Antrag im Moosburger Stadtrat:Letzte Ruhe unter Bäumen

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Antrag im Moosburger Stadtrat: In Neufahrn sind Bestattungen unter Bäumen längst üblich. Nun möchten die Grünen im Stadtrat diese Form der Beisetzung auch in Moosburg etablieren.

In Neufahrn sind Bestattungen unter Bäumen längst üblich. Nun möchten die Grünen im Stadtrat diese Form der Beisetzung auch in Moosburg etablieren.

(Foto: Marco Einfeldt)

Evelin Altenbeck und die Grünen-Fraktion wollen in Oberreit einen Naturfriedhof beziehungsweise Trauerwald anlegen. Das betreffende Grundstück war vor Jahrzehnten schon mal für einen konventionellen Friedhof vorgesehen.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Eigentlich hat die Stadt das Grundstück im Ortsteil Oberreit ja mal gekauft, um dort einen konventionellen Friedhof zu errichten. Rund 40 Jahre sei das her, berichtet Evelin Altenbeck (Grüne). Das Vorhaben scheiterte, weil die Fläche - an der Staatsstraße 2350 in unmittelbarer Nähe des früheren Friedhofs des einstigen Kriegsgefangenenlagers Stalag VII A gelegen - in der Bevölkerung als zu abgelegen angesehen wurde und nicht mehrheitsfähig war. So wurde das Grundstück als Baumschule der Stadtgärtnerei genutzt. Und nachdem in diesem Bereich der Neubau einer Montessori-Schule zwischenzeitlich im Gespräch gewesen war, aber an dieser Stelle wieder verworfen worden ist, könnte das Grundstück doch wieder zu dem werden, als was es ursprünglich vorgesehen war: ein Friedhof. Wenn auch kein herkömmlicher.

Altenbeck, die nach Jahrzehnte langer Tätigkeit im Moosburger Stadtrat ihren Sitz in dem Gremium Ende Mai zur Verfügung stellen wird, hat als eine ihrer letzten Amtshandlungen im Namen der Grünen-Fraktion den Antrag gestellt, auf besagter Fläche in Oberreit einen Naturfriedhof beziehungsweise Trauerwald anzulegen. Dafür sollen laut Antrag im Haushalt 2023 zur Planung und Umsetzung des Projekts 100.000 Euro bereitgestellt werden.

Antrag im Moosburger Stadtrat: Grünen-Stadträtin Evelin Altenbeck möchte, dass die Stadt in Oberreit einen Naturfriedhof beziehungsweise Trauerwald einrichtet.

Grünen-Stadträtin Evelin Altenbeck möchte, dass die Stadt in Oberreit einen Naturfriedhof beziehungsweise Trauerwald einrichtet.

(Foto: Marco Einfeldt)

"Im bisher genutzten Friedhof an der Michaeli-Kirche sowie auf der Erweiterungsfläche ist nicht mehr endlos Platz für Gräber, auch die Urnenwand wird nicht mehr sehr lange freie Plätze haben", schreibt Altenbeck in ihrem Antrag. Andererseits steige der Wunsch nach alternativen Begräbnisformen außerhalb der traditionellen Gräber mit Grabstein oder einer Urne in einer Wand. "Eine sehr gute Möglichkeit der Bestattung bieten sogenannte alternative Bestattungsstätten in Form von Trauerparks, Gedächtniswäldern und Naturfriedhöfen", so Altenbeck.

Das Grundstück in Oberreit biete aus ihrer Sicht "eine sehr schöne Möglichkeit, einen ganz eigenen Ort der Trauer, der Erinnerung und des Neubeginns zu schaffen (Kreislauf des Lebens). Hier könnte der schöne Baumbestand als Baumgräber genutzt werden".

Auch Platz für eine Begräbniswiese wäre vorhanden

Südlich des Weges, der über das Grundstück führt, befindet sich eine größere Freifläche. "Diese könnte als Begräbniswiese für Wiesengräber mit gemeinsamem Gedenkstein mit Namensschildern gestaltet werden", schlägt die Grünen-Stadträtin vor. In der "Drei-Rosen-Stadt" Moosburg fände sie "Rosengräber" sehr schön, "im Eingangsbereich mit verschiedenen Strauch- und Kletterrosen, kombiniert mit Kunstwerken und der Möglichkeit des Verweilens, die einen Andachtsplatz umrahmen".

Allerdings muss erst mal geprüft werden, was von all dem aus rechtlicher Sicht überhaupt umsetzbar ist. "Grundsätzlich muss von Verwaltungsseite geklärt und vorgestellt werden, welche Form der Begräbnisstätte in einem möglichen Trauerwald zulässig beziehungsweise wünschenswert ist", schreibt Altenbeck. Sie verweist darauf, dass zum Beispiel bei Baumgräbern normalerweise nur Urnengräber mit biologisch abbaubaren Urnen genutzt werden. "Bei Wiesen- und Rosengräbern könnten jedoch auch Bestattungen nur in einem Leichentuch eine Option sein", so die Stadträtin weiter. Die Bestattung in einem Sarg sei nur auf herkömmlichen Friedhöfen gestattet. Zu klären gelte es, ob sich der Friedhof, so man sich dafür entscheidet, in privater oder städtischer Trägerschaft befinden solle.

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