Gastronomie in MoosburgPächterwechsel im Moosburger „Staudinger Keller“

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Im „Staudinger Keller“ steht ein Pächterwechsel an: Ende Oktober übergeben (von links) Isabell, Michaela und Martin Hagl die Moosburger Gaststätte mit Biergarten an Florian und Nicole Huber.
Im „Staudinger Keller“ steht ein Pächterwechsel an: Ende Oktober übergeben (von links) Isabell, Michaela und Martin Hagl die Moosburger Gaststätte mit Biergarten an Florian und Nicole Huber. Marco Einfeldt

Seit vier Jahrzehnten ist Martin Hagl aus der Moosburger Gastro-Szene nicht wegzudenken. Ende Oktober zieht er sich zurück. Seine Frau Michaela und er übergeben die Gaststätte mit Biergarten an Florian und Nicole Huber.

Von Petra Schnirch, Moosburg

Es fällt schwer, sich die Moosburger Gastro-Szene ohne Martin Hagl vorzustellen. In den vergangenen 40 Jahren betrieb er mehrere angesagte Party-Locations in der Stadt, seit 20 Jahren führt er den traditionsreichen „Staudinger Keller“. Doch Ende Oktober ist Schluss. Dann wird er mit seiner Frau Michaela das Gasthaus mit Biergarten an einen Nachfolger übergeben. Neue Pächter sind Florian und Nicole Huber, die Wunschkandidaten der Hagls.

Anfang Juni, an seinem 60. Geburtstag, gab Martin Hagl den Wechsel bekannt. Am Nachmittag informierte er die Stammtische, das sei „sehr emotional“ gewesen, erzählt er. Ganz verzichten müssen sie auf ihn künftig wohl nicht. Er will noch etwas mitarbeiten, wenn er gebraucht wird. Den Stress, die Organisation aber ist er dann los.

In den vergangenen vier Jahrzehnten hat der gelernte Zimmerer immer wieder neue Gastro-Projekte angepackt – nach einem kurzen Intermezzo als Hochseilartist in Spanien. Er wollte damals eigentlich nur einen Freund begleiten, einen Artisten-Sohn, und bei den „Los Bordini“ Autos waschen, beim Auf- und Abbau helfen. Doch schnell entpuppte er sich als Naturtalent. „Ich bin aufs Seil und es hat sofort funktioniert“, meint er lapidar, als wäre es das Normalste auf der Welt. Er war verwegen genug, um ohne Sicherung zu balancieren oder mit dem Motorrad in luftigen Höhen über das Seil zu fahren.

Nach vier Jahren hatte Hagl genug. Der Moosburger wollte etwas Neues ausprobieren, durch andere Länder und die USA touren. Darüber kam es zum Streit mit dem Chef der Truppe. 1986 beschloss Martin Hagl, in seine Heimatstadt zurückzukehren. Der umtriebige Gastronom eröffnete das „Fly“, betrieb später parallel dazu das „Madhouse“, anschließend das „Fly 2000“. Auch eine Pizzeria führte er vier Jahre lang.

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In der Gastronomie hat er sich immer zu Hause gefühlt. Schon mit zwölf oder 13 Jahren hat er bei seinem Opa im „Capitol“ ausgeholfen, zu dem ein Kino und eine Kegelbahn gehörte. In seinen eigenen Lokalen habe er immer geschaut, „dass es ein bisschen weitergeht“, erzählt er. An Ideen hat es ihm nie gefehlt. Es gab aber auch Tiefpunkte, das verschweigt Hagl nicht. Der Umbau des „Madhouse“ für mehrere hunderttausend Euro, früher ein Pferdestall, „war fast mein Untergang“, sagt er. In den vergangenen Jahren war die Größe des „Staudinger Kellers“ eine Herausforderung, „ich bin ja kein gelernter Koch“. Die Arbeit habe viel Spaß gemacht, „uns aber auch oft zur Verzweiflung gebracht“.  Rückhalt gab ihm das bewährte Team um Jassy Koch.

Heimat ist der „Staudinger Keller“ für viele Stammtische und Vereine wie Narrhalla und die Bonauer Löwen geworden, für Hagl sind sie „die Säulen der Gastronomie“. Der älteste, der 56er-Stammtisch, ist 1956 gegründet worden und trifft sich immer noch.  Los ging es mit 26 Mitgliedern, jetzt sind es noch sechs.

Für Segeltörns will sich der Gastronom künftig mehr Zeit nehmen

Welche Zeit war für ihn die beste? „Die Jugend ist immer die schönste Zeit“, antwortet er nach kurzem Überlegen und lacht. Er brachte die Beachparty von Spanien mit nach Moosburg. So etwas habe es in Deutschland damals nicht gegeben, erzählt er. Künftig will er sich mehr Zeit für Hobbys wie das Segeln nehmen. Seit Jahren chartert er mit einem Partner Boote und bietet vor der kroatischen Küste mehrtägige Segeltörns für Touristen an.

Seit drei Jahren sucht Familie Hagl nach einem Nachfolger. Bei der ersten Anfrage hatte Florian Huber noch abgewinkt. Der zweite Versuch hatte Erfolg. Warum hat er es sich anders überlegt? „Eine bayerische Traditionswirtschaft mit wunderschönem Biergarten darf man als Moosburger nicht sterben lassen“, sagt Huber. Der Metzgermeister, 40, betreibt mit seiner Frau nebenbei einen Catering-Service, hat also Erfahrung in der Gastronomie. Vor 20 Jahren hat er bereits beim Umbau im „Staudinger Keller“ mitgeholfen. Huber ist in Moosburg aufgewachsen und dort, wie Hagl, „ein bunter Hund“.

Viel ändern will er nicht, vielleicht das eine oder andere typische Biergarten-Gericht mit auf die Karte nehmen, wie einen Radi oder Aufstriche. Für die Vereine hat der Vorsitzende des FC Moosburg ebenfalls ein offenes Ohr. Die Narrhalla habe schon angefragt, ob sie ihre Prinzenhofburg wieder dort einrichten könne. Im November und Dezember wird die Gaststätte zunächst abends und an den Wochenenden geöffnet sein sowie für Feiern, weil die Jobs der Hubers noch bis zum Jahresende laufen. Richtig durchstarten wollen sie mit Beginn der Biergartensaison.

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