Mitten in Moosburg:Parolen in der Unterführung

Für manche gehört der Hang zum Extremen zum Tagesgeschäft

glosse Von Thilo Schröder

Es liegt in der Natur von Wahlkämpfen, dass sachdienliche Inhalte in den Hintergrund rücken und von zugespitzten Parolen verdrängt werden. Im Wahlkampf bekommt man deshalb den Eindruck, dass hier alle mal so richtig die Sau raus lassen und den politischen Gegner in seinen Grundfesten erschüttern wollen. Auch jene tun das, die im Alltag mantramäßig herunterbeten, für Maß und Mitte zu stehen. Und dann gibt es da natürlich jene, für die der Hang zum Extremen zum Tagesgeschäft gehört.

Gerade hat die rechtsextreme Splitterpartei "Der Dritte Weg" bekanntlich für Furore gesorgt mit unsäglichen Wahlplakaten, welche die Grünen unter der Gürtellinie attackieren. Das Landgericht München I hat der Partei per einstweiliger Verfügung deshalb untersagt, den entsprechenden Slogan öffentlich zu verwenden. In Moosburg tauchen dieser Tage derweil ebenfalls fragwürdig anmutende Banner auf. Allerdings mit so ziemlich entgegengesetzter Intention. Auf dem Instagram-Profil der "Autonome Antifa Moosburg" ist seit ein paar Tagen ein Video zu sehen, das ein an einer Unterführung befestigtes Banner zeigt. Darauf zu lesen: "Nazis in die Isar boxen".

Nun ist es ja so, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen darin übereinstimmt, nazistische Haltungen prinzipiell abzulehnen. Wohingegen grüne Politik - ob von den Grünen oder anderen Parteien - kein derart marginales Dasein fristet. Insofern würden sich viele, wenn es darauf ankommt, wohl eher als antifaschistisch denn antiökologisch bezeichnen. Selbst streng Konservative tun dies zuweilen, wenn es darum geht, sich nach rechts abzugrenzen. Dem Antifa-Aufruf in dieser Form dürften indes eher wenige zustimmen. Dabei gäbe es durchaus maßvollere, teils auch amüsante antifaschistische Parolen wie "Nazis essen heimlich Döner", "Kein Mensch ist illegal" oder der Demo-Schlager "Nazis raus".

Fast möchte man ausrufen: "Stop! Macht alle Euren Wahlkampf. Aber normal". Wobei diese Form der Normal-Rhetorik ja wiederum vergiftet ist durch eine rechte Partei. Danke, AfD. Aber was ist schon normal? Und was unnormal? Letztlich sind das doch vor allem bürgerliche Kategorien. Jenseits ausfransender politischer Ränder könnte eigentlich sehr vieles "normal" sein. Außer ein von konstruktiven Inhalten dominierter Wahlkampf. Das wäre aber auch wirklich zu viel verlangt.

© SZ vom 23.09.2021
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