MVV-Tarifreform Deutlich besser

Freisings Kreisräte sind mit dem neuen Vorschlag zufrieden, sogar die Linken sehen mit dem Sozialticket eine Forderung umgesetzt. Beklagt wird lediglich die "ungünstige Tarifzone" des Flughafens

Von Peter Becker, Freising

Der neue Vorschlag zur Tarifreform des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) enthält deutliche Verbesserungen für den Landkreis Freising. Darin waren sich die Kreisräte in der gemeinsamen Sitzung des Planungs- und Kreisausschusses des Kreistags einig. Darum gab es keine Gegenstimmen zu diesem Entwurf, der teilweise günstigere Tickets für manche Kommunen gewährt. Als einen "Quantensprung" bezeichnete ihn gar Rainer Schneider (FW). Landrat Josef Hauner versteht unter der Zustimmung ein Signal für die Solidarität in der Region und den Zusammenhalt zwischen den Landkreisen und der Stadt München. Nun muss noch der Kreistag der Tarifreform zustimmen.

Verblüfft zeigten sich einige Kreisräte von der Geschwindigkeit, mit welcher der neue Entwurf erarbeitet wurde, nachdem die ursprüngliche Fassung in Bausch und Bogen abgelehnt worden war. Ein gutes Stück ist das dem Landtagswahlkampf geschuldet, durch den sich "ein günstiges Zeitfenster" auftat, wie einige Kreisräte meinten. Der Freistaat will sich mit einem Betrag von 50 Millionen Euro an der Tarifreform beteiligen. Michael Stanglmaier (Grüne) glaubt, dass auch der Widerstand gegen den ersten Entwurf maßgeblich zu dessen Überarbeitung beigetragen habe.

Für viele Orte im Landkreis wird die S-Bahn billiger, für manche bleibt es gleich. Unklarheiten gibt es noch beim neuen Flughafen-Regionalexpress.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Tarifreforum gilt ab 15. Dezember 2019

Die Umsetzung der Tarifreform erfolgt zum 15. Dezember 2019. Bis dahin gibt es keine Gebührenerhöhung. Norbert Specht vom MVV stellte fest, dass es auch bei dem neuen Entwurf "Gewinner und Verlierer" gebe. In der Gesamtschau sieht er aber mehr ÖPNV-Nutzer, die profitieren. Vor allem die im Norden gelegenen Gemeinden rücken tariflich gesehen näher nach München.

Harald Reents (CSU) lobte, dass in dem Entwurf vieles verbessert worden sei. Der einzige Mangel, den der Hallbergmooser Bürgermeister zu beklagen hat, ist, dass der Münchner Flughafen weiterhin in einer ungünstigen Tarifzone liegt. "Da muss ich Wasser in den Wein gießen", gab er zu. So bringe man keinen Pendler von der Straße auf die Schiene. Specht entgegnete, dass diese Umgruppierung vielen anderen Landkreisen nicht vermittelbar gewesen sei. Landrat Hauner fügte hinzu, dass dieser Verbesserungsvorschlag in die nächste Evaluierung aufgenommen werden solle.

Der Ticketkauf ist immer noch kompliziert

"Substanzielle Verbesserungen" erkennt Stanglmaier, der allerdings den Ticketkauf bemängelte. Der sei seiner Meinung nach weiterhin schwierig zu durchschauen. "Da gibt es Komplexitäten", bemängelte er und stellte die Frage, ob es erlaubt sei, mit dem Zug von Moosburg zum Flughafen zu fahren.

Ein ähnliches Problem sieht Maria Lintl (Freisinger Mitte). Sie wollte wissen, ob es zulässig sei, mit dem neuen Regionalexpress Üflex von Freising zum Flughafen zu fahren oder ob da nur der Bus erlaubt sei. Laut Specht ist das zulässig, da der Zug gar nicht nach Neufahrn fährt, sondern sich entlang der Tarifzonengrenze zum Flughafen bewegt.

Albert Schindlbeck findet es "toll", dass es künftig für das gesamte MVV-Gebiet ein Sozialticket gibt. "Das haben die Freisinger Linken immer gefordert", betonte er. Um den günstigen Fahrschein zu erwerben, benötigen Berechtigte einen sogenannten Landkreispass vom Landratsamt. Für diesen sind keine zusätzlichen Gebühren zu bezahlen.

Stanglmaier betonte, dass die Tarifreform eine Sache sei. Die andere bestehe aber auch in Leistungsverbesserungen, etwa beim Komfort. Doppelstockwaggons könnten das Sitzangebot verbessern und so den Umstieg vom eigenen Auto auf den ÖPNV erleichtern. Und das müsse jetzt geschehen, forderte er, und nicht erst in zehn Jahren. Dann bringe man niemand mehr von der Straße auf die Schiene, der das Fahren mit dem eigenen Auto gewohnt sei.