Kommunalwahl in MoosburgDer AfD-Kandidat, den die Partei nicht kennt

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Den Bürgermeisterposten im Moosburger Rathaus hat auch die örtliche AfD im Visier. Lediglich der neue Kandidat gibt Rätsel auf.
Den Bürgermeisterposten im Moosburger Rathaus hat auch die örtliche AfD im Visier. Lediglich der neue Kandidat gibt Rätsel auf. Johannes Simon
  • Die Moosburger AfD nominiert den Münchner Hausarzt Moutasem-Daoud Ghadieh als Bürgermeisterkandidaten, nachdem die erste Nominierung gescheitert ist.
  • Ghadieh ist kein AfD-Mitglied, war nicht bei der Nominierung anwesend und selbst der Kreisvorsitzende kennt den Kandidaten nicht.
  • Ghadieh war der Wunschkandidat von Stadtrat Welter, der sich damit gegen den ursprünglich nominierten Stefan Jahnel durchsetzte.
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Nach dem gescheiterten ersten Anlauf nominiert die Moosburger AfD Moutasem-Daoud Ghadieh als neuen Bürgermeisterkandidaten.  Der in München praktizierende Hausarzt ist kein Parteimitglied, war nicht bei der Nominierung – und selbst der Kreisvorsitzende weiß nichts über ihn.

Von Kerstin Vogel, Moosburg

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Nach der Posse um die gescheiterte Nominierung eines Bürgermeisterkandidaten hat der Moosburger Ortsverband der AfD kurz vor Weihnachten einen zweiten Anlauf unternommen, um einen Bewerber aufzustellen.  Überraschend wurde dabei jedoch keiner der Kontrahenten aus dem ersten Versuch nominiert, sondern ein Arzt mit Praxis in München namens Moutasem-Daoud Ghadieh, den selbst der Kreisvorsitzende nicht kennt. Ghadieh gilt jedoch als Wunschkandidat des Moosburger AfD-Stadtrats Gerhard-Michael Welter, der selber auf Platz 1 der Stadtratsliste kandidiert.

Mitte November war zunächst der Moosburger Autor und freie Journalist Stefan Jahnel zum AfD-Bürgermeisterkandidaten für Moosburg bestimmt worden.  An der Nominierungsversammlung hatten damals nur vier stimmberechtigte AfD-Mitglieder teilgenommen – und weil es zu einem Stimmenpatt zwischen Jahnel und dem gegen ihn kandidierenden Stadtrat Welter gekommen war, hatte am Ende ein Münzwurf zugunsten von Jahnel entschieden.

Welter, der bei der Nominierungsversammlung krankheitsbedingt gefehlt hatte, protestierte anderntags in den sozialen Medien. Mit großer Empörung thematisierte er Jahnels Neonazi-Vergangenheit und verortete ihn auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Außerdem sehe die Wahlordnung keinen Losentscheid vor, die Wahl sei daher nichtig. Die Stadt Moosburg äußerte ebenfalls rechtliche Bedenken, Kreisvorsitzender Richard Paukner kassierte die Nominierung ein.

Tatsächlich illustriert die Auseinandersetzung zwischen Jahnel und Welter, wie sich der Richtungsstreit innerhalb der Bayern-AfD auf lokaler Ebene fortsetzt. Zwar war Jahnel, 56, als Jugendlicher tatsächlich in der Führungsebene verbotener Neo-Nazi-Organisationen aktiv und bewegt sich auch nach seinem selbsterklärten Ausstieg Anfang der Neunzigerjahre konsequent am rechten Rand. Er ordnet sich selbst politisch aber als „libertär“ ein und hatte wohl die Unterstützung des als gemäßigt geltenden Freisinger AfD-Kreisverbandes.

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Der 58-jährige Welter sitzt seit 2020 für die AfD im Stadtrat und Kreistag, ist in der Vergangenheit mehrfach durch fremdenfeindliche Social-Media-Beiträge aufgefallen und räumt ein, früher auch beim aufgelösten „Flügel“ der AfD gute Freunde gehabt zu haben. Von Streitereien im Ortsverband will er nichts wissen. Die Unruhe innerhalb der Moosburger AfD „wurde von außen in die Stadt getragen“, sagt Welter. Ziel sei „eine Schädigung der AfD im kommunalen Kontext“ gewesen.

Mit der Nominierung von Ghadieh dürfte Welter die innerparteilichen Querelen zunächst für sich entschieden haben. Er hatte im Vorfeld in den sozialen Medien erklärt, „einen sehr guten, tadellosen Top-Mann in der Hinterhand zu haben“, in der Versammlung kam dieser Wahlvorschlag von ihm.

Der Kreisvorstand hat „keinerlei Informationen“ zu dem Kandidaten

Sechs von 13 stimmberechtigten Mitgliedern des Ortsverbandes hatten sich dieses Mal zur Nominierung eingefunden. Wer allerdings nicht zugegen war, war Moutasem-Daoud Ghadieh selbst. Er habe die Annahme der Wahl mit einem Antrag auf „Wahl in Abwesenheit erklärt“, berichtet Kreisvorsitzender Paukner, dem ansonsten – wie auch dem gesamten Kreisvorstand – „keinerlei Informationen“ zu dem Bewerber vorliegen. Er habe ihn „noch nie gesehen“, vermute aber, dass er in Moosburg wohne. Mitglied der AfD sei Ghadieh nicht.

Tatsächlich ist der neue Kandidat in Moosburg bislang kommunalpolitisch nicht in Erscheinung getreten. Im Internet findet sich lediglich, dass ein Mann dieses Namens in München eine Hausarzt-Praxis betreibt. Profile auf Facebook oder Instagram: Fehlanzeige. Per Mail übermittelte Fragen zu seiner Person ließ Ghadieh zum Jahreswechsel von Welter beantworten.

Der Kandidat habe „seinen Hauptwohnsitz vor 9,5 Jahren nach Moosburg verlegt“, versichert der. Dass der Kreisvorstand den Kandidaten nicht kenne, bestreitet Welter. Ghadieh habe bei der Aufstellungsversammlung zur Kreistagsliste Anfang Dezember,  „über vier Stunden an unserem Tisch“ gesessen. Bei seiner eigenen Nominierung zum Bürgermeisterkandidaten allerdings habe er „einen länger geplanten und nicht verschiebbaren privaten Termin“ gehabt. Ghadieh werde „demnächst Mitglied der AfD werden“, kündigt Welter an. Für den Fall eines Wahlsieges werde man eine Lösung finden, Ghadiehs Praxis trotzdem weiterzubetreiben.

Welter versichert zudem: „Die wahlberechtigten Mitglieder aus dem Stadtgebiet Moosburg stehen geschlossen hinter dem aufgestellten Bürgermeisterkandidaten und distanzieren sich ausdrücklich von Stefan Jahnel.“

Warum der bei der neuerlichen Nominierungsversammlung nicht noch einmal angetreten ist, erklärt Kreisvorsitzender Paukner mit der wohl absehbaren Sinnlosigkeit dieses Unterfangens: „Aufgrund der Anzahl der Unterstützer für Herrn Welter hatte Herr Jahnel absolut keine Aussicht auf Erfolg.“

Und Jahnel selbst? Er halte es „für lächerlich, wenn so lange gewählt wird, bis das Ergebnis passt“, sagt der verhinderte Bewerber. Er wäre angetreten, wenn es eine breite Mehrheit für diese Sichtweise gegeben hätte: „Hat es aber nicht.“  Der jetzige Kandidat müsse mit dem Makel leben, ein Kandidat zweiter Wahl zu sein. Er selber lehne sich zurück und genieße die Show: „Kann ja noch richtig spannend werden.“

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