Für ihn sei jetzt „genau der richtige Zeitpunkt zum Aufhören“, sagt Gerd Beubl. Exakt „36 Jahre und acht Monate, also fast die Hälfte meines Lebens“ ist er für die SPD im Moosburger Stadtrat gesessen. Am kommenden Montag, 24. März, ist für ihn knapp drei Wochen nach seinem 75. Geburtstag nun Schluss. Ein Jahr vor der Kommunalwahl legt Beubl sein Mandat nieder und macht den Weg frei für den Nachrücker und SPD-Ortsvorsitzenden Gunnar Marcus.
Letzterem wolle er „die Chance geben, sich noch ein Jahr in den Stadtrat einzuarbeiten“, sagt Beubl. Als dann amtierender Stadtrat werden die Chancen von Marcus bei der Kommunalwahl 2026 womöglich steigen. Ausschlaggebend für Beubls Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt ist in erster Linie aber sein Alter: „Ich habe gesagt, mit 75 Jahren höre ich auf, irgendwann ist halt Schluss.“
Zur Politik kam Gerd Beubl, „weil sie mich schon immer interessiert hat“, wie er sagt. Für die SPD entschied er sich aus zweierlei Gründen. „Zum einen war ich in der Gewerkschaft – und als Gewerkschaftler ist man früher eigentlich immer in der SPD gewesen“, sagt er. Schließlich sei es der heutige Ehrenvorsitzende Klaus Reichel gewesen, „der mich zum Moosburger Ortsverein gebracht hat“. 1981 trat Beubl im Alter von 31 Jahren in die SPD ein. Bis er in den Stadtrat einzog, sollte noch einige Zeit vergehen. Als er 1988 als Delegierter auf einem DGB-Gewerkschaftstag weilte, ereilte ihn die Nachricht vom Tod Gustav Sauersteins, für den er dann in den Stadtrat nachrückte.
Seitdem hat sich in der Stadt und im Gremium einiges getan. Bei Beubls Amtsantritt „hatte Moosburg noch 14 000 Einwohner, jetzt sind wir dann bei 20 000; und damals hatte die SPD mit zwölf Sitzen plus Bürgermeister noch die absolute Mehrheit im Stadtrat“, erinnert er sich zurück. Zahlen, von denen die Moosburger Sozialdemokraten mit ihren noch verbliebenen zwei Mandatsträgern heute nur noch träumen können.
Früher schlugen CSU und SPD aufeinander ein, heute lobt Beubl das gute Klima im Stadtrat
Für den Abwärtstrend der vergangenen Jahre sieht Beubl „viele Gründe“. Einerseits sei da die Bundespolitik, durch die „die SPD ihre Klientel etwas aus den Augen verloren hat, etwa durch Gerhard Schröder und seine Agenda“. Aber auch im Ortsverein habe es Veränderungen gegeben: „Moosburg war eine Arbeiterstadt und die Arbeitnehmerschaft der großen Firmen wie Südchemie und Steinbock war früher immer in der SPD organisiert.“ Anders als heute. „Aber der Ortsverein lebt noch und ich bin zuversichtlich, dass er sich erholen wird“, sagt Beubl, „es gibt bei uns jetzt auch wieder junge Leute“. Der 75-Jährige hat die Hoffnung, dass irgendwann auch wieder mehr als die derzeit zwei Sozialdemokraten im Stadtrat vertreten sein werden.
Wer immer für die Partei künftig im Gremium sitzen wird, wird dort eine völlig andere Konstellation vorfinden als zu Beubls Anfängen. „Damals gab es die SPD, die CSU und die Freien Wähler, später dann noch die UMB“, erinnert er sich. Heute sei das Gremium bunter und jünger. „Die Jungen tun dem Stadtrat gut, frisches Blut schadet nie.“ Auch das Klima dort „gefällt mir ganz gut –mit einer Ausnahme“, sagt Beubl, ohne die AfD explizit zu nennen.
Unter den demokratischen Parteien im Stadtrat herrsche eine gegenseitige Wertschätzung, viele Entscheidungen fielen einstimmig, was sicher auch ein Verdienst von Bürgermeister Josef Dollinger (parteilos) sei, so Beubl. „Das war ja nicht immer so“, sagt er und denkt an seine Anfänge zurück: „In den ersten Jahren unter Bürgermeister Anton Neumaier haben CSU und SPD ständig aufeinander eingeschlagen. Das war nicht ganz so lustig.“ Man könne, so der scheidende SPD-Stadtrat, „ja eine andere Meinung haben, aber diese muss man mit Anstand vertreten“.
Die Städtebauplanung und die Finanzen bereiten dem scheidenden SPD-Stadtrat Sorgen
Insgesamt sei er mit seiner 36-jährigen Amtszeit zufrieden, sagt Beubl: „Es hat mir Spaß gemacht und ich habe mich für die Stadt einbringen können.“ Etwa in seinen Positionen als Jugendreferent oder Kita- und Schulreferent, die er zwölf beziehungsweise sechs Jahre lang bekleidet hat. Er denkt da an die Gründung des Jugendparlaments, die Errichtung eines Skateboardplatzes oder den Bau des neuen Jugendhauses, der in seiner Zeit vorbereitet worden sei „und unter Jojo Becher dann vollendet worden ist“. Auch auf den Neubau von Kitas und den Ausbau der Ganztagsschulen habe er „positiven Einfluss nehmen können“, so Beubl.
Mit etwas Wehmut blicke er jedoch darauf zurück, dass er den Stadtrat nicht habe überzeugen können, eine Bauleitplanung für das gesamte Stadtgebiet umzusetzen. „Mehr Konsequenz“ hätte sich Beubl zudem bei den Finanzen gewünscht. So vermisst er in Moosburg „eine realistische Finanzplanung“ und bedauert, dass die Baukosten bei Investitionen, etwa beim neuen Hallenbad, „nicht immer ganz nachvollziehbar sind“.


