Mitten in Moosburg:Von Goldsteaks und Killermasken

Lesezeit: 1 min

Die Pandemie bringt merkwürdige Dinge hervor. Dazu gehört auch die OP-Community-Maske mit 24-Karat-Beschichtung für 25 Euro

Glosse von Alexander Kappen

Franck Ribéry war in seiner Zeit als Fußballprofi des FC Bayern ja nicht nur dafür bekannt, dass er die linke Außenbahn rauf und runter wirbelte, sondern auch abseits des Platzes für einigen Wind sorgte. Mal schmierte er Zahncreme unter die Türklinke, um die Kollegen zu ärgern, mal setzte er sich hinters Steuer des voll besetzen Mannschaftsbusses und fuhr damit ein paar Hinweisschilder in der Hoteleinfahrt über den Haufen. Und dann war da ja noch das berühmte, angeblich 1200 Euro teure goldene Steak, das er sich im Winterurlaub gönnte, weshalb er sich vor ziemlich genau drei Jahren in den sozialen Medien einiges anhören musste - ehe er dann recht unflätig zurück blökte.

Die eine oder andere kritische Bemerkung müssen dieser Tage auch der Moosburger Unternehmer Orhan Söhmelioglu und seine Partner Sabahattin Incekalan und Volkan Akoglu von der SWS Medicare über sich ergehen lassen. Dabei haben sie weder einen Mannschaftsbus geschrottet noch irgendwas dekadent Teures gegessen. Aber die Zeiten sind ja auch andere, die Pandemie hat das Land im Griff und was früher das Steak war, ist heute die Maske. Während Ribéry sich sein goldenes Kalb schmecken ließ, verkauft die SWS neuerdings goldene Masken. Die OP-Community-Maske mit 24-Karat-Beschichtung kostet pro Stück 25 Euro. Wer also auch in trüben Corona-Zeiten etwas Glanz in die Hütte bringen und zugleich sein Goldkehlchen vor den nicht ganz so goldigen Corona-Viren schützen möchte, der verzichtet halt mal auf sein Steak und kauft sich von dem gesparten Geld eine 48er-Packung Masken.

Im Übrigen ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt, zuweilen ist es auch Silber. Oder in dem Fall: Silverstrike. Die gleichnamige FFP-2-Maske mit Silber-Ionen-Beschichtung, erhältlich für knapp fünf Euro oder ein 240stel-Goldsteak, ist mehr als nur ein extravagantes modisches Accessoire. Laut Hersteller fischt sie Corona-Viren auf ihrem Flug Richtung Atemwege nicht nur aus der Luft, sondern tötet sie gleich ab. Im Fachjargon nennt man das viruzid. Oder wie es Viren ausdrücken würden: "Schnell weg, das ist eine Killermaske!"

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB