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Multifunktionale Demonstrationsanlage in Freising:Recycling von komplexen Kunststoffabfällen

An der Giggenhauser Straße in Vötting soll eine neue Forschungseinrichtung des Fraunhoferinstituts gebaut werden

In Vötting soll eine neue Forschungseinrichtung des Fraunhoferinstituts gebaut werden. Dabei handelt es sich um eine "multifunktionale Demonstrationsanlage zum Recycling von komplexen Kunststoffabfällen". Dem entsprechenden Bauantrag für das Grundstück an der Giggenhauser Straße 35 hat der Planungs- und Bauausschuss des Freisinger Stadtrats in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt. Zwar hatte Grünen-Stadtrat Manfred Drobny eine Vertagung dieser Entscheidung beantragt, weil er erst die zu erwartenden Immissionen untersucht haben wollte, die Ausschussmehrheit folgte jedoch der Argumentation von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher. Der hatte erklärt, dass man ohnehin nur unter dem Vorbehalt des Immissionsschutzes zustimme, das entsprechende Gutachten sei jedoch Aufgabe des Landratsamtes und stehe noch aus. "Das macht die Fachbehörde", sagte auch CSU-Stadtrat Rudi Schwaiger, wohingegen auch Kollege Robert Weller (FW) "schon interessiert hätte, wie genau das Plastik da verarbeitet wird: Wird das geschmolzen, geschreddert, entsteht da Mikroplastik?"

Weil aber auch die Freien Wähler und die Grünen grundsätzlich denken, dass "das Fraunhoferinstitut Enormes für das Thema Recycling leistet", wie es Grünen-Stadträtin Charlotte Reitsam formulierte, stimmten auch die beiden Fraktionen dem Bauantrag samt einiger erforderlicher Ausnahmen am Ende zu.

Geplant sind für die neue Anlage, die im Bereich des Bebauungsplans "Wäschanger" liegen wird, zwei eingeschossige Gebäude, in denen in Kleinserien und Musterproduktionen die neuen Recycling-Verfahren des Instituts weiterentwickelt werden sollen. Die neue Anlage liegt zwischen dem südlichen Lagergebäude und dem Hauptgebäude des Instituts für Lebensmitteltechnologie und Verpackung, dessen Bau in Vötting 1993 beschlossen und das zuletzt 2009 in größerem Umfang erweitert worden ist. Zu den Ausnahmen, die mit der Zustimmung zum Bauantrag nun genehmigt wurden, gehört beispielsweise der Verzicht auf die hier eigentlich vorgeschriebene, extensive Dachbegrünung. Diese soll nun mit der Pflanzung neuer Bäume kompensiert werden.

Außerdem darf das Erdgeschoss des Neubaus statt der eigentlich vorgeschriebenen fünf Meter nun 7,34 Meter hoch werden und das Gebäude darf "im Sinne seiner Nutzung als Kunststoff-Recycling-Demonstrationsanlage" mit einer Kunststofffassade gestaltet werden. Diese wiederum wäre dem Bebauungsplan zufolge eigentlich unzulässig, wurde jedoch von der Stadtverwaltung als "städtebaulich vertretbar" eingestuft.

© SZ vom 26.05.2020

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