bedeckt München

Musikalischer Newcomer:Wie alles beginnt

Clemens Ripp

Den Anstoß, Gitarre zu lernen, gab Clemens Ripp einst die Ukulele, die seine Schwester geschenkt bekam.

(Foto: Privat/OH)

Clemens Ripp veröffentlicht Ende März sein Debütalbum - als ersten großen Schritt in Richtung Musikerkarriere.

Von Thilo Schröder, Freising

Wenn Musiker bereits überregional bekannt sind, vielleicht schon mal auf Tournee waren, wenn als uncool gilt, wer nicht ein paar ihrer Liedtitel nennen kann: Dann ist es schwierig, ihren genauen Werdegang noch zu rekonstruieren. Wie alles begann, damals. Von einer Musikerkarriere ist Clemens Ripp noch relativ weit entfernt, der erste große Schritt aber ist getan. Am 31. März veröffentlicht der Freisinger sein Debütalbum "Assorted Sad Songs for Hilarious Occasions" und gibt deshalb ein Konzert im Furtner.

Clemens Ripp sitzt in einem Freisinger Café und nippt an einer Tasse Espresso. Der Germanistik-Student spricht über Musikunterricht im Kindergartenalter, seine Anfänge als Straßenmusiker und wieso traurige Songs keine Stimmungskiller sein müssen. Im Hintergrund mahlt eine Röstmaschine einen Sack frischer Kaffeebohnen, ein schwerfälliger Prozess, der seine Zeit braucht. Ende März veröffentlicht der 22-Jährige sein Debütalbum, das in den vergangenen Monaten in den Farm Studios in Attaching entstanden ist. Doch eigentlich beginnt dessen Entstehungsgeschichte viel früher. Sie beginnt mit einer klassischen Musikerfamilie. Vater Alfred, Mutter Monika und Schwester Sabine sind wie Ripp musikalisch veranlagt. Vor allem sein Vater habe ihn sehr geprägt und gefördert, sagt Ripp und lässt den Blick gedankenverloren schweifen.

Das Gitarrespielen bringt er sich selbst bei

Als er vier oder fünf Jahre alt war, hat seine Mutter begonnen, im Verein "3klang" in Freising zu arbeiten; der Sohn wird dort zur musikalischen Früherziehung angemeldet. "Ich hatte aber nie so die Motivation hinzugehen, ich wollte eigentlich immer Schlagzeug spielen", sagt Ripp. Mit sechs hat er dann Schlagzeugunterricht bekommen, den er noch heute besucht, und in der Folge in diversen Combos gespielt. Auf die Gitarre sei er erst als Jugendlicher gekommen, als seine Schwester eine Ukulele geschenkt bekam, erinnert er sich. Fortan bringt er sich das Gitarrespielen bei.

Nach Abitur und Freiwilligendienst gründet Ripp 2016 mit Schulfreunden die Band Steady Rolling, es folgen kleinere Auftritte in Wohnheimbars. Er beginnt, Songtexte zu schreiben. Seit 2017 tritt er als Straßenmusiker auf, samstags zur Marktzeit am Marienplatz. Das erste Geld, das er hier verdient habe, habe in ihm den Wunsch wachsen lassen, aus dem Hobby eine berufliche Perspektive zu machen, erzählt er. Zu dieser Zeit absolviert Ripp bereits Soloauftritte, im Juni 2018 das erste große Konzert im Sainerhaus.

Das Album strahlt Leichtigkeit aus

Als der Entschluss fällt, ein paar Songs aufzunehmen, sei noch kein Album geplant gewesen. Doch aus drei werden fünf, aus fünf acht und schließlich elf Songs. Es sind eingängige Lieder, mit Einflüssen aus der Folk- und Indie-Szene. Ripps musikalische Vorlieben werden darin sichtbar, etwa der amerikanische Sänger und Gitarrist Conor Oberst von den Bright Eyes. "Assorted Sad Songs For Hilarious Occasions" sprüht nur so vor Melancholie, Liebeskummer und Schmerz. "Das ist meine Art, mit negativen Sachen umzugehen, in der Musik bin ich sehr melancholisch, privat bin ich eigentlich ein sehr positiver, ausgeglichener Mensch." Das Nebeneinander von positiver Energie und ernsten Themen wird beim Hören deutlich: Es stellt sich keine traurige Stimmung ein, vielmehr strahlt das Album Leichtigkeit aus. Ripp drückt es so aus: "Die Songs kann man auch hören, wenn man gut drauf ist, ohne dass sie einen runterziehen."

Nach dem Release-Konzert stehen bei der Nacht der Musik am 11. Mai und dem Uferlos-Festival am 2. Juni weitere Auftritte an. Der 22-Jährige scheint in der Freisinger Musikszene angekommen zu sein. "Alle Musiker, die in Freising bekannt sind, waren mindestens schon einmal beim Uferlos Festival vertreten", meint Ripp. Zunächst sei er aber froh, mit dem Debütalbum den ersten großen Schritt geschafft zu haben. Nicht zuletzt dank eines Vaters, der ihn, den künstlerischen Freigeist, wenn nötig antreibe. "Ich bin da oft eher etwas verkopft und gemächlicher, ich wäre wahrscheinlich immer noch nicht mit dem Album fertig." Hinter jedem erfolgreichen Künstler steht bekanntlich ein guter Manager. Darauf angesprochen, muss Clemens Ripp lachen. "Ja, das beschreibt es eigentlich ganz gut."

Auf Youtube sind mit "I'm Not Alright" und "14 Houses" (siehe Video oben) bereits zwei Songs von "Assorted Sad Songs For Hilarious Occasions" zu hören. Das komplette Album kann beim Release-Konzert am 31. März im Furtner oder auf Nachfrage erworben werden. Auflage: 500 Stück. Ab dann ist es auch auf den gängigen Streaming-Plattformen verfügbar. Infos: www.clemens-ripp.de.

© SZ vom 04.03.2019/av

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite