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"Natürlich Blond":Feine Reime von zwei Rappern

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Johannes Berger und Philipp Potthast sind "Natürlich Blond".

(Foto: Kadir Kara; privat)

Philipp Potthast und Johannes Berger bilden das Rapper-Duo "Natürlich Blond". Zum Schreiben ihrer Texte fahren die Beiden immer für eine Woche an die Nordsee.

Von Anne Gerstenberg, Freising

"Fresh, swaggy und ohne Bartwuchs" - so beschreibt sich das Rapper-Duo "Natürlich Blond" albern und selbstironisch selbst. Seit 2012 rappt der gebürtige Freisinger Philipp Potthast (21) mit seinem Freund und "Partner in crime" Johannes Berger (21). Kennengelernt haben sich die beiden über ihr gemeinsames Hobby, den Poetry Slam. Potthast ist bei den regelmäßig stattfinden Slams in Freising gefeierter Lokalmatador.

Als sich die Beiden dann näher angefreundet hatten, "war es quasi vorprogrammiert, dass wir zusammen Mucke machen würden", erzählt Philipp Potthast. An einem besonders kalten Winterabend vor Weihnachten sei es dann passiert: Sie stachelten sich gegenseitig auf in ihrer Albernheit, reimten wild drauf los, auf "Weihnachten" wurde "Schwein schlachten" gereimt und dazu einige Fotos vor dem Adventskranz gemacht - und da war das "Natürlich Blond" Duo geboren.

Johannes wohnt in Hannover, Philipp in München, die Distanz ist aber kein Problem. Das erste Album der Beiden heißt "Marvin" und entstand im Münchner Keller von Johannes Eltern, die Aufnahmen für die neue "Eigentlich EP" im Tonstudio der Musikhochschule in Hannover. Zum Schreiben ihrer Texte, Poetry-Slam und Rap, fahren die beiden im Sommer immer gemeinsam für eine Woche an die Nordsee. "Die dort entstandenen Werke sind tatsächlich gezeichnet vom Geist dieser Urlaube", sagt Philipp. Von Strand, Meer, Einöde und der Currywurst auf dem nahe gelegenen FKK-Campingplatz inspiriert, lassen die beiden dort ihrer Kreativität freien Lauf. Sie rappen über Themen, die sie bewegen, von Lernphasen und dem ewigen "den Arsch nicht hochkriegen", über die Frauenfeindlichkeit und Homophobie im Rap.

"Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust": Wie schon Goethe seinen Faust proklamieren ließ, verhandeln die Beiden humorvoll den Gegensatz der eigenen sittlich-gutbürgerlichen, intellekt-geladenen Herkunft und ihrer Liebe zum Hip-Hop. Mit Texten wie: "Ich steppe in die Cypher mit Adorno und Horkheimer" karikiert das Duo in der ihnen eigenen Selbstironie die Widersprüchlichkeit ihrer Identitäten. "Natürlich sind wir pseudointellektuell", sagt Philipp, "aber was sollen wir denn machen?"

Philipp studiert Jura, Johannes Jazz-Bratsche, ihre Väter sind Jurist und Professor. "Wir sind einfach zwei blonde Jungs, die mit 13 ihre Seele an den Hip-Hop verloren haben und innerlich immer noch über Peniswitze kichern", sagt Potthast. Aber zu Rap gehören eben traditionell auch die verschiedenen Variationen der "ich ficke deine Mutter" Punch-Lines dazu.

Den Poetry Slam haben sie trotz des Rappens nicht aufgegeben und treten gemeinsam als Slam-Team und einzeln weiterhin auf. Wegen dieses besonderen Bezugs sind die beiden auch als Rapper bei Poetry Slams zu sehen, beispielsweise am 7. März zu "Bless the Mic" und am 11. März zum "Peacecamp Jam" in München in der Glockenbach-Werkstatt. Ihre neue EP, die "Eigentlich EP" heißt, weil sie eigentlich ein Album werden sollte, erscheint voraussichtlich im Mai.

© SZ vom 08.03.2016
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