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Nach Familienstreit in Lerchenfeld:Polizei mit Brandsätzen attackiert

Junger Mann verletzt zwei Beamte. Polizisten im Landkreis werden überdurchschnittlich oft angegriffen.

Ein 25-jähriger Freisinger hat in der Nacht zum Dienstag Polizisten angegriffen und verletzt. Nach einem Familienstreit, der eskaliert war, warf der junge Mann mit Flaschen nach den von seinen Eltern alarmierten Beamten. Einige davon sollen selbst gebastelte Brandsätze gewesen sein, andere waren mit Salpeter- und Salzsäure gefüllt. Zwei Polizisten mussten wegen der eingeatmeten Dämpfe im Krankenhaus behandelt werden. Dass Polizisten bei einem Einsatz angespuckt, getreten oder gebissen werden, gehört seit Jahren zu deren beruflichem Alltag. Die Statistiken dokumentieren eine zunehmende Zahl von Gewalttaten, im Landkreis Freising liegt der Wert sogar über dem landesweiten Durchschnitt.

Die Eltern des 25-jährigen Angreifers von Dienstagnacht hatten die Polizei alarmiert, weil ihr Sohn schon ihnen gegenüber gewalttätig geworden war. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern hatte er Teile der Wohnungseinrichtung zerstört und seine Mutter mit Spiritus übergossen. Anschließend drohte er damit, sie anzuzünden. Die Eltern verständigten daraufhin die Polizei und flüchteten aus dem Haus. Der junge Mann verschanzte sich in seinem Zimmer im Obergeschoss des Hauses. Den inzwischen am Einsatzort eingetroffenen Polizisten drohte er zunächst verbal, dann warf er laut Polizeibericht mit selbst gebastelten Brandsätzen und Flaschen, die mit Säure gefüllt waren, nach den Beamten. Was für eine Flüssigkeit in den Molotow-Cocktails war, konnte Pressesprecher Thomas Ritzer nicht bestimmen. "Das ermittelt das Landeskriminalamt", sagte er. Getroffen hat der 25-Jährige zwar keinen der Polizisten, doch die mit Säure gefüllten Flaschen zerbarsten am Boden. Zwei Beamte atmeten die giftigen Dämpfe ein und mussten ins Krankenhaus.

Als die Einsatzkräfte den Bereich um das Wohnhaus in Lerchenfeld abriegelten, sah der 25-Jährige wohl die Sinnlosigkeit seines Handels ein. Er kam mit erhobenen Händen aus dem Haus und "ließ sich widerstandslos festnehmen", teilte Ritzer mit. Möglicherweise inspiriert durch einen jüngsten Vorfall in den USA gab er an, im Haus Sprengfallen und Säure ausgelegt zu haben. Daraufhin veranlasste die Polizei die Bewohner des Nachbarhauses, das Gebäude zu verlassen. Spezialisten des Landeskriminalamts durchsuchten das Anwesen, konnten aber bald Entwarnung geben. Sie hatten keine Vorrichtungen gefunden, von denen eine Gefahr hätte ausgehen können. Die Feuerwehr reinigte das Grundstück von der vergossenen Säure.

Wir haben noch keine Vermutung, was das Motiv war", sagte Ritzer auf Nachfrage. Der junge Mann kam in ein Krankenhaus. Möglicherweise ist eine psychische Erkrankung die Ursache für seine Handlungen. Auch wenn eine Attacke mit Brandsätzen und Säure gefüllten Flaschen ungewöhnlich ist: Angriffe auf ihre Person sind die Polizisten im Landkreis Freising längst gewöhnt. Anton Hemmer, Leiter der Freisinger Polizeiinspektion, hat die neuesten Zahlen für den Landkreis parat. Demnach haben sich im vergangenen Jahr 39 Übergriffe auf Polizisten ereignet. "Das sind überdurchschnittlich viele", so Hemmer. Bayernweit liegt die Zahl der Übergriffe auf Polizisten durchschnittlich bei 14. Innenminister Joachim Herrmann hatte gestern verkündet, dass sich im vergangenen Jahr im Freistaat 6909 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte ereigneten hatten. 14 645 Polizisten waren dabei Opfer physischer oder psychischer Gewalt geworden.

Die Form des Widerstands gegen Polizeibeamte umfasst laut Hemmer "die ganze Palette": Da wird beleidigt, gespuckt, gekratzt, gebissen, getreten und geschlagen. Ursache für das gewalttätige Auftreten gegenüber den Polizisten ist in den meisten Fällen übermäßiger Alkoholgenuss. Weil die Übergriffe sich oft quasi aus dem Nichts entwickeln, sind die Beamten meist machtlos. "Prävention hilft da nichts", sagt Hemmer. Deeskalierendes Verhalten, das die Polizisten schon während ihrer Ausbildung lernen, zeigt ebenfalls keine Wirkung. Außerdem, so Hemmer, habe in den 42 Jahren, in denen er jetzt seinen Dienst versehe, der "Respekt vor der Uniform" rapide abgenommen.