Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Lorenz Schmid, Geschäftsführer des Investors SWMunich Real Estate mit Sitz in Freising, den großen Coup verkündet: Für den Bau der Munich Arena im Nordwesten des Münchner Flughafens habe man den international tätigen Konzertveranstalter Live Nation als strategischen Partner gewonnen. Von einem Meilenstein in der Präsentation von Konzerten, Live-Entertainment sowie spektakulären Events war damals die Rede. Die Zusammenarbeit werde „maßgeblich dazu beitragen, Bayerns Kultur- und Konzertlandschaft nachhaltig zu bereichern“.
Inzwischen allerdings trübt sich das Bild: Nach einer investigativen Recherche des Bayerischen Rundfunks ist Live Nation im April dieses Jahres in New York wegen illegaler Monopolbildung verurteilt worden. Eine Jury kam zu dem Schluss, der Konzern habe seine Marktmacht missbraucht – Kundinnen und Kunden hätten zu viel für Tickets gezahlt.
Kritisiert wird in dem BR-Bericht außerdem, dass Live Nation sogenanntes „Dynamic Pricing“ betreibe, bei dem Ticketpreise teurer werden können, sobald die Nachfrage steigt. In den USA kosten manche Konzerte deshalb mehrere tausend Dollar.
Die Bedenken, Live Nation könne durch Kooperationen wie mit der Munich Arena seine Macht auch in Deutschland ausweiten, weisen die Freisinger Partner zurück. Die neue Konzertarena sei als offene Veranstaltungsstätte für Künstler und Veranstalter geplant, versichert der Sprecher des Unternehmens, Jan Manz. Das sei in Deutschland und Europa gelebte Praxis – bei großen Veranstaltungsstätten in Hamburg, Köln oder Berlin ebenso wie bei lokalen, kleineren Spielstätten und Bühnen wie dem Freisinger Lindenkeller, der Luitpoldhalle oder dem Asamtheater.
Künftige Betreiber erwarten keine Auswirkungen auf das Projekt
Die Rolle der SWMunich Real Estate sei die einer Vermieterin und Betreiberin. Man vermiete die Arena an Künstler und Veranstalter, die sie dann für ihre Konzerte und Events nutzen könnten. Veranstaltungsorganisation, Ticketverkauf und Preisgestaltung lägen beim jeweiligen Künstler und Veranstalter – nicht bei der Veranstaltungsstätte. „Vor diesem Hintergrund ergeben sich keine Auswirkungen auf das Projekt“, sagt Manz.
Die Frage, ob sich die Besucher von Konzerten in der Munich Arena dann auch auf Dynamic Pricing einstellen müssen, verneint Manz. Der deutsche und europäische Veranstaltungsmarkt sei mit den USA nicht vergleichbar. Er sei deutlich fragmentierter und von sehr vielen unterschiedlichen Akteuren geprägt. Live Nation sei hier nur einer von mehreren Marktteilnehmern.
Um eine der modernsten und besten Konzertarenen Deutschlands zu entwickeln, sei die strategische Partnerschaft mit Live Nation dennoch „besonders wertvoll, weil sie uns Zugang zu umfangreichem Know-how bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb moderner Konzertarenen ermöglicht.“ Live Nation verfüge über langjährige Erfahrung, etwa bei Veranstaltungsstätten in Kopenhagen, Dublin und Amsterdam.
Die Planungshoheit über das Gelände, auf dem die Munich Arena entstehen soll, liegt bei der Stadt Freising. Eine Mehrheit des Stadtrats begleitet die Pläne bislang mit Wohlwollen. Immerhin stützen sich die Planer auf eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte, die bereits während des Baus eine Bruttowertschöpfung von etwa 391 Millionen Euro erwartet. Nach der für 2029 geplanten Eröffnung soll die Arena der Studie zufolge eine jährliche Wertschöpfung von gut 354 Millionen Euro erwirtschaften.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. So befürchten Teile des Stadtrats eine erhebliche zusätzliche Verkehrsbelastung durch die Munich Arena. Die neue Fraktionsgemeinschaft „Gemeinsam für Freising“ hat die BR-Recherchen zum Anlass genommen, sich nach möglichen Konsequenzen daraus zu erkundigen. Unter anderem wollten die vier Stadträte im Planungsausschuss informiert werden, wie das Stadtplanungsamt die Tragfähigkeit der vorgestellten Finanzierung von Planungsmaßnahmen und Realisierung durch den Investor der Munich Arena beurteilt.


