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Diskussion in Moosburg:Wirtshausgutschein statt resches Hendl

Bruck: Impression Volksfest

Knusprige Gratis-Hendl im Herbstschauzelt bekommen die Moosburger Senioren heuer ebenso wenig wie Gastronomie-Gutscheine als Ersatz.

(Foto: Johannes Simon)

Die Herbstschau ist heuer ausgefallen. Karin Linz (CSU) will mit einem gut gemeinten Vorschlag Gastwirten und Senioren etwas Gutes tun. Doch der Moosburger Stadtrat ist dagegen, einzelne Personengruppen zu bevorzugen.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Die Corona-Pandemie hat - wenn man nicht gerade Maskenproduzent oder Hersteller von Spuckschutzscheiben ist - viele Verlierer. Etwa ältere Menschen und Gastwirte. Die Moosburger Seniorenreferentin Karin Linz (CSU) wollte jetzt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und beiden Gesellschaftsgruppen etwas Gutes tun.

Deshalb beantragte sie im Stadtrat, den Seniorinnen und Senioren sowie den Menschen in den örtlichen Behinderteneinrichtungen jeweils Gutscheine in Höhe von zehn Euro für Moosburger Gastronomiebetriebe zu schenken. Und zwar als Kompensation für die heuer ausgefallene Herbstschau, für die Senioren und Behinderte für gewöhnlich Bier- und Hendlmarken von der Kommune bekommen. Der Stadtrat lehnte den Antrag jedoch mit großer Mehrheit ab.

"Moosburgs Gastronomie leidet sehr unter der Pandemie", begründete Linz ihren Antrag schriftlich. Die Gutscheine waren somit sowohl für die Wirte als kleine Unterstützung gedacht als auch als "noble Geste" an die "in der aktuellen Krise am höchsten gefährdete Personengruppe", schrieb Linz. Um finanziellen Gegenargumenten den Wind aus den Segeln zu nehmen, sagte die Seniorenreferentin in der jüngsten Stadtratssitzung: "Fakt ist, dass bei der Stadt für die Herbstschau in diesem Jahr keine Kosten anfallen." Sie plädierte deshalb dafür, "diese freiwillige Leistung der Stadt als Anerkennung der Lebensleistung" zu gewähren.

Das Gegenargument: Auch andere leiden unter der Pandemie

Bürgermeister Josef Dollinger (Freie Wähler) und seine Verwaltung führten allerdings vielfältige Gründe gegen das Verteilen der Gutscheine ins Feld. "Wir bedauern alle sehr, dass die Herbstschau ausfallen musste und auch der Seniorennachmittag", versicherte Dollinger, "aber alle haben Einschnitte." Gemeint waren etwa Familien mit Kindern, die heuer ebenso wenig in den Genuss eines Herbschaubesuchs kamen, wo sie am Familiennachmittag sonst zu vergünstigten Preisen die Fahrgeschäfte hätten nutzen können. Neben Gastronomie und Senioren litten auch andere Bevölkerungsschichten und gewerbliche Sparten unter der Pandemie, hieß es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Hauptleidtragende seien Schausteller und Festwirte. Auch die Moosburger Geschäftswelt habe Einbußen.

Im Vorjahr hatte die Stadt Moosburg 2680 über 70-Jährige auf Hendl und Bier zur Herbstschau eingeladen, 2065 nahmen das Angebot an. Die von Linz vorgeschlagenen Gutscheine kämen die Stadt auf etwa 27 000 Euro zuzüglich Verwaltungsaufwand, rechnete die Verwaltung vor. Aufgrund zu erwartender Mindereinnahmen durch die Corona-Krise sei es fraglich, ob man so eine freiwillige Leistung gewähren könne. Auch sei es ungewiss, ob wegen der Infektionsgefahr überhaupt viele Senioren ein Gasthaus aufsuchen wollten. Und wenn doch, ob die örtliche Gastronomie "kurzfristig einen Ansturm von mehr als 2000 Personen zuzüglich Begleitung" bewältigen könne.

Auch Grünen-Stadtrat Alfred Wagner hatte "kein Verständnis dafür, einfach nach dem Gießkannenprinzip Geld an Senioren auszuschütten". Es gebe "viele andere Gruppen, die es auch nötig hätten - und anderseits viele Senioren, die es finanziell nicht nötig haben".

Ludwig Kieninger, Sprecher der FW-Fraktion, meinte, der Antrag "mag ja durchaus sinnvoll für die Wirtschaften sein. Aber kommt das Geld auch da an, wo es ankommen soll?" Schließlich könnten Senioren, für die die Gutscheine gedacht seien, diese auch weitergeben. Für Kieninger war die Sache klar: "Wenn es keine Herbstschau gibt, gibt es keine Einladung - wir als Stadträte haben ja auch keine Einladung bekommen."

© SZ/nta

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