Öffentlicher Nahverkehr im Landkreis FreisingDer Bus kommt auf Bestellung

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Drei Kleinbusse sind in Moosburg unterwegs. Geordert werden sie online, per App oder Telefon.
Drei Kleinbusse sind in Moosburg unterwegs. Geordert werden sie online, per App oder Telefon. Landratsamt Freising

Das Pilotprojekt in Moosburg ist gut angelaufen: Mehr als 30 000 Fahrgäste haben den Flex-Bus seit Januar genutzt. Der verkehrt nicht nach Fahrplan, sondern kann nach Bedarf gebucht werden. Das könnte ein Modell für die Zukunft sein.

Von Petra Schnirch, Moosburg

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Seit sieben Monaten richten sich die Moosburger nicht mehr nach einem festen Fahrplan, sondern bestellen den Bus, wenn sie ihn brauchen. On-Demand-Service Flex nennt sich das oder einfach Flex-Bus. Im Januar startete der Pilotversuch des Landkreises Freising in Kooperation mit dem MVV. Eine erste Bilanz fällt positiv aus. Die Fahrgäste nutzen das Angebot sowohl für den täglichen Weg zur Arbeit als auch für spontane Fahrten.

Wie zum Beispiel Konrad Berger. Er hat sich in den vergangenen Monaten ein paar Mal bei Regenwetter für den Bus anstelle des Fahrrads entschieden, um zur Sporthalle zu gelangen oder um Verwandte zu besuchen. Praktisch war der Service für ihn auch, als sein Auto im mehrere Kilometer entfernten Ortsteil Oberambach stand, weil ein Bekannter damit beim TÜV war. Ohne den Flex-Bus hätte er sich abholen lassen müssen, schildert er.

So funktioniert der Flex-Bus

Die drei Kleinbusse können montags bis freitags von 5 bis 22 Uhr gerufen werden, am Wochenende von 6 bis 22 Uhr. Geordert werden sie online, per App oder Telefon. Etwa 100 virtuelle Haltestellen sind über das Stadtgebiet verteilt – auch in Ortsteilen, die bisher eher schlecht angebunden waren. Von Bergers Wohnung ist der nächste Haltepunkt 80 Meter entfernt. Der Stadtbus dagegen hat nicht in seiner Nähe gehalten.

Der Zuspruch ist laut der Bilanz des Landratsamts von Monat zu Monat gestiegen. Insgesamt 30 700 Fahrgäste waren es seit Jahresbeginn. Zum Start im Januar zählte man 2230 Personen, im Juli waren es bereits 6942. Montag bis Freitag ist die Auslastung mit im Durchschnitt 83,2 Fahrten höher als an Samstagen (51,9) oder Sonntagen (40). 1,9 Fahrgäste befinden sich im Schnitt an Bord, in den Hauptverkehrszeiten liegt dieser Wert bei 2,4. Das bedeute, dass die Fahrzeuge pro Fahrt immer häufiger von mehreren Personen genutzt werden, „was den Verkehr entlastet und Ressourcen schont“, bilanziert das Landratsamt.

Etwa 100 mögliche Haltestellen sind über das Moosburger Stadtgebiet verteilt.
Etwa 100 mögliche Haltestellen sind über das Moosburger Stadtgebiet verteilt. Landratsamt Freising

Die durchschnittliche Fahrtdauer beträgt fünf Minuten, es sind also überwiegend kürzere Strecken innerhalb des Stadtgebiets, für die das Angebot gebucht wird. In 77 Prozent der Fälle geschieht dies relativ spontan, das heißt, innerhalb einer Stunde vor Fahrtbeginn. In der Regel ist der Bus in 15 bis 30 Minuten am gewünschten Einstiegspunkt, wie es auf der Website heißt.

Besonders beliebt sind Fahrten den Erhebungen zufolge von und zum Moosburger Bahnhof. Haltepunkte, die häufig angesteuert werden, sind zudem die Neue Industriestraße, die Zulassungsstelle, St. Pius, der Stadtplatz sowie die Einkaufsmärkte im Gewerbegebiet Degernpoint. Gebucht werden kann telefonisch, online oder per App.

Der öffentliche Nahverkehr soll attraktiver werden

Beim Start im Januar war von einem „Meilenstein“ die Rede. Es ist das erste Pilotprojekt für einen flexiblen On-Demand-Verkehr im Landkreis und das zweite im MVV-Verbundraum. Der andere Testbereich ist der Landkreis München mit einem Nacht- und einem Tag-Angebot in unterschiedlichen Kommunen.

Für den Freisinger Landrat Helmut Petz (FW) sind Rufbussysteme ein „wichtiger Baustein für die Mobilität der Zukunft“. Dass der Flex-Bus so gut angenommen wird, freut ihn. Das Ziel sei, mit flexiblen Angeboten den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen.

Kleiner Wermutstropfen für Konrad Berger sind die bei kurzen Fahrten vergleichsweise hohen Kosten. Wer kein Deutschlandticket oder eine andere Monatskarte hat, bezahlt etwa für einen Schwimmbadbesuch bei je zwei Streifen für Hin- und Rückfahrt mit der Streifenkarte insgesamt etwa sieben Euro. Auch ältere Menschen fremdeln nach seiner Erfahrung teils noch etwas mit dem neuen System.

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