Neue Unterkünfte Landkreis will für Flüchtlinge bauen

Landrat Hauner bestätigt Pläne, neben dem Park-and-Ride-Platz am Bahnhof eine Unterkunft für Asylbewerber zu errichten. Bei der Umsetzung sollen ein Investor und die Stadt Freising helfen

Von Peter Becker, Freising

Der Landkreis Freising erwägt, zusammen mit einem Investor am Park & Ride-Parkplatz Unterkünfte für Asylbewerber zu bauen. Das hat Susanne Günther, Ortsvorsitzende der Freisinger Grünen, am Freitag bei einer Podiumsdiskussion thematisiert. Landrat Josef Hauner (CSU) hat diese Pläne auf Nachfrage inzwischen bestätigt. Dabei wies er auf die Dringlichkeit hin, größere Unterkünfte zur Unterbringung von Flüchtlingen zu finden. Der Landkreis arbeitet dabei eng mit der Stadt Freising zusammen. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) bestätigte ebenfalls, zusammen mit dem Landkreis Grundstücke für eine Wohnanlage im Stadtgebiet zu suchen.

Der Ortsverband der Grünen hatte zusammen mit der asylpolitischen Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Christine Kamm, Flüchtlingsunterkünfte im Landkreis Freising besichtigt und mit Bewohnern und ehrenamtlichen Helfern gesprochen. Landrat Hauner hatte sich dazu gesellt. Günther hatte ihn bei dieser Gelegenheit auf mögliche Pläne für den Bau einer Unterkunft für Asylbewerber nahe des Bahnhofs angesprochen - und Hauner hatte dies bestätigt.

In welchem Umfang und für wie viele Personen die Wohnanlage gebaut werden soll, steht noch nicht fest. "Das muss der Bauausschuss klären", sagt Hauner. Der Landrat verweist dabei auf das Angebot der Stadt Freising, einen Beitrag zur Unterbringung der Flüchtlinge im Landkreis leisten zu wollen. Die Grünen würden dabei auf eine Holzständerbauweise setzen, was Hauner aber nicht versprechen will. Um Vorurteile gegenüber Containern vorzubeugen, verweist er auf den Komfort in der Interims-Realschule an der Erdinger Straße, die bekanntlich ebenfalls in Containern untergebracht ist. Sorgen von Autofahrern, die jetzt schon bisweilen verzweifelt am Bahnhof nach Stellplätzen suchen, beschwichtigt Hauner: "Es wird kein einziger Parkplatz wegfallen", verspricht er. Der Standort der Wohnanlage liege auf einer Wiese an der Zufahrt zum P & R-Platz.

Hauner bestätigt auch, dass Gespräche mit einem Investor stattfinden. "Das ist im Sinne der Regierung", sagt der Landrat, denn ein Investor könne Pläne rasch umsetzten. Geplant sei jedoch kein großer Gebäudekomplex. "Wir setzen auf kleine Einheiten", erklärt Hauner. Den Standort für die mögliche Wohnanlage bezeichnet er als ideal. "Er erfüllt alle Kriterien." Er liege zentrumsnah am Bahnhof, nicht weit entfernt von einem Lebensmittelmarkt und anderen Geschäften.

Zentral liegt der Park & Ride-Platz am Freisinger Bahnhof. Auf einer angrenzenden Wiese möchte der Landkreis eine Unterkunft für Flüchtlinge bauen.

(Foto: Einfeldt)

Angesichts des immer dringender werdenden Problems, die von der Regierung dem Landkreis zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen, wirbt Hauner um Verständnis für eine derartige Wohnanlage. Diese selber zu bauen, sei eine weitaus bessere Lösung, als Menschen in Turnhallen unterzubringen. Hauner verweist dabei auf die aktuellen Zahlen. "Im Landkreis sind bisher 500 Asylbewerber in fast 40 dezentralen Objekten untergebracht." Die Regierung von Oberbayern habe erst zu Beginn der Woche die Zahl der voraussichtlich heuer im Landkreis unterzubringenden Flüchtlinge um weitere 100 auf etwa 770 erhöht. Wenn sich diese Entwicklung im kommenden Jahr fortsetze, sei es nicht mehr möglich, die Situation ohne größere Unterkünfte zu bewältigen. "Die Alternative wäre die Belegung von Hallen, die ich gerne vermeiden möchte", betont der Landrat. Der Landkreis habe bislang das Glück gehabt, mit seinem Angebot an Unterkünften der zugewiesenen Anzahl an Flüchtlingen voraus gewesen zu sein. Doch irgendwann sei das Reservoir an freien Wohnungen oder Häusern erschöpft.

Susanne Günther hat auch die Unterbringung von Asylbewerbern im Gewerbegebiet an den Clemensängern im Süden von Lerchenfeld erwogen, den Gedanken aber wieder verworfen. Der Standort sei zu weit von der Stadt entfernt. Derzeit gilt obendrein die Auffassung der Verwaltungsrichter, dass Gewerbegebiete kein geeigneter Standort für Asylbewerberunterkünfte seien. Die Regierung hat jedoch schon angedeutet, das nicht mehr so restriktiv auslegen zu wollen. Der Landkreis erhalte regelmäßig Angebote für Unterbringungsmöglichkeiten in Gewerbegebieten, sagt Hauner. Möglicherweise testet ja irgendeine Kommune oder ein Landkreis in naher Zukunft diese neue Liberalität einmal auf ihren Bestand aus. Mit Widerständen ist in jedem Fall zu rechnen.

Die asylpolitische Sprecherin der Grünen, Christine Kamm, hätte einen weiteren Vorschlag parat. Der Landkreis solle ein Bauprogramm auflegen, sagte sie bei der Podiumsdiskussion. Wenigstens die zehn größten Gemeinden des Landkreises sollten sich daran beteiligen und Wohnungen für Asylbewerber bauen. Wenn die Konflikte in deren Heimatländern beigelegt und die Flüchtlinge wieder dorthin zurückgekehrt seien, könne man diese für soziale Zwecke verwenden.