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Kommunalwahl in Nandlstadt:Das Ende der Ära Hartl

Die Entscheidung steht nun fest: Jakob Hartl, seit 30 Jahren Bürgermeister der Marktgemeinde Nandlstadt, tritt bei den Kommunalwahlen im März nicht mehr an. Für die Gemeinde im nördlichen Landkreis bedeutet dies das Ende einer Ära.

(Foto: Marco Einfeldt)

Nach 30 Jahren bekommt die Gemeinde einen neuen Bürgermeister. Leicht wird er es nicht haben, denn die Kommune in der Hallertau ist eine der finanzschwächsten im Landkreis.

In Nandlstadt wird nach der Kommunalwahl eine neue Ära anbrechen, denn der amtierende Bürgermeister Jakob Hartl von der Bürgerliste Nandlstadt (BLN) kandidiert nicht mehr. "30 Jahre sind genug", sagte der 66-Jährige nach der Aufstellungsversammlung seiner Gruppierung, die keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten nominierte. Sie überzeugte Hartl aber, auf dem letzten Platz der Marktratsliste zu kandidieren.

Auch nach Bekanntwerden von Hartls Entscheidung ist nicht klar, ob die Nandlstädter am 15. März die Wahl zwischen zwei oder drei Bewerbern haben werden. Die beiden stellvertretenden Bürgermeister, Jens-Uwe Klein (Interessensgemeinschaft Nandlstadt, IGN) und Gerhard Betz (Unabhängige Wähler, UWN) sowie der CSU-Marktrat Franz Mayer wollen Hartls Erbe antreten. Allerdings muss Klein, der keine Kandidaten für seine Marktratsliste fand, noch eine Hürde nehmen: 120 Unterschriften benötigt er bis zum 3. Februar, damit er sich um Hartls Nachfolge bewerben kann. Die CSU nominierte Mayer, obwohl auch Klein der CSU angehört, daraufhin gründete er eine eigene Gruppierung.

Die Bewerber um seine Nachfolge unterscheiden sich in ihren Zielen wenig

Dass der Nandlstädter CSU-Ortsverband seine Funktionsträger nicht berücksichtigt, kommt nicht zum ersten Mal vor. Denn schon Bürgermeister Jakob Hartl, der seit 1990 Gemeindechef ist, war 2008 von der CSU nicht wieder aufgestellt worden. Er gründete daraufhin die Bürgerliste. Bekanntlich scheiterte dann der neue Kandidat der CSU, Martin Reiter, und Hartl blieb für seine neue Gruppierung Rathauschef.

Neben der CSU, der UWN und der BNL bewerben sich Kandidaten der Grünen, die bisher einen Gemeinderat stellen, mit ihrer offenen Liste um weitere Sitze in dem Gremium.

Die Bewerber um den Bürgermeisterposten, Betz, Mayer und Klein, unterscheiden sich in ihren Zielen wenig, sie versprechen alle mehr Transparenz und sie kritisieren die mangelnde Kommunikation zwischen Bürgern und Rathaus. Das solle mit ihnen als Gemeindechef besser werden, betonen sie.

Die Gemeinde Nandlstadt ist eine der finanzschwächsten im ganzen Landkreis, sie verfügt über wenig Gewerbebetriebe und daher auch nur über geringe Gewerbesteuereinnahmen. Aber der Vorteil der Kommune im nördlichen Landkreis ist ihre ruhige, idyllische Lage, fernab von der Autobahn, mit einem gut erhaltenen Ortskern. Nandlstadt ist als Wohnort beliebt, derzeit entsteht ein neues Baugebiet mit 70 Bauparzellen für Einzel-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser, die im Einheimischenmodell zu vergünstigten Preisen verkauft werden. Es gibt in der Gemeinde sogar ein kleines Hallenbad und ein Naturfreibad, das allerdings im vergangenen Jahr wegen zu hoher Keimzahlen im Wasser geschlossen werden musste. Die Sanierung und Erhaltung des Waldbades, die nach bisherigen Schätzungen rund 1,3 Millionen Euro kosten wird, haben sich alle Bürgermeisterkandidaten auf ihre Fahnen geschrieben.

Die Listen der Kandidaten

Bürgerliste Nandlstadt (BN):

1. Michael Schranner, 2. Elfriede Hofmair, 3. Sebastian Löffler, 4. Thomas Häßler, 5. Sebastian Kühner, 6. Michael Blomooser, 7. Claudia Klaubert, 8.Thomas Bogner, 9. Lukas Rieder, 10. Jakob Hartl.

Unabhängige Wähler Nandlstadt (UWN):

1. Gerhard Betz, 2. Alexander Mörwald, 3. Maria Rauscher, 4. Jürgen Kronthaler, 5. Robert Urbaneck, 6. Thomas Walter, 7. Regina Schillinger, 8. Patrick Nocker, 9. Claudia Matuschzyk, 10. Michael Buchberger, 11. Pascal Entrup, 12. Claudia Thalwieser-Wagensonner, 13. Anton Kühner, 14. Renate Stoeber, 15. Enrico Wendt, 16. Kerstin Dietl, 17. Florian Brunnbauer, 18. Thomas Berger, 19. Reinhard Krojer, 20. Monika Linseisen. Ersatzkandidat: 21. Florian Ferdinand.

Grüne, offene Liste (GOL):

1. Tanja Conrad, 2. Erhard Schönegge, 3. Daniela Prummer, 4. Jochen Gundel, 5. Andreas Lehmann, 6. Bernd Stöckeler, 7. Maria Gütlich, 8. Markus Gütlich. Ersatzkandidatur: Sarah Gundel.

Offene CSU-Liste mit einem SPD Marktrat (Markus Kurkowiak)

1. Franz Mayer, 2. Rainer Klier, 3. Sibylle Thiermann-Mayrhofer, 4. Lorenz Schweiger, 5. Andreas Steininger, 6. Martin Forster, 7. Monika Popken, 8. Markus Kurkowiak, 9. Martin Mayer, 10. Sebastian Unger, 11. Matthias Mauser, 12. Andreas Stanglmair, 13. Birgit Sixt, 14. Christoph Kurzyk, 15. Josef Feichtmeier, 16. Andre Harney, 17. Nicole Birkner, 18. Johannes Staringer, 19. Manuela Holike, 20. Andreas Selmayer.

Jens-Uwe Klein will alleine als Bürgermeister kandidieren.

ka

Vor allem eine Belebung des Ortskerns liegt den Markträten am Herzen, denn dort schloss eine Gaststätte nach der anderen

Wie sich die Kommune mit ihren rund 5600 Einwohnern in Zukunft verändern soll, das haben die Markträte eineinhalb Jahre lang gemeinsam mit einem Münchner Architekturbüro als Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (Isek) mit staatlichem Fördergeld erarbeitet und Ziele sowie eine lange Wunschliste erstellt, hinter der auch die drei Bürgermeisterkandidaten stehen. Dazu gehören ein maßvolles Bevölkerungswachstum und vor allem eine wohl überlegte neue Ausweisung von Baugebieten. Da Wohnraum aber knapp ist, wolle man innerörtliche Baulücken schließen.

Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr soll zum Beispiel mit einem Expressbus zwischen Mainburg und Freising verbessert, die Kinderbetreuung ausgebaut und auch das Angebot für Senioren erweitert werden. Vor allem eine Belebung des Nandlstädter Ortskerns liegt den Markträten am Herzen, denn dort schloss eine Gaststätte nach der anderen. Dieser Trend solle endlich gestoppt, Einzelhandelsgeschäfte unterstützt, das Ortszentrum belebt und Nandlstadt nicht zu einer reinen Schlafstadt werden, dies haben sich Markträte und Bürgermeisterkandidaten vorgenommen. Wünschenswert wäre, endlich die alte Hopfenhalle zu sanieren und zu einem modernen Veranstaltungsort auszubauen.

Da die Bevölkerungszahl Nandlstadts in absehbarer Zeit durch das Neubaugebiet deutlich wachsen wird, sprechen sich Betz, Mayer und Klein für den Bau eines dritten Kindergartens aus, für den zurzeit ein Grundstück gesucht wird. Außerdem nennen sie die Stärkung der heimischen Betriebe als eines ihrer Ziele. Investieren wollen die Kandidaten auch in den Ausbau des Radwegenetzes.

Weniger sichtbar, aber unerlässlich ist eine funktionierende Abwasserentsorgung. Die wachsende Einwohnerzahl und die strengeren Auflagen machen es notwendig, die Kanäle zu sanieren sowie die Abwasserentsorgung zu verbessern und auszubauen. Dafür müssen in den kommenden Jahren mehrere Millionen Euro investiert werden. Einig sind sich alle Nandlstädter Gruppierungen und Kandidaten darin, dass sie kein Windrad in ihrer Gemeinde wollen. Deshalb klagt die Kommune gegen die vom Landratsamt genehmigten Pläne für ein Windrad an der Gemeindegrenze zum Markt Au bei Haslach.

In den kommenden Wochen wird der Nandlstädter Marktrat den Haushalt für 2020 verabschieden und damit vor der Wahl für das neue Gremium und den neuen Rathauschef Akzente setzen.

© SZ vom 24.01.2020
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