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Freisinger im Krisenmodus:Autorin ohne Publikum

Christine Ziegler

Derzeit arbeitet die Neufahrner Autorin Christine Ziegler an einem Buch für Kinder.

(Foto: privat)

Die Neufahrner Autorin Christine Ziegler kann ihr neues Buch nicht vorstellen.

Es hätte so schön sein können. Die Vorbestellungen für das neue Buch "Anna Konda - Engel des Zorns" der Neufahrner Autorin Christine Ziegler liefen bestens, und die Leipziger Buchmesse hätte die Nachfrage bestimmt weiter angekurbelt. Alles war bereits vorbereitet für eine perfekte Präsentation. Für die Premierenlesung hatte der Verlag sogar eine Gebärdendolmetscherin organisiert. "Ich hatte mich schon so gefreut", erzählt Christine Ziegler, doch dann wurde die Messe wegen Corona abgeblasen.

"Das war der erste Schlag", sagt die 48-Jährige rückblickend. Der zweite sollte bald folgen: Die Autorin wollte die Premierenlesung ihres Buches, das zugleich der erste Teil einer "Romantasy-Trilogie" ist, an ihren Wohnort verlegen. Die Werbung für die Veranstaltung in der Buchhandlung "Verena liest!" am Marktplatz war schon angelaufen. Kurz vor dem Event wurden aber die Läden ebenfalls per Allgemeinverfügung geschlossen. "Das war auch für die Verlage der Wahnsinn", sagt die Autorin: Vorbestellungen wurden zum Teil wieder storniert. In anderen Fällen blieb es bei den Bestellungen, aber die Bücher lagen erst einmal wochenlang in den geschlossenen Läden, und das Ostergeschäft ist auch ausgefallen. Ob und wann sich das alles wieder aufholen lässt, steht in den Sternen.

Zumal sich schon abzeichnet, dass es so schnell nicht wirklich leichter wird für Autoren wie Christine Ziegler: Die Veröffentlichung ihres Romans "Sauer macht listig", hat der Verlag jedenfalls erst einmal verschoben. Dabei sollte Mitte Mai bereits die Premierenlesung in der Neufahrner Gemeindebibliothek stattfinden. "Das wurde alles abgesagt", bedauert die Autorin.

Freisinger im Krisenmodus

Die Corona-Krise betrifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, im Öffentlichen wie im Privaten. In der Serie fragt die Freisinger SZ bei Menschen im Landkreis Freising nach, wie es ihnen in der Krise geht und wie das Coronavirus ihren Alltag verändert.

Teil 1: Kinobesitzerin, Sportlerin und Pfarrer - "Man hängt total in der Luft"

Teil 2: Apothekerin, Verkäuferin und Bürgermeisterkandidat - Erstaunlich ruhig

Teil 3: Taxifahrer und Shuttledienst - Die Nerven liegen blank

Teil 4: Schachspieler und Zahnarzt - Nicht ohne Schutz

Teil 5: Marktbeschicker, Kirchenmusikdirektor und Tanzlehrer - Im Zwangsurlaub

Teil 6: Fahrlehrer und Physiotherapeutin - Banger Blick in die Zukunft

Teil 7: Landschaftsgärtnerin und Kletterer - Abgespeckte Gartentage

Teil 8: Familienzentrum und Volkshochschule - Honorarkräfte ohne Einnahmen

Teil 9: Lebensmittellieferanten, Caritas und Leseratte - Zustrom bei Lieferdiensten

Teil 10: Tankstellen, Makler und Fitnessstudios - Besichtigung mit Mundschutz

Teil 11: Standesbeamtin und Reisebüro - Brautpaare auf Abstand

Teil 12: Musikschule - Musikunterricht auf vielen Kanälen

Teil 13: Klinikclowns und Musikverein - Videovisiten und Videounterricht

Teil 14: Schneiderin und Nordallianz - Nähen, um zu helfen

Teil 15: Schwimmer, Nagelpflegerin und Beraterin - Radeln statt schwimmen

Teil 16: Clown und Friseurin - Der Bart bleibt dran

Teil 17: Tierheim, sozialpsychiatrischer Dienst und Entsorgungsunternehmen - Schmusen nach Feierabend

Teil 18: Eisverkäufer und Spediteur - "Gegessen wird immer"

Teil 19: Buchautorin - Ohne Publikum

Teil 20: Tierärztin - Immer schön Abstand halten

Teil 21: Bühnenbildner und Billardspieler - Physik statt Billard

Teil 22: Lungenfacharzt und Werbetechnik-Firma: "Die Krankheit zieht sich oft lange hin"

Teil 23: Kinobetreiberin und Radsportlerin: Kino mit Abstand

Teil 24: Kaminkehrer, Schneiderin und das Kaufhaus Rentabel: Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Teil 25: Neufahrner Freizeitbad - Der Zeitplan ist auf den Kopf gestellt

Ziegler arbeitet jetzt an einem neuen Kinderbuch

Dass sie das "T" bei Christine in der Regel groß schreibt, hat übrigens einen einfachen Grund: Christine nennen sie ihre Mutter, der Staat und der Verlag, wie sie augenzwinkernd erklärt. Alle anderen sagen "Tine", und "ChrisTine" ist dann eben der Kompromiss.

Zum Schreiben ist die 48-Jährige über das Zuhören gekommen. Schon als Kind in Garmisch hat sie gern zugehört, wie sie sich erinnert. Später, beim Studium der Restaurierungswissenschaften und der Arbeit in unterschiedlichen Museen hat sie gewissermaßen "alte Gegenstände belauscht" und sich die Geschichten über sie erzählen lassen: "Irgendwann ist es mir zu viel geworden, und ich hab angefangen zu schreiben", sagt sie und schmunzelt. Auf ein Genre mag sie sich dabei aber nicht festlegen lassen.

An Ideen fehlt es ihr normalerweise nicht - im Gegenteil. Wegen Corona hatte sie jetzt aber doch mal "echt einen Durchhänger". Das Tief aber hat sie offenkundig überwunden, denn mittlerweile arbeitet Christine Ziegler an einem Kinderbuch, das 2021 erscheinen soll. Es läuft gut, sagt sie und verrät schon einmal: "Es geht um Kunst."

© SZ vom 21.04.2020/nta

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