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Trainer kritisiert "fragwürdige Regelung":Privileg für Kaderathleten

Wer leistungsorientiert Leichtathletik betreibt, darf trainieren, weniger ambitionierter Nachwuchs nicht. Alexander Pschorr findet das ungerecht.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Alexander Pschorr hat allen Grund zur Freude. Die 1:43,80 Minuten, in denen die 15-jährige Moosburger Leichtathletin Hannah Schreiber kürzlich bei einem Wettkampf in der Münchner Werner-von-Linde-Halle die 600-Meter-Strecke absolvierte, "sind eine ganz hervorragende Zeit", sagt er. Pschorr, Schreibers Heimtrainer bei der SG Moosburg, hat mitgeholfen, die junge Ausnahmeathletin, die 2019 mit dem SZ-Talentiade-Preis ausgezeichnet wurde, für das Rennen in München vorzubereiten. Und trotzdem sieht er das Ganze nicht nur positiv.

Hannah Schreiber

Kaderathletin Hannah Schreiber hat zur Freude ihres Trainers kürzlich bei einem Lauf in München überzeugt. Andere dagegen dürfen nicht mal trainieren.

(Foto: oh)

Dass Landeskader-Mitglieder wie Schreiber unter Einhaltung bestimmter Hygienevorschriften weiterhin an Stützpunkten trainieren und intern Wettkämpfe abhalten dürfen, alle anderen Athleten aber nicht, hält der Nachwuchstrainer für eine "grundsätzlich problematische Regelung". Seiner Ansicht nach bräuchten "auch weniger ambitionierte Kinder und Jugendliche dringend einen regelmäßigen und gesundheitsorientierten sportlichen Ausgleich. Rechte dermaßen unterschiedlich zu vergeben, ist äußerst fragwürdig".

Es sei nicht so, dass er Kaderathleten wie Schreiber ihr Training und die Wettkämpfe nicht gönne, "darum geht es nicht", betont Pschorr. Er wünscht sich vielmehr, dass die anderen, nicht ganz so guten Nachwuchssportler auch wieder ins Training einsteigen dürfen. "Wir im Verein haben ja schon ein Hygienekonzept entwickelt und unter diesem im vergangenen Jahr trainiert, das ist also möglich", sagt der Trainer. Dass Landeskader-Athleten wie Schreiber zwei- bis dreimal pro Woche trainieren dürfen, während es den anderen nicht wenigstens einmal die Woche erlaubt ist, hält er für "sehr unglücklich und ungerecht".

Jugendliche brauchen die Möglickkeit sich auszupowern

Pschorr empfindet das in mehrerlei Hinsicht als ungünstig. Zum einen werden die Besseren durch das exklusive Training immer besser, während andere den Anschluss verlieren. Zum anderen geht es ihm darum, dass der Großteil der Kinder derzeit überhaupt keine Möglichkeit beziehungsweise den nötigen Ansporn hat, sich zu bewegen. Als Lehrer an der Moosburger Mittelschule "sehe ich, dass Jugendliche einfach eine Möglichkeit brauchen, um ihre überschüssige Energie loszuwerden - und diese Möglichkeit haben sie momentan nicht", bedauert Pschorr.

In der Moosburger Leichtathletik-Gruppe bietet man den jungen Sportlern an, sich wenigstens einmal wöchentlich bei einem Online-Training fit zu halten. "Aber manche erreiche ich gar nicht - und vielleicht wollen sie auch gar nicht, dass man sie erreicht", meint der Trainer, der gar um den Fortbestand der Leichtathletiksparte fürchtet. Vor dem Lockdown hatte man laut Pschorr "eine gute Anzahl an Leuten und eine gute Mischung im Training". 25 bis 30 waren es, aufgeteilt in eine Untergruppe für die Älteren und eine für die Jüngeren. Nun müsse man erst mal schauen, was davon übrig bleibe.

Pschorr hat die Leichtathletik-Gruppe in den vergangenen sechs Jahren aufgebaut, was mit viel Arbeit verbunden war. "Wir haben in Moosburg immer auch sehr leistungsorientiert trainiert, das war viel organisatorischer und zeitlicher Aufwand - Abstimmung mit den Stützpunkttrainern und so weiter", sagt er. Im schlimmsten Fall noch mal ganz von vorne anfangen zu müssen, ist keine Aussicht, die ihn besonders reizt. Darum plädiert der Trainer dafür, in einer Individualsportart wie der Leichtathletik möglichst schnell wieder im Freien und in kleinen Gruppen trainieren zu dürfen. "Natürlich mit einem vernünftigem Hygienekonzept, das wir ja schon haben", betont er noch einmal: "Dass das funktioniert, gerade auf einer so großen Sportanlage wie der unseren, haben wir bewiesen."

© SZ/nta
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