Moosburg Im falschen Film

Die Planung des Tierheims bei Mintraching stockt: Vor allem die Bürgermeister aus dem nördlichen Landkreis halten das Bauwerk für überzogen, Vereinsvorsitzender Popp verweist auf die umfangreichen Auflagen

Von Peter Becker, Moosburg

Johann Stegmair, Bürgermeister von Hohenkammer ist es schon passiert und gar manchem seiner Kollegen in anderen Gemeinden auch: Ein Polizist mit einem Hund an der Leine klingelt an seiner Tür und übergibt das herrenlose Fundtier. Stegmair musste sich um das ausgesetzte Tier kümmern, wie es seine Pflicht als Bürgermeister ist. Solche Aktionen bräuchte es nicht, wenn es im Landkreis ein professionell geführtes Tierheim gäbe. Dessen Bau ist offenkundig nach wie vor in weiter Ferne. Während der Bürgermeister-Dienstbesprechung in Moosburg klagten insbesondere Rathauschefs aus dem nördlichen Landkreis über einen ihrer Ansicht nach überzogenen Architekten-Wettbewerb und eine undurchschaubare Finanzierung.

Der Landkreis Freising ist einer von zweien in Oberbayern, der noch über kein professionell geführtes Tierheim mit genügend Kapazitäten verfügt. Früher haben vielleicht Auffangstationen genügt. Laut Manfred Kurpiers, Leiter des Veterinäramts, haben sich die Zeiten geändert, als zunehmend Städter mit ihren Haustieren in den Landkreis gezogen sind. Aus den verschiedensten Gründen können plötzlich Notlagen entstehen: Zum Beispiel, wenn der Tierhalter zum Pflegefall wird und in ein Heim muss. Auf Mitleid spekulierende Bettler aus Osteuropa oder Schmuggler sorgen ebenfalls dafür, dass die Tierheime in der Region gut gefüllt sind. Ihre Hunde sind nicht gegen Tollwut geimpft, müssten deshalb in Quarantäne. Kurpiers nannte ein Beispiel: Auf der Autobahn A 9 habe die Polizei einen Wagen mit 30 Hundewelpen gestoppt. "Zum Glück auf Münchner Stadtgebiet", stellte der Veterinär fest. In den Auffangstationen des Landkreises wäre für diese Tiere kein Platz gewesen.

Tierschutzvereinsvorsitzender Joseph Popp hat vorgerechnet, dass 90 Cent pro Einwohner je Gemeinde im Jahr ausreichten, um das Tierheim zu finanzieren. Bislang hat aber nur etwa die Hälfte der Kommunen dazu ihre Bereitschaft erklärt. Pläne für das Tierheim, das bei Mintraching entstehen soll, existieren bereits. Dazu gab es sogar einen Architekten-Wettbewerb, an dem sich die Bürgermeister aus den nördlichen Gemeinden stören. Karl Ecker hält diesen für überzogen und glaubt, das Geld sei rausgeschmissen. Anstatt den von Popp vorgeschlagenen Obulus zu zahlen, unterstütze er lieber wie bisher den Hallertauer Tierschutzverein und seine ehrenamtliche Arbeit. Konrad Schickaneder aus Rudelzhausen vermisst ein solides Finanzierungskonzept. Die Kosten für das Tierheim betragen etwa 1,5 Millionen Euro. "Das muss billiger gehen", fügte er hinzu. Ähnlich sieht es der Paunzhausener Rathauschef Hans Daniel. Er forderte verlässliche Zahlen von Popp.

Der Vorsitzende des Tierschutzvereins glaubt indes, im falschen Film zu sein. "Das ist unglaublich", kommentierte er den Ausgang der Dienstbesprechung. Der Architekten-Wettbewerb sei unvermeidlich gewesen und sei dem Verein nachgerade aufgezwungen worden, sagte er. Zum einen schon deshalb, weil der Standort in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Zum anderen verwies Popp darauf, dass bestimmte Einrichtungen einfach vorhanden sein müssen, um überhaupt eine Anerkennung als Tierheim zu bekommen. Dazu gehören etwa eine Quarantänestation, eine Notaufnahme für Tiere, die Polizei und Feuerwehr bringen, ein Zimmer für den Tierarzt, Lagerflächen und schließlich eine Wohnung für einen Tierpfleger. Denn, sagte Popp, das Tierheim liege recht abgelegen. Man könne die Tiere des Nachts nicht sich selbst überlassen. Geplant ist laut Popp ein Tierheim in Modulbauweise. Je nach Bedarf sei es also möglich, den Bau günstig zu verkleinern oder zu vergrößern.

An die Adresse derjenigen Gemeinden gewandt, die auf ihre Verträge mit dem Tierheim Heinzelwinkl im Landkreis Landshut pochen, verwies Popp auf ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Landshuter Tierschutzvereins. Dieser habe deutlich gesagt, keine Tiere mehr annehmen zu wollen, wenn es im Landkreis Freising ein Tierheim gebe.