit braucht." Notfalls auch eine Nähmaschine: Wer zu Hause keine eigene hat oder mit einer angefangenen Arbeit nicht vorwärtskommt, kann dort weitermachen und sich dafür auch Tipps holen.

In einem Regal steht gerade eine Schachtel mit Rapskörnern - demnächst sollen im Atelier Rapskissen genäht werden.

Noch in den Ferien sind aber erst einmal die "Sorgenmonster" dran: Stofftiere mit Reißverschluss, sodass kleine Kinder dort ihre Sorgen am Abend "wegsperren" können. Es hat sich herausgestellt, dass viele Eltern so etwas gerne in die Schultüten packen würden, und Céline Hémard wird den passenden Workshop dazu anbieten.