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Neues vom Öffentlichen Nahverkehr:Züge halten im Stundentakt

Die Zugverbindungen zum Moosburger Bahnhof sollen besser werden. Das war der Tenor einer Informationsveranstaltung der Solarfreunde zum öffentlichen Nahverkehr.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bernhard Fink vom MVV informiert bei einer Veranstaltung der Solarfreunde, welche Verbesserungen es mit dem Fahrplanwechsel im Dezember für Moosburg gibt. 2018 ist mit vielen Streckensperren zu rechnen

Fast jeder von uns ist auf irgendeine Art mobil, zu Fuß, mit dem Auto oder dem "Öffentlichen Personennahverkehr" (ÖPNV). Letzterer muss in Zukunft verstärkt werden, sollen die privaten Autofahrten nicht in absehbarer Zeit im Chaos enden. Ein Mammutthema hatten sich also die Moosburger Solarfreunde mit ihrer Veranstaltung zum ÖPNV vorgenommen. Sie gingen dabei der Frage nach, wie der MVV attraktiver zu machen sei.

Bernhard Fink ist beim Münchner Verkehrs-und Tarifverbund (MVV) verantwortlich für die Begleitung regionaler Verkehrskonzepte, unter anderem der Beratung der Landkreise. Er untersucht, wo Veränderungen im regionalen Nahverkehr Sinn machen, ob sie sich rechnen und angenommen werden. Ein "ziemlich dickes Brett zu bohren", meinte Moderator Raimund Becher von den Moosburger Solarfreunden angesichts der Umweltbelastung und eines wachsenden Straßenverkehrs. Wie kann es da gelingen, den ÖPNV noch attraktiver zu machen?

Der MVV beförderte im Jahr 1972 358 Millionen Fahrgäste, im vergangenen Jahr waren es 711 Millionen, was 7,2 Milliarden Personenkilometer im Jahr bedeutet. Der Flächenverbrauch durch den Verkehr beträgt in Bayern 13 Hektar pro Tag, im Landkreis Freising sind es 81 Hektar im Jahr. Allein die Lärmbelästigung durch den Straßenverkehr erforderte im Jahr 2005 neun Milliarden Euro an Gesundheitskosten. 30 Prozent der Energiekosten im Landkreis werden durch den Verkehr verursacht.

Dritter Bürgermeister Michael Stanglmaier zeigte in seinem Vortrag weitere ernüchternde Fakten auf. So würden im Landkreis 31 Prozent der Wegstrecken durch den Freizeitverkehr verursacht. Am Bahnhof Moosburg steigen täglich mehr als 5000 Reisende ein und aus; wollte man hier alle Autofahrer in die Züge bringen, wären dort gar nicht genügend Plätze verfügbar, sagte Stanglmaier. Attraktive Alternativen zum Auto könnten geboten werden durch den Ausbau des Umweltverbundes, die Vernetzung der Verkehrsträger und ein Mobilitätsmanagement.

Bernhard Fink gab einen tiefen Einblick in den MVV, dessen Verbundraum die Landeshauptstadt, acht Landkreise sowie 176 Städte und Gemeinden umfasst. An Neuerungen zum Fahrplanwechsel für den Landkreis und die Stadt Moosburg führte er auf, dass künftig auf der Regionalzugstrecke München-Landshut ein exakter Stundentakt eingeführt wird. In Moosburg können dabei in Richtung Passau drei zusätzliche Halte um acht, elf und 17 Uhr realisiert werden. Der Regionalzug in Richtung Regensburg, der um 16.43 Uhr vom München Hauptbahnhof abfährt, verkehrt künftig um 20 Minuten später und hält zusätzlich in Moosach, Langenbach und Bruckberg.

Schlimm wird es im Sommer 2018

Schlimm werde es im Sommer 2018 mit Bauarbeiten und der Sperrung der gesamten Strecke mit diversen Ersatzverkehren und Umleitungen, sagte Fink. Durch die Inbetriebnahme der Neufahrner Kurve Ende 2018 geht es voraussichtlich stündlich von Moosburg in 23 Minuten zum Flughafen. Wenn 2026 die 2. Stammstrecke in München in Betrieb gehen wird, soll die S-Bahn bis Landshut fahren.

In der Diskussionsrunde gab es viele Zweifler an den Neuerungen. Johannes Becher fürchtete eher eine Verschlechterung, weil sicher dafür Regionalzugverbindungen wegfielen. Aus teilweise jahrzehntelanger Bahnfahrer-Erfahrung gab es eine Reihe kritischer Anmerkungen. Dass Züge überfüllt, aber auch teilweise leer seien, liege an den verschiedenen Anbietern, sagte Fink. Unüberhörbar war das Bemühen in der Runde, nicht nur Kritik zu üben, sondern auch das Positive darzustellen, denn die Gretchenfrage sei, so Stanglmaier: "Wie krieg ich mehr Fahrgäste in die Züge?" Was die Diskutanten nicht daran hinderte, am Ende den Moosburger Stadtbus auf Tapet zu bringen und ihn als völlig unattraktiv zu bezeichnen.