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Neues Gesetz:Von der Unterkunft ins Büro

Helferkreise und Zollings Bürgermeister kritisieren die Verlagerung der Flüchtlingsberatung

Von Katharina Aurich, Zolling/Landkreis

Asyl- und Migrationsberatung im Freistaat sind seit Januar zusammengelegt worden. Diakonie, Caritas und Invia leisten diese anteilig im Landkreis. Das neue Gesetz verändert aber die Beratungsstruktur in den Flüchtlingsunterkünften. In Zolling leben derzeit 120 Menschen in einer Gemeinschaftsunterkunft. Bisher war dort eine Sozialarbeiterin in Vollzeit ansprechbar. Jetzt kommt sie nur noch sechs Stunden in der Woche. Deshalb machen sich Bürgermeister Max Riegler (CSU) sowie die Mitglieder des Helferkreises Sorgen um den sozialen Frieden in der Unterkunft.

Allerdings stehe die Beraterin Tahereh Feldmann im Büro der Diakonie in Freising als Ansprechpartnerin zur Verfügung, informiert deren Leiterin Beate Drobniak. Vergleichsweise sei die Situation in Zolling aber immer noch besser als in der Unterkunft an der Freisinger Katharina-Mair-Straße, wo 150 Geflüchtete leben. Dort habe es anfangs gar keine Asylsozialberatung gegeben, schildert Katharina Capric vom Helferkreis. Immerhin sei jetzt wöchentlich drei Stunden eine Sozialarbeiterin von Invia zur Stelle, weitere zwei Stunden sei sie im Büro an der Ziegelgasse zu sprechen. Das "Riesenproblem" in der Unterkunft sei jedoch nicht die Beratungszeit, sondern der Entzug der Arbeitserlaubnisse für Nigerianer und Pakistani, so Capric. Diese verbrächten ihre Zeit untätig in der Unterkunft, weil sie auch keine Deutschkurse belegen dürften.

Beate Drobniak sieht die Beratungssituation nicht dramatisch, es habe sich nur "strukturell" etwas verändert, so dass Gespräche nicht mehr überwiegend "aufsuchend" in der Unterkunft, sondern in Freising angeboten würden. Die Gesamtstundenzahl habe sich nicht verändert, allerdings die Anforderungen an die Mitarbeiter, da die Integrationsberatung umfassender sei als die reine Asylberatung.

Auch der Pressesprecher des zuständigen Sozialministeriums, Philipp Späth, versichert, dass sich die Gesamtzahl der Stunden nicht verändert habe, allerdings legten die Träger ihren Schwerpunkt jetzt vermehrt auf die Integrationsberatung, da es immer mehr anerkannte Flüchtlinge gebe. Und diese finde eben nicht mehr in den Unterkünften, sondern in den Büros der Träger statt. Diese könnten eigenständig entscheiden, wo und mit welchem Stundenumfang sie ihre Mitarbeiter einsetzten.

Die Diakonie werde zwei Monate erproben, wie sich die Lage in Zolling entwickelt, sagt Drobniak, und eventuell die Stunden dort wieder aufstocken. Natürlich sei die Aufgabe für den Verwaltungsleiter, der vom Betreiber der Unterkunft, der "European Homecare", gestellt wird, "sportlich", sagt Drobniak, denn er habe jetzt noch mehr Probleme zu bewältigen.

Diese Situation ist für Bürgermeister Riegler "völlig inakzeptabel", denn Voraussetzung, dass die Gemeinde die Unterkunft für 150 Flüchtlinge genehmigte, sei die Zusage der Regierung von Oberbayern gewesen, dass dort eine Vollzeit-Sozialberatung angeboten werde. Jetzt seien sich die Menschen quasi selbst überlassen und er fürchte, dass die Mitglieder des Helferkreises nicht mehr lange für den sozialen Frieden sorgen könnten.

Für den Moosburger Flüchtlingsbetreuer Reinhard Kastorff ist das neue Gesetz "eine Katastrophe". Die "aufsuchende Sozialarbeit" sei deshalb so wichtig, weil es in jeder Unterkunft unsichere Menschen gebe, für die die Fahrt nach Freising ein Problem sei. Bürgermeister Riegler will sich jetzt auf der "politischen Schiene" dafür einsetzen, dass in der Unterkunft wieder eine Vollzeit-Sozialberatung angeboten wird.

© SZ vom 10.02.2018
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