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Kommunalpolitisches Netzwerk:Junge Moosburger gründen "überparteiliche Bagage"

Es wird lebhafter im Rathaus Moosburg, zumindest bei den Sitzungen des neuen Stadtrats. Ein Grund dafür ist das überparteiliche Netzwerk "Üba", das sich einmischen und einbringen will.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die lokalpolitisch interessierte Moosburger Jugend hat den Wahlkampf überdauert. Jetzt hat sie sogar ein eigenes Netzwerk, in dem auch die jungen Stadträte sind - aus verschiedenen Parteien. Pläne fürs Einmischen gibt es viele.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Dass in Moosburg etwas in Schwung gekommen ist, ein frischer Wind durch die Kommunalpolitik weht, hat man schon vor den Stadtrats- und Bürgermeisterwahlen im März gemerkt. Wenige Wochen vor der Abstimmung gründete sich die neue, parteiunabhängige Gruppe Fresh und brachte dann auf Anhieb zwei Kandidaten in den Stadtrat. Auch auf den Listen anderer Parteien und Gruppierungen standen viele jüngere Kandidaten. Und die vernetzten sich querbeet noch während des Wahlkampfes miteinander und organisierten ein Speed Dating, bei dem sie sich allen Interessierten vorstellten.

Dieser Geist des "sich gemeinsam für die Interessen der Jugend einsetzen" hat die Wahl überdauert. Die fünf unter 30-jährigen Stadtratsmitglieder sowie weitere Kandidaten, die nicht ins Gremium gewählt worden sind, haben sich zum Netzwerk "Überparteiliche Bagage" (Üba) zusammengetan. Darin, so FDP-Stadtrat Philipp Fincke, der in dem Netzwerk dem Team für Social Media und Pressearbeit angehört, "wollen wir uns austauschen, informieren und diskutieren". Die Gruppe will aber nicht einfach nur im eigenen Saft schmoren und sich untereinander austauschen, sondern auch die Verbindung zu jungen, an der Kommunalpolitik interessierten Bürgern halten "und ihr direkter Draht in den Stadtrat sein", so Fincke: "Wir sind keine geschlossene Gruppe, sondern offen für alle neuen Interessierten, aber man muss ein Demokrat sein."

Philipp Fincke (FDP) gehört im Netzwerk "Überparteiliche Bagage" dem Team an, das sich um Social Media und die Pressearbeit kümmert. Die Gruppe will direkter Draht für junge Menschen in den Moosburger Stadtrat sein.

(Foto: Marco Einfeldt)

Zum Auftakt gab es am Freitagabend eine Facebook-Live-Diskussion mit den Stadträten Verena Kuch (Grüne), Julia Neumayr, Thomas Wittmann (beide Fresh), Stefan John (Linke) und Fincke auch über die konstituierende Sitzung des Gremiums am vergangenen Montag. Fincke freute sich am Freitagvormittag darauf, "kontroverse Themen zu diskutieren". Etwa über die Wahl des Zweiten Bürgermeisters, "bei der zum Beispiel Verena Kuch und ich wohl nicht einer Meinung sein werden - aber genau das macht Politik so spannend".

Ein Projekt könnte die Neuauflage des Festes für Menschlichkeit und Toleranz sein

Jetzt, in Zeiten von Corona, startet Üba erst mal mit Diskussionen auf Facebook und Youtube, "aber später wollen wir auch offline Aktionen machen, zum Beispiel im Hirschen", so Fincke. Denkbar sei, sich externe Referenten oder Diskussionsteilnehmer zu interessanten aktuellen Themen einzuladen oder eine Neuauflage des Festes für Menschlichkeit und Toleranz zu organisieren, mit dem im zurückliegenden Wahlkampf ein Zeichen gegen eine zeitgleich stattfindende Veranstaltung der AfD gesetzt wurde. Auch Meinungsbeiträge in Form von Leserbriefen, die es zum Beispiel schon zum Thema Hallenbadneubau gegeben hat, gehören zum Spektrum des Netzwerkes. Dabei schwingt natürlich immer mit, dass die Mitglieder aus unterschiedlichen politischen Richtungen, Parteien und Gruppierungen kommen. "Bei so einem Leserbrief unterschreiben natürlich nur die, die bei dem Thema inhaltlich einer Meinung sind, aber das haben wir so besprochen und ist für uns alle kein Problem", versichert Fincke.

"Wir können hier gut diskutieren, auch wenn wir nicht einer Meinung sind", sagte Verena Kuch in der Online-Diskussion am Freitag zum Projekt Üba, "aber es ist wichtig, dass wir Jungen uns eine Meinung bilden". Üba zeige, "dass wir in der Sache hart, aber korrekt im Umgang sind", sagte Stefan John. Seine Devise laute: "Seid's freundlich." Julia Neumayr meinte, "wir haben als nächste Generation die Aufgabe, zu zeigen, dass man nur gemeinsam was erreichen kann". Auch ihr Fresh-Kollege Thomas Wittmann hoffte, "dass wir so weitermachen im Sinne von Moosburg".

Momentan ist Üba noch eine lose Vereinigung und kein Verein. Darüber will man vielleicht später mal nachdenken. Dennoch hat sich die Gruppe schon eine Struktur gegeben und Aufgaben aufgeteilt, damit alles eine gewisse Ordnung hat. So wurden die ehemaligen Stadtratskandidaten Josef Sixt (FW), Lena Zehetbauer (SPD) und Julian Grübl (Fresh) auserkoren, "den Überblick zu behalten, sie haben den Hut auf", so Fincke. Dazu gibt es zwei Teams, besagtes für Social Media und Pressearbeit und eines für die Organisation. Die Jugend ist also nicht nur interessiert, sondern auch strukturiert und organisiert. Um die Zukunft der Moosburger Kommunalpolitik muss einem nicht bange sein.

© SZ vom 11.05.2020/nta

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