Der Umbau des „Plan“ sorgt in Moosburg zunehmend für Unmut, weil die ganze Angelegenheit nicht so zügig über die Bühne geht, wie viele sich das wünschen. Als einen Grund dafür identifizierte man im Sommer die archäologischen Ausgrabungen, die nach Ansicht einiger Stadtratsmitglieder mit unnötiger Akribie vorgenommen und dokumentiert werden. Kreisarchäologin Delia Hurka berichtete im Gremium am Montagabend nun über die bisherigen Funde und rechtfertigte dabei die Vorgehensweise – auch bei der Dokumentation.
Im Jahr 2018 startete die Arbeit der Archäologen mit einer ersten Voruntersuchung. Damals habe man eine Fläche von 30 Quadratmetern geöffnet und dabei eine „ganz dichte Befundlage“ feststellen können, so die Kreisarchäologin. Entdeckt wurden sechs Bestattungen, die mindestens bis in Hochmittelalter zurückreichen oder noch weiter. Da sei bereits klar gewesen, so Hurka: „Der Plan ist dicht, hier gibt es eine große Anzahl von Baudenkmälern.“
Grabbeigaben wurden nach Auskunft der Kreisarchäologin nur ganz vereinzelt gefunden, „dafür aber unzählige Öfen, größtenteils aus dem Spätmittelalter“. Ziel sei es gewesen, „alles, was ein archäologischer Befund ist, nach Möglichkeit im Boden zu belassen, weil die Bergung und Sicherung sehr aufwendig ist – im Boden sind die Funde sehr gut geschützt“. Trotz einer nur sehr geringen Eingriffstiefe sei man bei den Bauarbeiten aber in den archäologisch relevanten Bereich gekommen, so Hurka.
Vor allem stieß man – beim Plan handelt es sich um einen ehemaligen Friedhof – auf diverse Bestattungen. Wo es ging, wurden die Skelette mit einer sogenannten Konservatorischen Überdeckung geschützt und im Boden belassen. „Aber ein paar Skelette lagen zu hoch, die musste man ausgraben“, sagte Hurka. Sie berichtete von bisher 180 Bestattungen, von denen man 80 ausgegraben und den Rest wieder bedeckt habe. Ausgegrabene menschliche Knochen kämen normalerweise in die Archäologische Staatssammlung in München. Es bestehe aber auch die Möglichkeit einer Wiederbestattung.

Für archäologische Funde ganz allgemein gebe es übrigens eine Änderung im Bayerischen Denkmalschutzgesetz, erläuterte Hurka. Funde, für die keine Eigentümer ermittelt werden können, gehen in das Eigentum des Freistaats über. Früher gehörten sie je zu 50 Prozent dem Grundstückseigentümer und dem Finder. Wenn die Kommune die auf ihrem Gebiet geborgenen Funde selbst aufbewahren wolle, sei das auch heute möglich, so die Kreisarchäologin. Voraussetzung sei aber eine fachgerechte Lagerung. Entweder im Landkreis-Depot oder in einer städtischen Lagerstätte.
Aus Reihen des Stadtrats wurde der Wunsch laut, die Funde nach Abschluss des Plan-Umbaus der Moosburger Bevölkerung in einer Ausstellung oder dergleichen zugänglich zu machen. Hurka sagte ihre Unterstützung zu: „Ich bin da sofort dabei, das Wichtigste ist, dass es hierher zurückkommt.“
„Wir müssen alle Funde gleich behandeln und dokumentieren“
Nicht ganz so einig waren sich die Kreisarchäologin und die Stadtratsmitglieder in Bezug auf die Ausgrabungen an sich und die Dokumentation. Erwin Weber (CSU) fragte nach der am Plan praktizierten Methode, „Handzeichnungen für die Dokumentation zu verwenden – das ist sehr zeit- und kostenaufwendig für den Bauherrn und auf der Baustelle herrscht lange Stillstand, es gibt ja auch Drei-D-Scanner“. Hurka entgegnete, Handzeichnungen seien „nach wie vor die beste und sicherste Methode und von den Kosten günstiger als ein Scan“. Zudem „hätte man auf dem Plan eigentlich noch viel mehr ausgraben müssen, Sie haben eh nicht so viel Zeitverzögerung“.
Philipp Fincke (FDP) stellte das nicht so recht zufrieden: „Man weiß, das war ein Friedhof, wo mindestens 180 Leute liegen. Wo ist da die Erkenntnis, wenn man jetzt weitergräbt? Man weiß ja, dass da noch Weitere liegen.“ Die Erkenntnis, so die Kreisarchäologin, habe man immer erst hinterher. Man wisse nicht, ob etwa an anderer Stelle ältere Skelette liegen. „Und wir müssen alle Funde gleich behandeln und dokumentieren.“
Karin Linz (CSU) fragte: „Kann man denn die Toten nicht in Ruhe lassen? Muss man die alle ausgraben?“ Hurka entgegnete, man grabe „nur das aus, was durch die Bagger zerstört wird“. Ohne die Arbeit der Archäologen, „würden die Bagger einfach alles ausbaggern und herumschmeißen – wegen mir könnte das alles im Boden bleiben“.

