Diskussion um Umzug des Naturgartens SchöneggeDie Fronten sind verhärtet

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Im voll besetzten Saal des Gasthauses Hörger hat die Familie Schönegge versucht, den Anwohnerinnen und Anwohnern die Angst vor ihrem geplanten "Zukunftshof" in Viehhausen zu nehmen.
Im voll besetzten Saal des Gasthauses Hörger hat die Familie Schönegge versucht, den Anwohnerinnen und Anwohnern die Angst vor ihrem geplanten "Zukunftshof" in Viehhausen zu nehmen. (Foto: Marco Einfeldt)

Eine Hofstelle in Viehhausen soll zum „Zukunftshof“ ausgebaut werden, mit Pferdepension, Gartenbau und einem Waldkindergarten. Die Anwohner aber fürchten Lärm und Verkehr – die Stimmung ist aufgeheizt.

Von Lena Meyer, Freising

Die Menschen in Sünzhausen sind aufgebracht, das wird klar, sobald man an diesem Abend im Gasthaus Hörger sitzt. Die Betreiber des Naturgartens Schönegge hatten hierher zu einer Informationsveranstaltung geladen, um mit den Anwohnerinnen und Anwohnern über ihre Pläne für Viehhausen ins Gespräch zu kommen. Doch die Fronten scheinen verhärtet. Knackpunkt sind bekanntlich die schmalen Zufahrten über Sünzhausen oder Gremertshausen, das ist an diesem Abend nicht anders. Denn teilweise sind die Straßen dort nur drei Meter breit und müssten ausgebaut werden.

Hintergrund der Veranstaltung ist der geplante Umzug des Naturgartens Schönegge. Auf der Suche nach einem neuen Standort war die Familie für ihr neues Großprojekt in Viehhausen fündig geworden. „Zukunftshof“ heißt das Vorhaben mit Pensionsbetrieb für Pferde, Gartenbau und einem Wald- und Naturkindergarten. Hierfür soll eine bestehende Hofstelle großzügig ausgebaut werden.

Während das Projekt selber durchaus auf Anklang stößt, ist man dem Standort gegenüber kritisch eingestellt. Das Thema Verkehr löst an diesem Abend emotionale Regungen aus. Um von Freising aus zu dem Zukunftshof zu gelangen, gäbe es Zufahrten über Gremertshausen oder Sünzhausen. Die Hauptzufahrt über Gremertshausen würde den erwarteten Verkehrszahlen auch standhalten, sind sich die Bauherren sicher. Ob dieser „Umweg“ allerdings genommen werde, sei fraglich, kritisierten Stimmen im Publikum. Tatsächlich sei es oftmals schneller, über Sünzhausen zu fahren. Der zusätzliche Verkehr wäre dann eine „nicht zu unterschätzende“ Belastung für den Ort.

Das Konzept des Zukunftshofes habe zwar „einen super Ansatz“, findet eine Jägerin aus Sünzhausen. Dennoch werde nicht an die tägliche Mehrbelastung durch Betriebsmitarbeiter gedacht. „Es wird Zulieferer, Kunden, Cafébesucher, Trainer, Reitlehrer und Besucher geben.“ Hinzu kämen die Kinder, die in den Kindergarten gefahren werden müssten. Pro Tag könne man also mit bis zu 200 Fahrzeugen rechnen, so eine kritische Stimme aus dem Publikum. Das wiederum erhöhe den „Freizeitdruck in Bereichen, die naturbelassen sind“, so die Jägerin aus Sünzhausen weiter. „Hier sind wir in der unberührten Natur. Der Standort passt einfach nicht.“ Sinnvoller erschiene ihr etwa Nandlstadt.

„Wo nichts ist, macht jeder Spatenstich etwas kaputt“, bekräftigte ein weiterer Teilnehmer der Veranstaltung. Die Ruhe des Ortes sei gefährdet; die Leidtragenden dann die Tiere. „Wir haben auch ein Anrecht auf dieses Kleinod“, klagte eine andere Besucherin. Das würde sie sich gerne bewahren. Auch für ihre Nachkommen.

Erhard Schönegge hat an diesem Abend einen schweren Stand.
Erhard Schönegge hat an diesem Abend einen schweren Stand. (Foto: Marco Einfeldt)

Damit es zu keinen gefährlichen Begegnungen auf den Straßen komme, müssten diese zudem weiter ausgebaut werden. Für einige Anwohner ein mächtiger Dorn im Auge – man würde ihre Grundstücke damit beschneiden. „Dreist“ und „anmaßend“ seien diese Pläne, die von den Veranstaltern gemacht worden seien. „Man fragt, bevor man ein Grundstück betritt und etwas ausmisst.“ Die Beteuerungen der Veranstalter, man habe für die Messungen eigens ein Baubüro aus München engagiert und keine Grundstücke betreten, wollte man an diesem Abend nicht hören.

„Es könnte auch noch schlimmer kommen“, gibt eine Besucherin zu bedenken

Dennoch gab es durchaus auch Stimmen, die dem Projekt positiv gegenüberstanden. Der Hof stehe immerhin zum Verkauf, räumte eine Teilnehmerin ein. Es handele sich bei der Fläche nicht um ein Naturschutzgebiet, das Areal würde also in jedem Fall verkauft werden. „Es könnte auch ein Großinvestor kommen und die Fläche für Massentierhaltung nutzen“, gab sie zu bedenken. Dann doch lieber ein Betrieb mit sozialer Landwirtschaft. Der Verkehr nehme generell zu, das sei überall bemerkbar. Man müsse doch objektiv bleiben und auch ein wenig zukunftsorientiert handeln.

Doch Argumente wie diese gehen beinahe unter. Zu aufgeheizt ist die Stimmung an diesem Abend, die Diskussion wird größer und grundsätzlicher. Was geschehe mit den hier lebenden Kindern? „Familie Schönegge spricht immer über die Kinder. Aber unsere Kinder werden nicht berücksichtigt“, heißt es aus dem Publikum. Kritisiert wurde zudem der Aspekt, dass das Kinderprojekt den kleinsten Anteil auf dem Zukunftshof ausmache. Trotzdem werde mit ihm am meisten geworben.

Vor allem für das Thema Verkehr zeigte Familie Schönegge Verständnis. Man wolle „lösungsoffen“ bleiben und Alternativen finden. Man wisse, dass das Thema emotional aufgeladen sei. Doch das Projekt in Viehhausen könne „viele Menschen glücklich machen“, so die Veranstalter. Von den Seiten erklingt eher ungläubiges Lachen.

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