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Naurwald im Landkreis Freising:Der Natur ihren Frieden lassen

Die Auwälder der mittleren Isar werden neben drei anderen Gebieten in Bayern als Naturwald ausgewiesen. Das 2400 Hektar große Areal zieht sich als ein bis zu 500 Meter breites Band auf beiden Seiten der Isar entlang

Es sei ein Riesen-Erfolg, "wir freuen uns total", sagt Christine Margraf, stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe Freising des Bundes Naturschutz (BN). Der Grund für ihre Freude: Die Auwälder der mittleren Isar werden neben drei anderen Gebieten in Bayern als Naturwald ausgewiesen. Dort gilt zukünftig der Nationalpark-Grundsatz "Natur Natur sein lassen" - das bedeutet, dass dort zukünftig auf die forstliche Nutzung verzichtet wird. Diese Ausweisung bedeute einen "zentral wichtigen" Fortschritt: Für die Artenvielfalt, den Hochwasserschutz aber auch für die Menschen. "Die werden nun einen fantastischen Naturwald bekommen", freut sich Christine Margraf. Das sei seit Langem eine der zentralen Forderungen des BN gewesen.

Der Wald dürfe sich nun wieder frei entwickeln, ohne dass der Förster Hand anlegt. "Wir werden daraus viel lernen können", ist sich Christine Margraf sicher. Als Beispiel nennt sie das Eschentriebsterben, eine derzeit stark verbreitete Pilzerkrankung dieser Bäume. Diese könne nun ohne Eingriff von außen ablaufen. "Wir können in den Isarauen, wo die Esche tragende Baumart ist, beobachten, wie die Natur reagiert, wie sich dadurch die Zusammensetzung der Baumarten verändert", erklärt Christine Margraf. Durch den verstärkten Rückbau von Deichen dagegen werde es häufiger zu Überflutungen kommen - auch das werde das Bild des Auwaldes verändern.

Der BN hat die Auwälder der mittleren Isar bereits 2016 in seiner Studie "Mehr Naturwälder für Bayern" als Anwärter für neue Schutzgebiete aufgeführt. Gut 2400 Hektar umfasst nun der neu entstehende Naturwald als ein bis zu 500 Meter breites Band auf beiden Seiten der Isar. Über 50 Kilometer lang zieht sich dieses vom Münchner Norden über Freising und Moosburg bis hin nach Landshut. Der größte Teil davon befindet sich im Landkreis Freising. Hier ist in den vergangenen Jahren bereits einiges passiert: So wurden die Uferverbauungen entfernt und Deiche nach hinten verlegt. Die Auen-Landschaft gewann dadurch an Platz, die Isar konnte in ihrem Bett wieder Kiesbänke aufhäufen. Inzwischen brütet dort auch wieder der Flussregenpfeifer. Die Auwälder an der Isar waren bereits schon einmal für einen dritten Nationalpark im Gespräch, bis Ministerpräsident Markus Söder wegen zu großem Widerstand aus den eigenen Reihen die Gespräche abbrach. Im Rahmen des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" wurde in einem Ergänzungsgesetz dann allerdings bereits ein verstärkter Naturschutz in den Wäldern verankert. Dass es mit einer Ausweisung zum Naturwald nun aber so schnell geht, hat auch Christine Margraf überrascht. Neben den Auwäldern der mittleren Isar wurden zeitgleich der Böhlgrund im Steigerwald, die Buchenwälder an der Weltenburger Enge und der Irtenberger Wald in Unterfranken zu Schutzgebieten erklärt.

Auch Freisings Forstbetriebsleiter Alfred Fuchs, der für die Auwälder der mittleren Isar zuständig ist, sieht die Ausweisung positiv. "Wir begrüßen das", sagt er. Zeige es doch, dass die Auwälder ein "Diversitäts-Hotspot" seien, "wir haben in den Jahrzehnten zuvor also nicht so viel falsch gemacht". In dem neuen Naturwald werde nun keine Waldpflege mehr betrieben, es werde nichts mehr gepflanzt und auch keine Holzernte mehr stattfinden. Bislang habe man aus dem Staatswald jedes Jahr etwa 8000 Kubikmeter Holz entnommen. "Zukünftig werden wir dort nur noch Maßnahmen zur Verkehrssicherheit durchführen", sagt Fuchs. Eine Abholzung wird es nur noch geben, wenn der Borkenkäfer das notwendig macht - aber diese Maßnahme werde zuvor mit der Unteren Forstbehörde abgestimmt. Ansonsten wird der Wald ganz der Natur überlassen. "Ich bin mit der Geschichte recht zufrieden", sagt Fuchs. Für Benno Zierer, umweltpolitischer Sprecher der Freien Wähler, ist die angekündigte Ausweisung ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung des bayernweiten Naturwald-Netzes. Dieses wurde im Koalitionsvertrag vereinbart, erklärt Zierer. Insgesamt zehn Prozent des Staatswaldes soll dieses Netz einmal umfassen.

© SZ vom 02.06.2020

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