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Naturschutz  im Landkreis Freising:Der Hase leidet

Es gibt viele Bemühungen seitens der Jäger, den Lebensraum des Hasen zu vergrößern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Population der Tiere im Landkreis Freising schwankt, sie ist auch abhängig von vorhandenen Wildkräuterstreifen

Er gilt als Sportler, Trickser und Individualist, als Bewegungsseher, Feinschmecker und guter Zuhörer. In einer Erzählung der Brüder Grimm wird er von einem Igel und seiner Frau in einem Wettlauf überlistet. Ein Frankfurter Arzt soll im 17. Jahrhundert über ihn in Zusammenhang mit der Überbringung von Ostereiern promoviert haben. Die Rede ist vom Hasen. Ostern und Eier, Hase und Auferstehung: Derlei symbolische Verknüpfungen haben sich in der Moderne verbreitet. Entstanden ist daraus die religiös angehauchte Figur des Osterhasen. Auch im Landkreis Freising hoppeln Hasen landauf landab über Wiesen und Felder, die meisten von ihnen mutmaßlich ohne bemalte Eier in einem Korb auf den Rücken geschnallt. Ihre Population gestaltet sich derweil schwankend, wie Walter Bott, Vorsitzender des Freisinger Jagdvereins, berichtet.

Der europäische Feldhase, athletisch anzuschauen, in Gefahrensituationen aber durchaus zum schmerzhaften Boxen und Treten bereit, sei besonders wählerisch bei der Nahrungssuche, schreibt der Bayerische Jagdverband. "Als typischer Bewohner der offenen Landschaft rückt er bevorzugt in der Dämmerung zu Felde und sucht nach Gräsern und Kräutern, wie Kamille, Schafgarbe, Hirse und Weißklee. Meister Lampe sucht dabei - das zeigen Untersuchungen - diese Pflanzen ganz gezielt aus, weil er instinktiv um deren heilsame Wirkung weiß." Jäger bezeichneten abwechslungsreiche Wildkräuterstreifen deshalb als "Hasenapotheke".

Ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot zu finden, ist für Hasen im Landkreis Freising in jüngerer Zeit eine Herausforderung. Wo früher Wildwuchs herrschte, werden heute in großen zusammenhängenden Gebieten Felder bestellt. Es gebe zu wenig Ausgleichsflächen, kritisiert regelmäßig der Landschaftspflegeverband Freising. Es gebe viele Bemühungen seitens der Jäger, den Lebensraum des Hasen zu vergrößern, sagt Bott. Etwa durch das Anlegen von Wildackerpflanzen und Hecken: letztlich Naturschutzmaßnahmen. Bott ist dritter Vorsitzender des Landschaftspflegeverbands. Derlei Maßnahmen seien zwar "ein Tropfen auf den heißen Stein, aber jeder Schritt ist einer in die richtige Richtung", sagt er.

Notwendig ist das Engagement der Jäger wegen einer strukturell veränderten Art zu Landwirtschaften. "Der Hase ist besser mit der kleinstrukturierten Landwirtschaft zurechtgekommen", sagt Bott. Damit müsse man umgehen, denn schließlich wolle niemand zurück ins 18. Jahrhundert. Klar sei: "Dass der Hase darunter leidet, das ist richtig." Den Schwarzen Peter möchte Bott den Landwirten nicht zuschieben. Um den Hasen und andere Arten zu schützen, brauche es jedoch eine gemeinsame Absprache aller im Naturraum tätigen Akteure. Damit die unterschiedlichen Interessen abgestimmt werden. "Das geht nur Hand in Hand mit den Landwirten. Man muss miteinander reden und Kompromisse finden."

Neben der Frage des Lebensraums macht den Hasen im Landkreis eine Seuche zu schaffen: die Tularämie, im Volksmund Hasenpest genannt. "Die kommt immer wieder mal und war im letzten Jahr sehr stark im Landkreis Freising." Zirka zehn tote Hasen habe man gefunden, die daran eingegangen seien, sagt Bott. "Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs, viele wurden sicher von Hunden oder Wildschweinen davor entdeckt und gefressen." Insgesamt sei hinsichtlich der Größe der Hasenpopulation im Landkreis "sicherlich ein Abwärtstrend" zu verzeichnen, sagt Bott; in der Untereren Naturschutzbehörde mutmaße man Ähnliches, wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt. Auf der anderen Seite scheint sich der Klimawandel auf die Population zumindest kurzfristig positiv auszuwirken. Die beiden vergangenen, sehr trockenen Jahre seien dem Hasen gelegen gekommen, sagt Bott. "Der ist ja ursprünglich ein Steppentier."

© SZ vom 09.04.2020

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