Moosburg:Kitas werden deutlich teurer

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Kita-Erzieherin

Am Montag hat der Moosburger Stadtrat entschieden, die Gebühren für Eltern für die Kinderbetreuung von September an um 20 Prozent und im darauf folgenden Kindergartenjahr um weitere acht Prozent zu erhöhen.

(Foto: dpa)

Der Stadtrat muss die Eltern nicht zuletzt wegen der gestiegenen Personalkosten spürbar zur Kasse bitten. Die Betroffenen sehen das sogar ein, kritisieren aber Versäumnisse in der Vergangenheit.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Im Bereich der Kindertageseinrichtungen hakt es in Moosburg derzeit an der einen oder anderen Stelle. Die vorhandene Kapazität an Plätzen reicht nicht aus, weshalb etwa in den Amperauen ein neues Kinderhaus gebaut wird. Dafür und auch für weitere Kitas sucht die Stadt auf ihrer Website nach Personal, das derzeit in eigentlich allen Kommunen händeringend benötigt wird und nur schwer zu bekommen ist. Während die Betreuungsplätze generell zu knapp sind, gibt es andererseits aber auch einzelne Moosburger Einrichtungen, die von den Eltern nicht so recht angenommen werden.

Und nicht zuletzt ist da noch das Problem mit den Finanzen, die der Stadt sowie den freien Trägern von Kitas unter anderem wegen stark gestiegener Personalkosten aus dem Ruder zu laufen drohen. Sie sollen jetzt - nach einer acht Jahre lang nicht vorgenommenen Anpassung - durch eine saftige Erhöhung der Nutzungsgebühren zumindest ein bisschen aufgefangen werden.

20 Prozent höhere Gebühren ab September

Am Montag entschied der Moosburger Stadtrat, die Gebühren für Eltern von September an um 20 Prozent und im darauf folgenden Kindergartenjahr um weitere acht Prozent zu erhöhen. Danach sollen bis ins Kita-Jahr 2027/28 die Gebühren jährlich um drei Prozent angehoben werden. Wer mehrere Kinder in einer Kita hat, bekommt künftig pauschal einen Geschwisterbonus, nicht nur, wie bisher, wenn die Kinder in dieselbe Kita gehen.

Das nun beschlossene Modell war ein von Bürgermeister Josef Dollinger (FW) vorgeschlagener Kompromiss, nachdem bereits die Rathausverwaltung seit November mit externen Trägern, Elternbeiräten und den Fraktionen im Stadtrat an einer Lösung gearbeitet hatte. CSU und Grüne formulierten für die Sitzung Änderungsvorschläge für die nach den Vorgesprächen der vergangenen Monate eigentlich vorgesehene Beschlussvorlage der Verwaltung. Diese hatte eine sofortige Erhöhung um 25 Prozent schon zum 1. April vorgesehen sowie jeweils dreiprozentige Anpassungen in den Folgejahren bis 2027/28.

CSU für weniger starke Erhöhung schon in diesem Jahr

Nicht zuletzt wegen der allgemein sehr hohen Inflation und den stark gestiegenen Energiepreisen wollte die CSU die Eltern jedoch heuer noch nicht so stark belasten und beantragte eine Erhöhung um zehn Prozent im September dieses Jahres und um 15 Prozent im September 2023. Die jährliche Drei-Prozent-Erhöhung wollte Vizebürgermeister Georg Hadersdorfer (CSU) nicht pauschal bis 2028 beschließen, sondern zwischendrin überprüfen lassen.

Kita-Referentin Nathalie von Pressentin schlug für die Grünen 15 Prozent heuer und zehn im kommenden Jahr vor. Über die Gewährung eines pauschalen Geschwisterbonus war man sich durch alle Fraktionen einig.

Es geht auch um eine hochwertige Betreuung

Ebenso einig war man sich, dass eine deutliche Gebührenerhöhung unumgänglich ist. Auch seitens der Elternbeiräte, die in der Sitzung für ihre konstruktiven und differenzierten Stellungnahmen gelobt wurden, sah man die Notwendigkeit. Schließlich gehe es darum, eine qualitativ hochwertige Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Der Elternbeirat des Kindergartens "Weltenentdecker" forderte, das Thema künftig mehr in den Fokus zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen, um qualifiziertes Fachpersonal anzuziehen.

Bedauert wurde allseits, dass zu Lasten der Eltern nun die Gebühren auf einen Schlag so stark erhöht werden. Als man früher Erhöhungen gefordert habe, sei man von der Stadt nicht erhört worden, hieß es aus einem Elternbeirat. Auch Pfarrerin Regine Weller als Vertreterin des Trägers des evangelischen Kindergartens sagte, man habe vor acht Jahren eine jährliche Erhöhung vorgeschlagen, die sei im Stadtrat abgelehnt worden. Nun seien 25 Prozent "das absolut notwendige Minimum", als freier Träger müsse man ohnehin schon jährlich 50 000 Euro zuschießen. "Acht Jahre ohne Erhöhung sind eine viel zu lange Zeit", sagte auch Kita-Referentin von Pressentin.

Acht Jahre ohne Erhöhung "eine ungute Sache"

Martin Pschorr (SPD), der schon in den Vorberatungen höchstens 20 Prozent Erhöhung auf einen Schlag als zumutbar angesehen hatte, nahm die Versäumnisse der vergangenen Jahre als Stadtrat "auch auf meine Kappe - und das muss jeder andere auch, der hier sitzt". Er weise aber auch darauf hin, "dass wir gewählte politische Vertreter haben, die für so was zuständig sind". Kita-Referent war bis Mai 2020 sein Parteikollege Gerd Beubl.

Bürgermeister Dollinger räumte ein, dass acht Jahre ohne Erhöhung "eine ungute Sache sind". Andererseits müsse man die nun anstehende Gebührenerhöhung auch richtig einordnen. Bei einer Mindestbuchungszeit von täglich drei bis vier Stunden würde man bei einer 25-Prozent-Erhöhung 105 statt bisher 84 Euro zahlen, bei der Höchstdauer von neun bis zehn Stunden 168 statt 134,40 Euro. 100 Euro im Monat übernehme aber der Freistaat. Der Rest sei "schon zumutbar". Eltern, die ihren Anteil dennoch nicht stemmen können, können eine Übernahme der Kosten beim Landratsamt beantragen.

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