Süddeutsche Zeitung

Verkehrsplanung in Moosburg:Sperren, verlagern und vermeiden

Lesezeit: 3 min

Die Fortschreibung des Moosburger Verkehrskonzepts stößt im Stadtrat auf breite Zustimmung. Sie bietet Anhaltspunkte und konkrete Vorschläge für eine nachhaltige Mobilität jenseits des Autos und zeigt, dass eine Fußgängerzone auf der Herrnstraße bei der Innenstadtberuhigung zielführend sein könnte.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Moosburg werde bis 2035 weiter wachsen - und damit auch der Verkehr. Vor allem von der Isarbrücke über die Landshuter Straße stadteinwärts werde sich die Situation verschärfen, prognostiziert Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer vom Büro PSLV. Wie die Innenstadt möglichst vom Kfz-Verkehr entlastet werden kann, damit beschäftigt sich die Fortschreibung des Verkehrskonzepts, die er jetzt im Stadtrat vorgestellt hat und die dort einstimmig als weitere Arbeitsgrundlage gutgeheißen wurde. Neben einer Darstellung des Ist-Zustands schlägt das Konzept Maßnahmen vor, um Verkehr zu vermeiden, diesen auf andere Verkehrsmittel wie ÖPNV oder Fahrrad zu verlagern, die Verkehrssicherheit zu steigern und die Belastung für die Umwelt zu reduzieren. Was die Einrichtung einer möglichen Fußgängerzone in der Innenstadt anbelangt, kristallisierte sich in den Augen vieler Stadträte die Herrnstraße als die beste Lösung heraus. Eine Klausurtagung des Stadtrats im Herbst soll aber mehr Klarheit bringen.

Der Binnenverkehr sei mit rund 11.000 Fahrten in Moosburg relativ hoch. Ebenso der von den Moosburgern selbst verursachte Ziel- und Quellverkehr, dieser mache fast 16.000 Bewegungen täglich aus, so Ulzhöfer. Der Anteil des Fahrradverkehrs sei mit einem Anteil von 22 Prozent schon relativ hoch, lobte er, doch knapp 50 Prozent der Fahrten würden immer noch mit dem eigenen Auto zurückgelegt. Ein gewisses Verlagerungspotenzial biete der Öffentliche Personen-Nahverkehr. So gehen täglich je etwa 2500 Fahrten nach Landshut und Freising. Attraktive Tarife, Marketingkampagnen und eine bessere Fahrplanverknüpfung von Bus und Bahn könnten da Ansatzpunkte sein.

Es gilt auch, den Fahrrad- und Fußgängerverkehr zu fördern

Zur Stärkung des Rad- und Fußgängerverkehrs schlägt das Konzept etwa zusätzliche Fahrradstraßen auf der Stadtwald-, der Burgermühl- und Neustadtstraße vor. Zudem Fahrradschutzstreifen auf der Münchener Straße, Landshuter Straße und Thalbacher Straße. Weitere Maßnahmen wären Radwegefurten an Knotenpunkten und die Teilnahme an der Aktion "Zu Fuß zur Schule". Letztere, so Ulzhöfer, mache Kindern auf spielerische Art den täglichen Weg zur Schule schmackhaft und könne dazu beitragen, den Anteil der "Eltern-Taxis" zu reduzieren.

Aufgabe bei der Erarbeitung des Konzepts war es auch, zu prüfen, welche Straßen in der Innenstadt man für den motorisierten Verkehr sperren und zur Fußgängerzone umfunktionieren könnte. Wobei die Auswirkungen auf andere Straßen zu berücksichtigen waren, die dadurch mehr Verkehr abbekommen könnten. Eine Sperrung der Leinbergerstraße, "kommt für mich gar nicht in Frage", sagte Bürgermeister Josef Dollinger (FW). Wie das Konzept aufzeigte, würde das nämlich die Verkehrsbelastung auf anderen Straßen der Innenstadt teils erheblich erhöhen und am Stadtplatz gar nahezu verdoppeln. Ähnlich sähe es aus, würde man den nördlichen Stadtplatz zwischen Herrnstraße und "Plan" für den Verkehr dicht machen. So hatte es die CSU vorgeschlagen, deren Fraktionssprecher Rudolf Heinz jedoch einräumte: "Wenn sich das so negativ auf andere Straßen auswirkt, macht das natürlich keinen Sinn."

Dollinger sprach sich ebenso wie Gerd Beubl (SPD) und Dritter Bürgermeister Michael Stanglmaier (Grüne) für eine Sperrung der Herrnstraße aus, wobei Letzterer die Variante mit einer Sperrung der Herrnstraße und des gesamten Stadtplatzes nicht ausschließen wollte: "Was besser ist, kann man ja noch prüfen." in beiden Fällen weist das Verkehrskonzept eine Erhöhung der Fahrten auf der Westumfahrung auf mehr als das Doppelte des jetzigen Stands aus. Somit wäre ein bedeutender Teil des Verkehrs raus aus der Innenstadt. "Aber Sperrungen alleine können unsere Verkehrsprobleme nicht lösen, wichtig ist eine Verlagerung auf Fahrrad und Bahn", so Stanglmaier. Gerhard-Michael Welter (AfD) wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Isar-Radweg am Bahnhof nicht ausgeschildert sei. Das sei richtig, man sei aber dabei, das zu beheben, so Stanglmaier.

Während Schulreferent Martin Pschorr (SPD) betonte, bei der weiteren Verkehrsplanung müsse man auf jeden Fall die Schulwegsicherheit im Auge behalten, fragte sein Parteikollege Beubl, ob es sinnvoll sei, vielleicht "außer dem Viehmarktplatz noch einen weiteren großen Parkplatz in Innenstadtnähe einzurichten". Wenn, dann biete sich das im Norden, etwa in Bahnhofsnähe an, so Robert Ulzhöfer, "weil das Haupteinzugsgebiet eben der Norden" ist.

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