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Mobilität der Zukunft:Chancen und Grenzen

Freie Wähler führen engagierte Diskussion über Elektroautos

So eine muntere und engagierte Diskussion würde mancher Bürgerversammlung gut tun, wie sie jetzt das Dorfwirtshaus Neumair in Oberhummel erlebt hat. Es ging beim Thema "Chancen und Grenzen der Elektromobilität" allerdings auch um eine der meist umstrittenen Fragen der Gegenwart. Die Landtagsfraktion der Freien Wähler mit dem Abgeordneten Benno Zierer und dessen Kollegen Hans Friedl war damit aufs Land gezogen, und Josef Huber, der Berater für Elektromobilität bei der Handwerkskammer München und Oberbayern, kämpfte sich mit einer Präsentation durch die Materie.

Heiße Befürworter und glückliche Besitzer eines Elektroautos, Zweifler an der ganzen Philosophie und auch strikte Ablehner von batteriegetriebenen Autos machten den Vortrag zu einer Dauerdiskussion. Und alles mit Überzeugung vorgetragen. Wo den Strom hernehmen, wenn jedermann ein Elektroauto haben wird, wo die Rohstoffe für die Batterien, wenn für die Gewinnung einer Tonne Lithium oder Kobalt eine Million Tonnen Wasser im Wüstensand versenkt werden müssen? Für Josef Huber alles nur Pseudo-Gegenargumente von Verhinderungsstrategen der E-Mobilität. Die Verbrennung fossiler Energieträger mit ihren massiven Auswirkungen wie Erderwärmung durch CO2, Stickoxiden und Feinstaub seien die Auslöser. Der Vergleich Elektro- mit Verbrennungsmotor spreche in Sachen Effizienz und Umwelt eindeutig für Elektro. Huber setzte sich auch mit den Vorurteilen und Ängsten auseinander, wie begrenzte Reichweite und Lebensdauer der Batterie, nicht ausreichende Ladeinfrastruktur, angeblich nicht ausreichende Lithium- und Kobaltvorräte und ungeklärtes Batterierecycling. Alles machbar, meint er.

Hubers Fazit: "Elektromobilität funktioniert heute - nicht immer, aber bereits sehr oft." Es gebe nämlich ein schnell wachsendes Fahrzeugportfolio, stark gewachsene Batteriegrößen, täglich wachsender öffentliche Ladestruktur. Und: "Alle deutschen Hersteller spielen endlich mit." Zurzeit übersteige die Nachfrage noch die Lieferfähigkeit, das öffentliche und private Laden müsse noch leichter werden.

Auch Benno Zierer hatte festgestellt, dass E-Mobilität nur ein Teil der Mobilität sein könne, auch der benötigte Strom erst einmal erzeugt werden müsse, bei wachsenden Widerständen in der Bevölkerung gegen Stromtrassen, Windräder und Wasserkraft und einer zunehmenden Klagefreudigkeit. In Bayern müsse die 10-H-Regelung bei Windkraftanlagen überarbeitet werden. Insgesamt brauche die Politik mehr Mut. Einwände aus dem Auditorium gab es wie "unsere Wirtschaftskraft wird zerstört", Elektromobilität werde eine Zweiklassengesellschaft schaffen. Mut bewies am Ende der Diskussion der Fachreferent für Umwelt und Energie der Freien Wähler, Gottfried Obermair, als er im Gastraum eine herkömmliche Glühbirne gegen eine Energiesparlampe tauschte und sich dabei die Finger verbrannte. Ein Tausch, wie es ihn nach einigen Befürchtungen der Gesellschaft auch mit dem Elektroauto geben könnte.