Neue Betriebe, mehr Arbeitsplätze Lukrative Visionen

Im Echinger Gemeinderat liebäugelt man mit einer Erweiterung des Gewerbegebietes von historischer Dimension

Von Klaus Bachhuber, Eching

2021 könnte ein großer Maschinenbaukonzern mit 800 Mitarbeitern sein neues Werk in Eching eröffnen, im neuen Gewerbegebiet jenseits der Autobahn A 9, nördlich der Bahngleise. Ein paar Monate später könnte ein Großhändler mit 200 Arbeitsplätzen folgen - "saubere" Betriebe alle beide und mit durchaus appetitlichem Gewerbesteueraufkommen. In deren Umfeld könnte das Gewerbegebiet dann nach und nach anwachsen, bis hin zu 45 Hektar an neuen Ansiedlungen wären denkbar, allesamt lukrativ und hoch qualifiziert . . .

Mit diesen Visionen geht man im Echinger Rathaus gerade schwanger. Bereits konkretes Planungsziel des Gemeinderates ist offenbar eine historische Erweiterung des Gewerbegebiets Ost, das aktuell geprägt ist von Ikea und den Möbelmärkten in seinem Dunstkreis, dem Modemarkt "Adler" und dem Gebrauchtwagenzentrum von Audi unmittelbar an der A9 sowie den südbayerischen Logistikzentren von Rewe und Edeka. Der Projektentwickler, mit dem die Gemeinde diesen Deal starten möchte, brächte als eine Art Morgengabe den erwähnten Maschinenbaubetrieb mit; nein, Krauss-Maffei ist es nicht mehr, dessen Interesse hatte Eching vor Jahresfrist mangels verfügbarer Flächen abschreiben müssen. Gut vier Hektar würde die nun avisierte Neuansiedlung dennoch gleich mal belegen.

Uneins sind sich Gemeinde und Investor allerdings noch über die Details für die restlichen 90 Prozent der zu vermarktenden Fläche. In den ersten Konzepten des Gewerbeentwicklers für den angestrebten Branchenmix war ein so hoher Anteil an Logistikunternehmen vorgesehen, wie ihn der Echinger Gemeinderat eher nicht mehr haben möchte. Zudem möchte der Investor zur Refinanzierung möglichst rasch möglichst viel Gelände versilbern, während Bürgermeister Sebastian Thaler eher eine kleinteilige Entwicklung forcieren würde, also nur fallweise Grundstücke veräußern, wenn die wirklich interessanten Betriebe anklopfen.

Natürliche Untergrenze dieser Vision ist allerdings, dass eine kritische Masse an Betrieben von Beginn an erforderlich ist, um die nötige Infrastruktur zu finanzieren. Noch vor der Sommerpause wird sich der Gewerbeentwickler noch einmal im Echinger Gemeinderat sehen lassen - grundsätzlich hinter verschlossenen Türen - und dort vorstellen, inwieweit er die Bedenken aus dem Rathaus bei der ersten Präsentation aufgenommen und umgesetzt hat. Die Gemeinde war unterdessen auch nicht faul; die Ambitionen des eingangs erwähnten Großhändlers waren im Rathaus angemeldet worden, die würde die Gemeinde dem Investor als Einstandsgabe weiterreichen.

Sollte das Entwicklungskonzept vom Gemeinderat abgenickt werden, würde die Gemeinde die Gespräche mit den Grundeigentümern starten. Thaler hatte schon bei den ersten Kontakten mit dem Investor Ende 2018 durchblicken lassen, dass er positive Signale der Besitzer empfangen habe. Das Rathaus würde dabei freilich nur die Bekanntschaften herstellen, die Kaufverträge würde der Investor unterzeichnen. Auch wenn das gesamte Projekt in historischer Dimension vom Gemeinderat noch zu keiner Sekunde öffentlich behandelt wurde, rechnet der Bürgermeister mit raschem Vollzug. Passt das überarbeitete Konzept, will Thaler bereits 2020 das Genehmigungsverfahren für die Ausweisung als Gewerbeland starten und 2021 könne dann möglicherweise gebaut werden.

Derzeit ist das Gewerbegebiet Ost begrenzt von der Autobahn A 9 im Westen, der Staatsstraße Richtung Neufahrn und Erding im Süden, der Bahnlinie im Norden und der Neufahrner Wohnbebauung hinter der Christl-Kranz-Straße im Osten. Die Erweiterung über die Bahn nach Norden würde nun im Vollausbau in etwa die halbe Distanz zwischen Bahn und Autobahn A 92 umfassen. Zentral erschlossen würde das gesamte Areal wohl über den Autobahnzubringer zur A 92, der in etwa mittig verläuft.