Süddeutsche Zeitung

Naturschutzprojekt bei Allershausen:Heimat für die Gelbbauchunke

Umweltminister Thorsten Glauber (FW) sowie eine Delegation von Politikern und Naturschützern besichtigen Tümpel in einer Kiesgrube, indem sich die Lurchart, gefördert durch ein Projekt, angesiedelt hat.

Von Alexandra Vettori, Allershausen

Für so ein kleines Tierchen, das auch nur von unten prägnant aussieht, hat die Gelbbauchunke doch einige Aufmerksamkeit bekommen in den vergangenen Jahren. Aufmerksamkeit und Geld, genau genommen 670 000 Euro. Damit ist das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt des Bundesamts für Naturschutz mit dem tiefsinnigen Namen "Allen Unkenrufen zum Trotz" ausgestattet worden. Das Ziel: Dem drohenden Aussterben der Gelbbauchunke so viel wie möglich entgegen zu setzen und um Land- und Forstwirtschaft für die Bedürfnisse der Amphibien zu sensibilisieren.

Der Landkreis Freising ist einer von sechs teilnehmenden Kreisen in Südbayern. Seit dem Start des Projekts 2016 wurden insgesamt 100 ehrenamtliche "Unkenhelfer und -helferinnen geschult, drei Grundstücke gekauft, und 500 Kleingewässer, in der Regel größere Pfützen und Tümpelchen, angelegt. Dabei wurde versucht, die einzelnen Unken-Lebensräume auch zu vernetzen, damit die Tiere ihrem natürlichen Wandertrieb folgen können. Der Süden Deutschlands habe eine besondere Verantwortung, betonte Judith Jabs-Ingenhaag am Donnerstag bei einem Pressetermin zum anstehenden Ende des Projekts, sie koordiniert die Projekte im Kreis Freising.

Es mutete ein wenig skurril an, wie sich die Gruppe, bestehend aus Landrat Helmut Petz, Bürgermeister, Kreisräte, Landtagsabgeordneter Benno Zierer, am Projekt Beteiligte und sogar der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber über eine kleine, modrige Pfütze beugten und Laufkäfer sowie zwei junge Gelbbauchunken bewunderten, die vorsorglich vorher gefangen und nun wieder frei gelassen wurden. "Als Kinder haben wir ständig in so was gespielt", sagte ein Teilnehmer mit einem Lachen. Doch tatsächlich sind solche Fleckchen auch auf dem Land selten geworden, vor allem, weil in Wald und Feld immer mehr Wege befestigt werden und kaum noch ein Schlagloch zu finden ist.

Die Kiesgrube im Allershausener Ortsteil Unterkienberg ist ein Paradebeispiel für ein Unken-Projekt. Mit dem Geld aus dem Förderprogramm wurde hier ein Grundstück gekauft, gleichzeitig erwarben auch Landkreis und Gemeinde je eines, dazu kommt Kirchengrund. Insgesamt zehn Hektar, auf denen die Naturschützer Tümpelchen gruben und sich nicht nur Gelbbauch- und Kreuzunke wohl fühlen, wie Jörg Steiner von der Unteren Naturschutzbehörde betonte, sondern auch der farbenprächtige Bienenfresser etwa, oder ein Uhu, der hier ab und an brüte. Wie viele Gelbbauchunken hier leben, weiß Judith Jabs-Ingenhaag nicht, "heute habe ich neun gesehen".

Die Resonanz auf das Unken-Projekt sei insgesamt groß gewesen, berichtete sie, deshalb hoffe man schon, dass man für die Bedürfnisse der Gelbbauchunke sensibilisieren konnte: "Kleine Wasserlöcher sind wichtig." Ursprünglich war die Pionierart Gelbbauchunke in dynamischen Flusslandschaften daheim, die aber hat der Mensch durch die Begradigung der Flüsse weitgehend verschwinden lassen. Die Unke gab sich fortan mit den Rändern seiner land- und forstwirtschaftlichen Wirtschaft zufrieden, in den Tümpeln und Löchern auf Weiden und Waldwegen, doch jetzt fallen diese dem Ordnungs- und Optimierungssinn zum Opfer. Wird nicht aktiv entgegen gesteuert, findet bald auch die findigste Unke wohl keine Nische mehr.

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SZ vom 10.09.2021
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