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Neue Erfahrung:Bruder Jakob rockt

Musikunterricht der etwas anderen Art: Beim bayernweiten Aktionstag musizieren "Luz amoi" gemeinsam mit mehreren hundert Schülern aus Freising und Moosburg auf dem Marienplatz. Danach geht es endlich in die verdienten Pfingstferien

Von Maximilian Gerl

Das Gemeinste an den Pfingstferien ist der letzte Schultag davor. Draußen lacht bereits die Sonne, doch zuerst muss man noch einige Stunden zähen Unterricht überleben. Wie schön es jetzt wäre, einfach das Klassenzimmer zu verlassen und draußen ein bisschen Spaß zu haben. Klingt nach einem utopischen Schülertraum? Vielleicht. Doch am Freitag wurde er tatsächlich Realität.

Denn am Freitagvormittag fand bayernweit der Aktionstag Musik statt, der bereits im vergangenen Jahr von der Bayerischen Landeskoordinierungsstelle Musik ins Leben gerufen worden war. An diesem Tag sollen Lesen, Schreiben und Rechnen ausnahmsweise einmal in den Hintergrund rücken und stattdessen Platz für Musik und Kreativität machen. In Freising sollte dazu eine der spektakulärsten Aktionen über die Bühne gehen: ein Flashmob mit Tausend Kindern, die zusammen mit der Band "Luz amoi" auf dem Marienplatz musizieren.

Für die Schüler bot sich hier an erster Stelle eine sicher nicht unwillkommene Abwechslung, so kurz vor den Pfingstferien der Schule zu entfliehen. Auch den Lehrern schien das ganz recht zu sein, denn an der Aktion beteiligten sich Schulen aus dem ganzen Landkreis. Alle drei Freisinger Gymnasien waren mit Klassen vertreten, dazu noch die Grundschulen Neustift und Paul-Gerhardt sowie die Montessori-Schule. Stefan Pellmaier, Frontmann von "Luz amoi", brachte außerdem noch höchstpersönlich einen Bus voller Moosburger Gymnasiasten mit. Trotz der so auf dem Marienplatz versammelten Heerscharen von Schülern reichten diese letztendlich nicht ganz aus, um die angekündigte Beteiligung von Tausend Schülern zu erreichen. Auch von einem Flashmob ließ sich bei so viel Organisation nicht mehr wirklich sprechen, dazu fehlte einfach das spontane, ungeplante, verrückte Zusammentreffen. Derlei Fakten waren aber ohnehin eher nebensächlich: Schließlich ging es um den Spaß an der Freude, und den hatten die mehrere Hundert Schüler sichtlich. "Musik ist eine Sprache, die jeder versteht", sagte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher dazu. Die Stadt hatte die Finanzierung der Veranstaltung übernommen. "Es ist unglaublich toll zu sehen, wie voll der Marienplatz ist."

Als Stefan Pellmaier schließlich das Konzert eröffnete, steigerte sich die ohnehin schon gute Stimmung. Mit seiner lockeren, lebenslustigen Art war er genau der Richtige, um die Kinder durch eine Musikstunde der etwas anderen Art zu führen. Für den konzerterfahrenen Musiker eine Premiere der besonderen Art: "Wenn mir jemand vor 15 Jahren gesagt hätte, du stehst mal auf dem Marienplatz und singst mit Tausend Kindern, dann hätte ich gesagt: Du spinnst!"

Die Schüler selbst waren allerdings auch ein dankbares Publikum. Sie benötigten gar keine große Aufforderung, um beim ersten Stück - "Rehragout" - in der bayerischen Originalfassung - gleich voll mitzusingen. Selbst die im Anschluss folgende lateinamerikanische Version stellte für die jungen Gesangstalente höchstens eine gute Aufwärmübung dar. Schwieriger wurde es, als es an einen türkischen Zwiefacher ging. Mit dem relativ hohe Tempo und den unerwarteten Taktwechseln schien manch einer Probleme zu haben. Der Stimmung tat das allerdings keinen nennenswerten Abbruch, obwohl es zwischen den Stücken sogar Nachhilfe in Musikkunde gab. Pellmaier stellte zum Beispiel die Instrumente auf der Bühne vor und animierte zum Jodeln - schließlich sei man ja nicht in Hamburg. Als er Oberbürgermeister Eschenbacher gar dabei erwischte, bei einer Volksweise vom Textblatt abzulesen, drohte er ihm scherzhaft mit ernsten Konsequenzen: "Sie machen wir auch noch katholisch."

Nach etwa einer halben Stunde gemeinsamen Musizierens folgte mit "Bruder Jakob" der Abschluss. Weil die Originalfassung aber für eine Band wie "Luz amoi" natürlich viel zu langweilig war, präsentierten sie ihn kurzerhand in der "We will rock you"-Version - eine Entscheidung, die dem inzwischen etwas angestaubten Klassiker merklich gut tat und ihn in einen mitreißenden Rock-Kanon verwandelte.

Danach verabschiedete Pellmaier die Schüler in die Pfingstferien, jedoch nicht ohne festzustellen: "Das war doch viel besser als Schule." Der zustimmende Applaus der Schüler gab ihm Recht: Wenn doch nur alle Ferien immer so beginnen würden.

© SZ vom 07.06.2014
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