Gymnasium MoosburgForschungsflug in die Stratosphäre

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Flug durch die Stratosphäre: Die Kamera des Ballons, den das  Gymnasium Moosburg gestartet hat, zeigt die Reagenzgläser mit den Experimenten über der Wolkendecke in 38 Kilometer Höhe.
Flug durch die Stratosphäre: Die Kamera des Ballons, den das  Gymnasium Moosburg gestartet hat, zeigt die Reagenzgläser mit den Experimenten über der Wolkendecke in 38 Kilometer Höhe. Gymnasium Moosburg

So macht Unterricht Spaß: Die MINT-Klasse des Gymnasiums Moosburg lässt zwei Ballons bis in 38 Kilometer Höhe steigen und wertet anschließend die Daten aus. Die Ideen zu den Experimenten haben sich die Schülerinnen und Schüler teils selbst einfallen lassen.

Von Petra Schnirch, Moosburg

Schule geht auch anders. Sie kann zum Beispiel Antworten auf so spannende Fragen liefern, was mit einer Pflanze, mit Sprudelwasser oder einem Chicken-Nugget in der Stratosphäre passiert. Kürzlich ließen die Schülerinnen und Schüler der Mint-Klasse am Moosburger Gymnasium zwei Ballons in den Himmel steigen. Bestückt waren sie mit Messgeräten, Kameras und mehreren Reagenzgläsern. Interessanter Unterrichtsstoff ist in den letzten Wochen vor den Sommerferien bei der Auswertung der Daten also garantiert. Die Sechstklässler warteten schon ungeduldig auf die Ergebnisse, sagt Andreas Reif, der das Experiment gemeinsam mit Jens Homfeld leitete.

Fast hätten die Flüge abgesagt werden müssen, denn die Wetterprognosen waren eher schlecht. Am Morgen des Starts aber zeigte sich die Sonne und die Schülerinnen und Schüler versammelten sich gegen 9.30 Uhr im Pausenhof, um den Start des ersten Ballons zu verfolgen. Kurz kam ein wenig Hektik auf. Jens Homfeld und Andreas Reif bestückten eine kleine Styroporbox mit dem technischen Equipment, mehrere Mädchen hielten in der Zwischenzeit den mit Helium gefüllten Ballon. Durch eine kleine Spinne ließen sie sich nur kurz aus der Ruhe bringen.

Dann ging es endlich los, nach einem Countdown und im zweiten Versuch, weil sich der kleine Fallschirm der Box in den Leinen verheddert hatte. Schnell verschwand der Ballon am Firmament. Auf diesen Moment hat sich der zwölfjährige Lirek gefreut, er beschäftige sich viel mit Technik und Weltraum, erzählt er. Später will er Informatik studieren. Ein solches Experiment sei schon etwas Besonderes.

Die Ideen kamen teils von den Sechstklässlern selbst,  25 von ihnen besuchen den MINT-Unterricht (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Sie wollten erforschen, wie Hefe in der Stratosphäre reagiert oder ob eine Ameise den Flug überlebt. Seit Januar haben sie die Versuche vorbereitet, erklärt Niclas, 13. Doch es sind nicht nur Jungs, die sich für die MINT-Klasse, ein Wahlangebot, interessieren. Ella, 12, sagt, dass ihr der Unterricht viel Spaß mache, sie freut sich, dass die Daten schnell ausgewertet werden können.

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GPS-Tracker machten es möglich, dass die Styroporboxen noch am selben Tag am Ende ihrer Reise eingesammelt werden konnten. Die Flugzeit betrug etwa zweieinhalb Stunden. Der Ballon platzte in der Luft, die Materialien segelten per Fallschirm auf den Boden.

Schon die ersten Informationen lasen sich spannend: Die maximale Flughöhe betrug 37,2 Kilometer, die Außentemperatur ganz oben minus 48 Grad Celsius. Ballon eins landete zwischen Landsberg am Lech und Schongau, der zweite zwischen Starnberg und Holzkirchen. Die beiden Lehrer holten sie am Nachmittag. Die Bergung sei nicht ganz einfach gewesen, schildert Andreas Reif. Eine der beiden Boxen sei auf ein Scheunendach gefallen. Insgesamt waren die beiden Lehrer 320 Kilometer unterwegs.

Jens Homfeld befestigt die Styroporbox am Stratosphärenballon, während  Andreas Reif den kleinen Fallschirm flugfertig macht.
Jens Homfeld befestigt die Styroporbox am Stratosphärenballon, während  Andreas Reif den kleinen Fallschirm flugfertig macht. Petra Schnirch
Start geglückt: Der Ballon ist auf dem Weg in die Stratosphäre.
Start geglückt: Der Ballon ist auf dem Weg in die Stratosphäre. Petra Schnirch

Es waren bereits die Versuche drei und vier mit Stratosphärenballons, 2022 und 2024 fanden die ersten beiden Starts statt. Dass die Experimente fortgesetzt werden konnten, war dank eines Sponsors, der Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe (IDLW), möglich. Jeder Ballonstart mit entsprechender technischer Ausstattung kostet etwa 3000 Euro, allein für die Heliumfüllung fielen 600 Euro an. Die IDLW fördere mehrere Projekte zum Thema Wissenschaft und Weltraum an Schulen, erklärte Präsident Klaus Habersetzer. Ziel sei es, das Verständnis für die Luft- und Raumfahrt zu wecken. Der Verein will weitere Experimente in Moosburg unterstützen. Der Kontakt war über ein Vereinsmitglied zustande gekommen, dessen Kinder früher das Moosburger Gymnasium besuchten.

Das Verständnis für naturwissenschaftliche und technische Phänomene wird mit solchen Experimenten auf spielerische Weise gefördert. Wer lernt sonst schon mit Begeisterung, dass Wasser so weit oben in der Stratosphäre zu kochen beginnt, obwohl es doch so kalt ist, oder dass sich mit einer Kaliumjodidlösung und Stärke Ozon nachweisen lässt?

Eine Ameise überlebte den Flug bedauerlicherweise nicht, da Feuchtigkeit in das Röhrchen eingedrungen war. Die Kameras lieferten zudem faszinierende Bilder aus der Stratosphäre hoch über den Wolken. Die MINT-Klasse sei etwas Besonderes am Moosburger Gymnasium, sagt Reif, sie ziehe „neugierige Forschertypen“ an. Acht Lehrkräfte betreuen den MINT-Unterricht. Ein solches Angebot, sagt Homfeld, hänge immer an Menschen, die „für etwas Begeisterung zeigen“. Und die diese weitergeben.

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