Neu am Flughafen München:Immer in Bewegung

Neu am Flughafen München: Der Flughafen als Arbeitsplatz übt auf Pfarrerin Christine Stöhr einen gewissen Reiz aus.

Der Flughafen als Arbeitsplatz übt auf Pfarrerin Christine Stöhr einen gewissen Reiz aus.

(Foto: Marco Einfeldt)

Christine Stöhr ist seit April Pfarrerin im Erdinger Moos

Von Henrike Adamsen, Flughafen

Von der Auferstehungskirche in Landshut zu Raum Z4291, Ebene 4 am Münchener Flughafen. Die Pfarrerin Christine Stöhr wechselte im April nach 14 Jahren aus dem Gemeindedienst zur evangelischen Begleitung am Airport. Kirchenrat Ingo Schurig hält an diesem Donnerstag um 17 Uhr den Einführungsgottesdienst in der Gaststätte Airbräu.

Mit der Stelle hatte die geborene Oberpfälzerin schon lange geliebäugelt: "Der Flughafen reizt mich als Ort, der immer in Bewegung ist und weil hier verschiedene Lebensbiografien und Kulturen ein und aus gehen." Manche fliegen "nur" in den Urlaub, andere haben große Veränderungen vor oder hinter sich. Abschiede, Heimkommen und Wiedersehen, das zeichne ihren neuen Arbeitsalltag aus.

Mit der geregelten Fünf-Tage-Woche hadert die 46-Jährige allerdings noch. "Das war am Anfang, wie aus einem fahrenden Karussell rauszuspringen, denn in der Gemeinde ist man immer im Dienst und ansprechbar." Deswegen überlege sie, über die geregelte Dienstzeit von Montag bis Freitag hinaus auch am Wochenende als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen. Denn auch dann wolle sie für die Menschen da sein.

Während sich die katholische Flugbegleitung um die Reisenden kümmert, ist die evangelische Begleitung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Flughafens zuständig. Hier stehe sie noch am Anfang, müsse sich mit ihren deutschsprachigen und internationalen Kolleginnen und Kollegen vernetzen und umhören, welche Angebote die Angestellten am Flughafen sich wünschen. Deren aktuelle Sorgen und Nöte beziehen sich vor allem auf die Corona-Umstrukturierungen über die verschiedenen Abteilungen hinweg oder auch auf einen nahenden Renteneintritt. Darüber hinaus hat die Pfarrerin eine Fortbildung in der Notfallseelsorge absolviert, so dass sie nun den organisatorischen Teil übernehmen kann, falls in einer schweren Situation mehrere Helfer benötigt werden. Gottesdienste leitet Stöhr momentan aufgrund der niedrigen Besucherzahlen keine: "Da lasse ich mir wegen Corona noch Zeit und überlege, welche liturgischen Angebote es geben kann. In Zukunft wird es die aber auf jeden Fall wieder geben."

Neben Gottesdiensten und der Notfallseelsorge leistet die evangelische Begleitung am Flughafen München auch Obdachlosenberatung und begleitet Asylsuchende, die in der Transitunterkunft auf ihren Bescheid warten. Eine Sozialarbeiterin hilft in diesem Rahmen bei praktischen Fragen, beispielsweise wie man sich im Interview verhält oder wie das Asylverfahren genau abläuft.

In Schwandorf in der Oberpfalz geboren, bestritt Stöhr ihr Studium der evangelischen Theologie in Neuendettelsau und Münster und absolvierte das Vikariat in der Paulanergemeinschaft in Amberg. Mit ihrem Wechsel von der Auferstehungskirche in Landshut tritt sie die Nachfolge des ehemaligen Flughafenpfarrers Stefan Fratzscher an.

© SZ vom 29.07.2021
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