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Müller-Brot:Rettung mit Fragezeichen

Am Tag nach dem Showdown bei Müller-Brot fragen sich Mitarbeiter und Pächter, warum Klaus Ostendorf die Bäckerei übernehmen darf - obwohl es noch ein anderes Angebot gab. Dass der ehemalige Inhaber das Unternehmen tatsächlich weiterführen wird, ist noch nicht sicher.

Der Tag danach war ein Tag des Stirnrunzelns. Warum, fragten sich nicht nur die Mitarbeiter der insolventen Großbäckerei Müller-Brot, sollen diejenigen, die in ihren Augen für den Niedergang des Unternehmens stehen, zugleich die Garanten für die Zukunft sein?

Demonstration von Mueller-Brot-Mitarbeitern

Müller-Brot habe nur eine Zukunft, wenn es seine Verantwortung gegenüber Mitarbeitern ernst nehme, betont Umweltminister Marcel Huber (CSU).

(Foto: dapd)

In der Nacht zum Donnerstag hatte sich der vierköpfige Gläubigerausschuss einstimmig dafür entschieden, dass der ehemalige Mehrheitseigner Klaus Ostendorf und der frühere Finanzgeschäftsführer Stefan Huhn Müller-Brot weiter führen sollen. Trotz des Hygieneskandals, trotz gravierender Managementfehler, die Ostendorf selbst eingestanden hatte. Und trotz wirtschaftlicher Probleme, in denen das Unternehmen lange vor dem Hygieneskandal steckte.

Selbst der bayerische Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) signalisierte "volles Verständnis für die Empörung der Beschäftigten von Müller-Brot und der Öffentlichkeit, wenn der Betrieb von denen fortgeführt werden soll, die für die Misere in der Vergangenheit verantwortlich sind". Das Unternehmen habe nur eine Zukunft, wenn es seine Verantwortung gegenüber Mitarbeitern ernst nehme.

Auf Anfrage der SZ wollte Huhn die Hintergründe seines und Ostendorfs Engagements nicht erläutern. Etwa 22 Millionen Euro ist das Duo offenbar bereit zu zahlen. Die Summe soll sich aus mehreren Komponenten zusammensetzen. Noch Ende vergangener Woche hatte Ostendorf allein Altverbindlichkeiten gegenüber der Commerzbank in Höhe von 18,5 Millionen Euro durch Umbuchung übernehmen und damit nur die Bank bedienen wollen. Diese hatte erst im Sommer ein Darlehen einer anderen Großbank abgelöst, die bereits die Hälfte ihres 50 Millionen-Darlehens abgeschrieben hatte.

Nach SZ-Informationen hätte Ostendorf aber ohnehin für etwa sieben Millionen Euro persönlich haften müssen, hätte ein anderer Investor Müller-Brot übernommen. Das ursprüngliche Ostendorf-Angebot war so nicht durchsetzbar und er soll es darum zuletzt um dreieinhalb Millionen Euro für das Filialnetz und Weiteres aufgestockt haben.

Für die Filialen wollte er anfangs nichts zahlen, legt zumindest ein schriftliches Konzept vom 23. März nahe. Daraus ergibt sich auch, dass Huhn und Ostendorf sämtliche Vermögenswerte übernehmen wollen, die derzeit als Sicherheiten für die Bank herhalten - außer dem Herzstück der Produktion, der sogenannten "Linie 25". Die hatte die Backwelt GmbH, die Einkaufsfirma Klaus Ostendorfs, aus einem Leasingvertrag übernommen. Insider hatten es ohnehin für nahezu ausgeschlossen gehalten, dass die Backwelt diese zentrale Maschine einem Investor überlässt.

Dass Ostendorf und Huhn Müller-Brot tatsächlich weiterführen, ist nicht völlig sicher. Denn unterschrieben ist bislang nur ein verbindliches Angebot, nicht der Kaufvertrag. Zu der einstimmigen Entscheidung des Gläubigerausschusses war es für viele überraschend gekommen: Auch der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl soll noch am Mittwochnachmittag ganz eindeutige Sympathien für ein konkurrierendes Angebot der Gründertochter Eva Müller und des Großbäckers Franz Höflinger geäußert haben. Deren Konzept, das der SZ vorliegt, ist insgesamt finanziell etwas zurückhaltender als das von Ostendorf und Huhn - Experten halten es aber für weit nachhaltiger.

Dem Vernehmen nach sollen im Businessplan von Müller/Höflinger bis 2020 Investitionen in Höhe von etwa 20 Millionen Euro vorgesehen sein. Zudem war geplant, nicht nur, wie Ostendorf, insgesamt 400 Mitarbeiter zu halten, sondern zunächst mehr als 520, mit Produktionsfreigabe weitere 100 in der Fabrik. 156 statt jetzt 151 Filialen sollten bleiben. Bereits in der vergangenen Woche hatte man offenbar Kontakt zu den Vermietern der Filialen. Da einzelne Filialen übernommen werden sollen, muss nun aus rechtlichen Gründen jeder einzelne Vermieter dem Vertragsübergang zustimmen. Dem Vernehmen nach haben zahlreiche von ihnen bereits bekundet, mit Ostendorf und Huhn keine Geschäfte mehr machen zu wollen. Gleiches sagen auch einige Pächter.

Müller-Brot beantragt erneute Lebensmittelkontrollen

Warum also nicht ein wirklicher Neustart, der auch den Lebensmittelkontrolleuren eine Freigabe der Produktion erleichtert hätte? Im Gläubigerausschuss soll es am Mittwochabend hart zur Sache gegangen sein. Vor allem der Vertreter der Commerzbank, der die Geschäftsbeziehung zu Müller-Brot auch eingefädelt haben soll, habe sich für die Ostendorf/Huhn-Lösung eingesetzt. Die Bank wie der Mitarbeiter wollten sich am Freitag auf Anfrage nicht zu Hintergründen des Engagements bei Müller-Brot und der Entscheidung äußern.

Zugestimmt hat auch der Betriebsratsvorsitzende. In der Betriebsversammlung hatten Kollegen den Mann am Donnerstag deshalb hart angegangen und ihn mit Eiern beworfen. Ihnen erschließt sich nicht, warum dieser nicht zugunsten einer höheren Anzahl von Arbeitsplätzen und damit für Müller/Höflinger gestimmt hat. Für die Position des Betriebsratsvorsitzenden haben Ostendorf und Huhn in ihrem Zukunftskonzept bereits eine Aufgabenerweiterung vorgesehen: Er wird Teil eines "Beirats/Aufsichtsrats mit renommierten externen Vertretern folgender Bereiche: Produktion und Lebensmittelsicherheit, Personal und Finanzen, Filialvertrieb und Wiederverkauf sowie Betriebsratsvorsitzendem".

Müller-Brot hat für kommende Woche eine erneute Kontrolle beantragt. Die Entscheidung für Ostendorf/Huhn wollte das Landratsamt nicht kommentieren. Landrat Michael Schwaiger (FW) hatte am Wochenende beide Bieter getroffen. "Wir werden exakt die gleichen Maßstäbe anlegen wie zuletzt", sagte die Sprecherin. "Es gibt weder einen Ostendorf-Bonus noch einen Malus." Ob der Gesundheitsminister das genauso sieht? Er fordert "ein nachhaltiges Hygienekonzept mit Substanz".