Dass sie anfangs fremdeln würden, war in einem Gremium mit sieben neuen Mitgliedern und neuem Chef zu erwarten. Tatsächlich ruckelte und knarrte es noch ein wenig, als sich der Moosburger Stadtrat am Montag zu seiner konstituierenden Sitzung traf. Die, die da fremdelten, waren allerdings keine Neulinge, sondern alte Bekannte, die sich an die veränderten Verhältnissen erst noch gewöhnen müssen und werden.
Etwa die Grünen, die neben der CSU nun zwar stärkste Fraktion sind, aber halt auch nur sechs von 25 Stimmen haben und - wie am Montag - künftig sicher noch das eine oder andere Mal ausgebremst werden. Auf der anderen Seite der frisch gekürte Bürgermeister Josef Dollinger (FW), der in einem Stadtrat mit neun Parteien und Gruppierungen erst noch das nötige Fingerspitzengefühl und diplomatische Gespür entwickeln muss, um ein Klima des konstruktiven Miteinanders zu schaffen.
Dollinger bat um Nachsicht, er müsse trotz seiner langjährigen Erfahrung als Stadtrat in seine Aufgabe als Sitzungsleiter erst hineinwachsen. Wie zum Beweis fuhr er später Grünen-Stadtrat Johannes Becher in die Parade und beendete etwas barsch dessen Redebeitrag, als der sich über die neuen Gepflogenheiten echauffierte. Als eine der beiden stärksten Fraktionen hatten die Grünen - anders, als früher üblich - keinen Sitz in der Sparkassenverbandsversammlung ergattert. Sicher kein Posten, auf dem in den kommenden sechs Jahren über das Wohl und Wehe der Stadt entschieden wird. Aber doch ein Fingerzeig, dass die konservative Allianz aus FW und CSU im Zweifelsfall nicht davor zurückschreckt, die Grünen ein wenig zu ärgern. Das nagt zum einen an deren Selbstbewusstsein, zumal sie nach der verlorenen Stichwahl auch den Vizebürgermeisterposten der CSU überlassen mussten. Zum anderen schafft es unnötig Reibungspunkte.
Meinungsverschiedenheiten - hart in der Sache, fair im Umgang - gehören zur Demokratie. Aber nach dem Säbelrasseln zum Auftakt wird man bald zur Sachpolitik zurückkehren müssen. In einem Gremium mit so vielen Gruppierungen, das weiß man aus der zurückliegenden Amtszeit, führt an Kompromissbereitschaft und gegenseitiger Rücksichtnahme kein Weg vorbei.