Müller-Brot:Überrascht von der Öffentlichkeitsarbeit

Ihre Untersuchungsergebnisse schienen den Freisinger Kontrolleuren auch strafrechtlich relevant zu sein. Jedenfalls meldeten sie diese im Mai 2011 der Staatsanwaltschaft in Landshut, die seither gegen fünf Personen ermittelt. Seine Männer, sagt Schwarz, erfüllten nämlich eine Doppelfunktion, sie seien auch Helfer der Staatsanwälte. Die Mängel hätten sie direkt nach Landshut gemeldet; über den Schreibtisch des Landrats sei dies nicht gelaufen. Von den Ermittlungen wusste auch das bayerische Gesundheitsministerium. Doch über all das erfuhr die Öffentlichkeit, erfuhren die Verbraucher kein einziges Wort. Auch, weil man die Folgen für Müller-Brot fürchtete.

Doch wie gravierend waren die Funde, wie bedenklich? Kakerlaken, Mehlwürmer, Mäusedreck seien in den Produktionsanlagen gefunden worden - so konkretisieren das freilich nicht Landrat Schwaiger oder LGL-Chef Zapf auf der Pressekonferenz, sondern das erzählen diejenigen, die in der Großbäckerei arbeiten; am Freitagabend spricht dann die Regierung von Oberbayern offiziell von Insekten wie Käfern, Schaben oder Motten sowie Mäusen.

Und auch manche von den Beschäftigten, die ohnehin seit längerem um ihre Arbeitsplätze fürchten, fragen sich: Muss eine Behörde nicht die Verbraucher über Getier in der Backfabrik in Kenntnis setzen, egal ob sich der Verbraucher damit gesundheitliche Schäden zuzieht oder es ihn bloß gruseln würde

Haben die Behörden also versagt, vom Landratsamt über die Regierung von Oberbayern, über das LGL bis zum Gesundheitsministerium, das nach eigenen Angaben seit Mitte 2009 informiert war? "Wir sind an rechtsstaatliche Grundsätze gebunden und haben diese konsequent umgesetzt", sagt Andreas Zapf. "Es waren korrekte Verfahren, wir haben immer wieder kontrolliert, gemahnt, Ordnungsgelder angeordnet und zuletzt beschlossen, dass eine wirkliche Sanierung nur möglich ist, wenn die Produktion stillgelegt wird."

Das Maß sei überschritten gewesen. Die Zustände bei Müller-Brot und den Umgang der Behörden aber mit dem Gammelfleischskandal in Beziehung zu setzen, findet Zapf absolut unangebracht. Warum man die Öffentlichkeit also so spät informiert und Details nicht genannt habe? Zapf sagt, er habe Angst gehabt, dass die Boulevards vieles aufblasen, was sich nicht mehr zurücknehmen ließe. Er sagt auch, er habe sie unterschätzt, diese Welle an Aufmerksamkeit.

Auch die Branche beobachtet die Missstände bei Müller-Brot aufmerksam. Armin Juncker vom Großbäckerverband, zu dem auch Müller-Brot gehört, hält Hygieneregeln für das Top-Thema der Branche überhaupt. Gerade als Lieferant von Supermarktketten dürfe man nicht angreifbar sein. Juncker ist überzeugt, "dass nur Betriebe mit hohen Hygienestandards wettbewerbsfähig bleiben werden".

© SZ vom 04.02.2012/tob
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