Aktiv in Kirche, Gesellschaft und Politik Für mehr Gerechtigkeit

Verschiedene Akteure bringt Monika Arzberger mit ihrer Beratungsfirma an einen Tisch, beispielsweise wenn es darum geht, wertvollen Bergwald für die Zukunft zu erhalten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Monika Arzberger ist Forstwissenschaftlerin, hat Philosophie studiert und mittlerweile eine eigene Beratungsfirma. Als Mutter war es nichts mit der geradlinigen Karriere. Daneben engagiert sie sich im Katholischen Frauenbund.

Interview von Katharina Aurich, Freising

In der Ehe und im Beruf sollen Männer und Frauen gleichberechtigt als Team zusammenleben und -arbeiten, das wünscht sich Monika Arzberger, die sich in Kirche, Gesellschaft und Politik für Gleichberechtigung einsetzt. Dazu gehöre auch, sich zu respektieren, einander zuzuhören und eine gemeinsame Sprache zu finden, schildert sie. Diese Ziele versucht sie auch als Beraterin und Moderatorin zu verwirklichen. Allerdings sitzen sich dabei keine Paare, sondern Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessensgruppen gegenüber.

SZ: Wie kamen Sie dazu, eine eigene Beratungsfirma zu gründen?

Arzberger: Nach meinem Forstwissenschaftsstudium sammelte ich erste berufliche Erfahrungen in einer Unternehmensberatung. Dann hatte ich das Glück, eine Stelle an der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zu erhalten, um Beteiligungsverfahren im Schutzwaldmanagement zu etablieren. Dazu forschte ich dann auch am Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik. Parallel dazu kamen immer mehr Anfragen, um mich als Moderatorin von Bürgerbeteiligungsverfahren zu engagieren. So entschloss ich mich 2015, meine eigene Firma "koiné", "die Gemeinsame", zu gründen. Ich war ja bereits erfahren darin, beruflich immer wieder nachzujustieren, denn eine gradlinige Karriere, wie sie Männer meist vorweisen, ist als Mutter zweier Kinder nicht so leicht möglich.

Welche Themen bearbeiten Sie?

Der Schwerpunkt liegt auf Beteiligungsverfahren rund um Landnutzung sowie auf Interessenausgleich im öffentlichen Raum. Zum Beispiel im Bergwald, da geht es darum, stabile Wälder und eine wertvolle Natur für die Zukunft zu erhalten. Dazu kommen der Schutz vor Hochwasser und die Interessen des Tourismus. Um gute Strategien zu entwickeln, müssen viele Akteure zusammenkommen und miteinander verhandeln.

Was hat Sie bewogen, Forstwissenschaften zu studieren und nach Haag zu ziehen?

Nach der Geburt meiner beiden Töchter musste ich mich neu orientieren. Mich faszinieren die Naturwissenschaften und das Prinzip der Nachhaltigkeit, deshalb begann ich, in Weihenstephan zu studieren. In Haag gab es bereits 1995 eine der seltenen Sechs-Stunden-Kindergartengruppen. Deshalb zog ich mit meiner Familie dorthin.

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Monika Arzberger hat erlebt, dass Mütter sehr flexibel sein müssen.

Sie gründeten dann mit Ihrem Mann Martin eine eigene Beratungsfirma. Das hatte mit Forst nichts mehr zu tun.

Nach dem Studium hätte ich gerne das Referendariat für den Forstdienst gemacht, aber dafür wird man an verschiedenen Orten in ganz Bayern eingesetzt - unmöglich mit zwei Grundschulkindern. Und wieder musste ich aus Restriktionen etwas Positives machen. Deshalb unterstützte ich meinen Mann beim Aufbau unserer Beratungsfirma im Bereich Risikomanagement und -kommunikation. Daneben studierte ich Philosophie und schrieb meine Magisterarbeit über Menschenrechte und Nachhaltigkeit. Es zog mich aber zurück zum Wald, ich vermisste das langfristige Denken der Förster.

Der zweite Bereich, in dem Sie sich engagieren, ist die katholische Kirche, die sich nicht gerade durch Gleichberechtigung auszeichnet. Wie passt das zu Ihren Überzeugungen?

Katholische Frauen haben in den vergangenen 100 Jahren sehr viel bewegt. Sie erstritten mit anderen das Frauenwahlrecht oder gründeten die Bahnhofsmission, um nur einiges zu nennen. Diese Frauen faszinieren mich. Innerhalb der CSU sind meine Vorbilder Barbara Stamm und Emilia Müller. Großen Respekt habe ich auch vor den Kämpferinnen, die das Grundgesetz mitgestalteten. Mich selbst würde ich als kritische Katholikin bezeichnen. Es ist zum Heulen und Zähneknirschen, wenn Männer verkrustete Strukturen verteidigen, um an der Macht zu bleiben. Nicht nur in der Kirche, auch in der Politik. Deshalb treten wir im Katholischen Deutschen Frauenbund KDFB dafür ein, Parlamente zur Hälfte mit Männern und Frauen zu besetzen.

Was sagen Sie zur Aufdeckung der vielen Missbrauchsfälle in der Kirche?

Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden und die Verantwortung übernehmen. Auch hier ist es wichtig, Missbrauch begünstigende Machtstrukturen in der Kirche zu ändern.

Sie engagieren sich inzwischen nicht mehr im örtlichen Haager Frauenbund, sondern in München und auf Bundesebene, warum?

Ich möchte etwas bewegen, mich für die politischen Themen unserer Gesellschaft engagieren und trete zum Beispiel für die Forderung des Frauenbundes nach Lohn- und Rentengerechtigkeit ein. Das geht nur auf Landes- und Bundesebene. Die gesellschaftspolitische Kommission arbeitet dem Vorstand zu und wir versuchen, politisch Einfluss zu nehmen.

Welche Themen sind dem KDFB derzeit besonders wichtig?

Viele! Wir haben am 8. März eine Kampagne mit fünf zentralen Aussagen zu Spiritualität, Solidarität, Lohngerechtigkeit, Weihe und Verantwortung gestartet. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit den Veränderungen in der Arbeitswelt durch die Digitalisierung. Was macht das mit den Menschen? Thema ist auch die Radikalisierung in unserer Gesellschaft. Gegen die Verrohung vor allem auch in der Sprache hilft nur Bildung. Wir erstellen Arbeitshilfen zu diesen Themen und tragen sie über alle Ebenen in die einzelnen Ortsgruppen hinein. Jede Frau, die sich angesprochen fühlt, kann sich bei uns beteiligen, dafür muss sie nicht katholisch sein.

Sie kandidierten 2002 als Bürgermeisterin in Haag, unterlagen nur knapp und waren dann einzige Frau im Gemeinderat. Gibt es inzwischen mehr?

Ja, aber immer noch zu wenige.

Woran liegt das?

Um gewählt zu werden, muss man vor Ort sichtbar sein und man braucht für einen Wahlerfolg nicht unbedingt Kompetenzen, aber gute Netzwerke. Leider trauen sich Frauen noch zu wenig, zu kandidieren und oft akzeptiert ihr Umfeld ihr Engagement nicht. Eine Diskussion über die Quote, auch in der Kommunalpolitik, würde uns helfen, die Bedingungen zu ändern.