Netzpersönlichkeiten aus dem Landkreis Freising:"Mutter des Ü-40-Bloggs"

Lesezeit: 3 min

Susanne Ackstaller

Susanne Ackstaller alias Texterella gestaltet seit über zehn Jahren einen Modeblog für Frauen ab 40 und 50. Jetzt hat sie zu dem Thema auch ein Buch geschrieben, mit dem Titel "Die beste Zeit für guten Stil".

(Foto: Martina Klein Fotografie/oh)

Texterella, alias Susanne Ackstaller aus Kirchdorf, rät Frauen, sich unverkrampft zu kleiden und nur nicht zu verblassen. Jetzt hat die 55-Jährige auch ein Modebuch für Gleichaltrige geschrieben

Von Alexandra Vettori, Kirchdorf

Sie veröffentlichen regelmäßig Videoclips, Blogs und Bildgeschichten, präsentieren sich oder Produkte auf Online-Plattformen, geben Tipps zu Fitness, Kleidung oder Kochen: Netzpersönlichkeiten aus dem Landkreis Freising, die sich Einflusskanäle aufbauen jenseits von Isar und Amper. Die Freisinger SZ will in einer lockeren Serie von ihnen wissen, was sie antreibt, wie man in das Metier des Influencers hineinwächst, welche Pläne sie verfolgen. Heute: Modebloggerin Texterella.

Texterella hat ein Buch geschrieben. Nicht wegen Corona, das nicht, aber natürlich hat die Zwangspause dem schon vorher geplanten Projekt gut getan. Eigentlich heißt Texterella Susanne Ackstaller und wohnt mit Mann, Kater und Kind in Kirchdorf. Seit 2009 betreibt die 55-Jährige ihren Blog, "aus einer Laune heraus" habe sie damit begonnen, wie sie erzählt. Mode für die Frau ab 40 und 50 ist ihr Thema, und Texterella zeigt eindrücklich, wie man sich auch mit einigen Jahren und Pfunden mehr unverkrampft, mit Lebensfreude und Modemut kleiden und wohl fühlen kann in der eigenen Haut. "Ich gebe keine Tipps, wie man jünger oder schlanker aussieht, sondern ich sage, probier dich aus, verblasse nicht!", beschreibt sie ihre Botschaft.

50 000 Follower, vor allem Leserinnen, hat Texterellas Blog, dazu zählt sie einige Tausend Follower auf Pinterest und Twitter und knapp 7000 Abonnenten auf Facebook. 2018 erhielt sie den "Goldenen Blogger" als eine der 20 erfolgreichsten deutschen Bloggerinnen. Die prämierende Agentur wertete Verlinkungen und Interaktionen aus, und das ist auch das, worauf es Susanne Ackstaller mehr ankommt, als auf blanke Zahlen, "da tut sich total viel, das ist auch ein sehr aktiver Austausch".

Für Susanne Ackstaller ist ihre Tätigkeit als Bloggerin genau das, was sie sich vor über zehn Jahren wünschte, als sie als Selbständige noch ausschließlich Geschäftsberichte für Firmen verfasste und große Lust auf andere Themen zwischendurch hatte. In der Szene wird sie die "Mutter des Ü-40-Bloggs" genannt, und tatsächlich gehörte sie 2003 mit ihrem Tagebuch-Blog zu den ersten in Deutschland. 2009 folgte der Lifestyle- und Modeblog Texterella. Darin schreibt sie nicht nur über Mode, sondern nimmt ihre Leserinnen mit auf reich bebilderte Reisen. Als im vorigen Frühjahr der erste Corona-Lockdown verhängt wurde, war gerade eine Fotoreise nach Portugal und Venedig geplant.

"Aber dann bin ich wie alle anderen schön brav daheim in meinem Homeoffice geblieben", so Ackstaller. Für sie selbst nichts Neues, "ich war 20 Jahre lang im Homeoffice, das war für mich kein Thema. Ich kriege Aufträge und schreibe sie." Die Themen aber haben sich durch Corona geändert, weg von den Reisen, hin zum Naheliegenden, "mehr Pflege der Familie, wie kann ich es mir daheim schön machen, die Katze, insgesamt bin ich mütterlicher geworden, schon fast häuslich", erzählt sie mit einem Lächeln. Susanne Ackstaller ist tatsächlich Mutter, allerdings von drei inzwischen erwachsenen Kindern. Der Jüngste lebt noch daheim, die zwei Älteren kamen nur zu Beginn der Corona-Zeit vorsichtshalber vorübergehend ins elterliche Anwesen nach Kirchdorf.

Auch Rezensionen gehören zu den Themen von Texterella, daraus ist letztlich das aktuelle Buchprojekt entstanden. "Da waren immer wieder Bücher des Knesebeck-Verlags dabei, und 2019 haben sie dann bei mir angefragt, ob ich nicht ein kolumniges Modebuch für Frauen in meinem Alter schreiben wolle. Das war genau das, was ich ohnehin vor hatte", erzählt Susanne Ackstaller begeistert. Das Schreiben habe einen Riesenspaß gemacht und auch nur ein halbes Jahr gedauert. "Es ist kein klassischer Stilratgeber", betont Texterella, "eher ein bisschen freigeistig. Ein Stilguide ohne Stilregeln, so könnte man es sagen."

Elf Protagonistinnen hat die Autorin dafür interviewt, "echte Frauen zwischen 45 und Ende 60", schließlich lautet der ganze Titel "Die beste Zeit für guten Stil. Fashion für Women, not girls". Einen Teil der Frauen kannte Susanne Ackstaller bereits, einen Teil hat sie bewusst gesucht, etwa zum Thema Nachhaltigkeit. So entstanden Porträts, die anregen. "Das Allerschönste aber war, dass schon einen Tag nach der Erscheinung am 24. Februar die komplette Erstausgabe mit 4000 Büchern vergriffen war, alles online, weil ja kein Buchladen auf hatte", erzählt Susanne Ackstaller. Das zeigt, betont sie, "wie stark gerade Frauen ab 50 das Thema Mode aufnehmen, obwohl sie ja traditionell so vernachlässigt werden".

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