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Moosburger Mängelliste:Zu viele leere Geschäfte

Beim Moosburger Altstadtforum wird Kritik an der Arbeit der Marketing-Genossenschaft laut, weil sie das Problem mit dem Ladenleerstand nicht in den Griff bekommt. In der Moosburger Innenstadt fehlen Magneten wie Lebensmittelläden - wie sich das ändern soll, ist umstritten.

Von Alexander Kappen

Am Ende sah sich Reinhard Lauterbach, Vorstandsmitglied der Marketing-Genossenschaft (MeG), dazu genötigt, etwas klarzustellen: "Wir sind für Moosburg, nicht dagegen." Im Laufe des Altstadtforums zum Thema Leerstandsmanagement war die MeG am Dienstagabend im Pöschlbräu immer wieder heftig kritisiert worden. Sie habe das seit Jahren schwelende Problem des Ladenleerstands in der Innenstadt nicht in den Griff bekommen, obwohl sie sich eben das vor vier Jahren bei ihrer Gründung als eines der großen Ziele auf die Fahnen geschrieben hatte, hieß es. Bei der Veranstaltung der Altstadtförderer waren sich viele Diskussionsteilnehmer einig, dass es dafür neben kleineren Maßnahmen jedoch auch eines übergeordneten, strategischen Konzepts bedürfe. Ein solches, so die Kritiker, habe die Genossenschaft bislang nicht geliefert.

"Wir müssen die Stadtentwicklung vorantreiben, verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und das mit kleinen Schritten und Maßnahmen flankieren, dann geht auch was", sagte Alfred Wagner, Vorstandsmitglied der Altstadtförderer und Betriebswirt mit Schwerpunkt Immobilienwirtschaft, als Fazit seines einleitenden Vortrags. Wagner skizzierte verschiedene Ursachen für Leerstände und sogenannte Zielkonzepte. Um die Leerstände in Moosburg erfolgreich zu bekämpfen, müsse man im Zuge einer Revitalisierung auch die Ursachen wie städtebauliche Mängel und das Fehlen von "Frequenzbringern" irgendwann einmal angehen. Genannte Frequenzbringer oder Magnetbetriebe seien etwa Lebensmittelgeschäfte, die idealerweise an verschiedenen Enden der Innenstadt angesiedelt werden. Die Leute sollen also für den wöchentlichen Einkauf ins Zentrum kommen, zwischen den Magneten hin und her pendeln und dabei in vielen kleineren Geschäften einkaufen, an denen sie vorbeikommen. So sieht es der Plan vor. Geeignete, größere, wenn auch nicht sehr große Flächen zur Ansiedlung von Magnetbetrieben seien etwa auf den Grundstücken der ehemaligen Polizei und des alten Jugendhauses sowie am Gelände der früheren Kirchammer-Brauerei vorhanden. Um sichere Rahmenbedingungen zu schaffen, habe man als Basis ein Einzelhandelskonzept sowie das bereits verabschiedete Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek), das man nun rasch "Schritt für Schritt umsetzen sollte". Besagte kleinere Schritte und flankierende Maßnahmen könnten Veranstaltungen wie die Sommernacht oder ein Existenzgründerwettbewerb sein. Beides hat die MeG bereits ins Leben gerufen beziehungsweise wird es im kommenden Jahr tun.

Günther Strehle, maßgeblich an den Vorarbeiten zur Gründung der MeG beteiligt, kritisierte, dass die Genossenschaft sich zu sehr auf das Event-Management beschränke, "das langfristig nichts bringt und keine Strukturen schafft". Man müsse vielmehr Alleinstellungsmerkmale im Vergleich zu Nachbarn wie Landshut oder Erding herausarbeiten. Auch Klaus Reichel, ehemaliger Stadtrat und früher Vorstandsmitglied der Altstadtförderer, kritisierte, dass die MeG das hochgesteckte Ziel des Leerstandsmanagement nie strukturiert angegangen sei. "Warum ist da in den letzten vier Jahren so wenig passiert, obwohl die Stadt die Genossenschaft mit 120 000 Euro im Jahr bezuschusst?". Lauterbach verwies darauf, dass die MeG erst seit diesem Jahr ein so hohes Budget und eine zweite Teilzeitkraft in der Geschäftsstelle habe: "Die Ziele vor vier Jahren waren eine Art Wunschkonzert - aber dafür braucht man eben auch das Personal und die finanziellen Mittel." Wagner, früher im Aufsichtsrat der MeG, meinte, dass das übergeordnete Konzept ohnehin "von der Politik kommen muss, so wie jetzt das Isek".

Gegenseitige Schuldzuweisungen seien nicht zielführend, wandte FW-Stadtrat Ludwig Kieninger ein: "Wir müssen alle zusammenarbeiten und die Fehler beheben." Etwa den, dass auch ein Jahr nach der Eröffnung der Westumfahrung der Verkehr immer noch durch die Innenstadt rolle, weil das Straßenbauamt die Umwidmung zur Staatsstraße erst nach Ende der Gewährleistungsfrist in ein paar Jahren erlaube. Man könnte aber, so Wagner, durch Umgestaltungen und Verengungen an den Einfahrten zur Innenstadt etwa Lastwagenfahrern signalisieren, dass sie hier besser nicht reinfahren sollten.

© SZ vom 14.11.2013
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