Dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen darf, diesen klugen Hinweis hat wohl jeder schon einmal gehört. Dass man das aber sehr wohl kann, zum Beispiel, in dem man etwa den Kaloriengehalt oder den Zuckeranteil eines Apfels dem einer Birne gegenüberstellt, wird selten erwähnt. Ehrlicherweise vergleicht man einen Apfel schon dann mit einer Birne, wenn man ihn im Supermarktregal auswählt: Nur so kann man schließlich das eine Obst vom anderen unterscheiden.
Nun verfügt speziell die Birne glücklicherweise über ein Attribut, das die Unterscheidung vom Apfel recht einfach macht. Jedes Kind kann sich unter dem Adjektiv "birnenförmig" etwas vorstellen und weiß, dass das eben nicht"kugelrund" ist. So einfach ist das nicht immer. Speziell die Welt der Botanik hält da den einen oder anderen Fallstrick bereit, zuletzt bewiesen durch die - ja man möchte fast von der "Märzenbecher"-Affäre sprechen.
Es hatte also der Fotograf der Freisinger SZ kürzlich die Schneeglöckchen im Hofgarten fotografiert. Weil er indes ganz grundsätzlich eher zu Motoröl denn zu Blumenerde tendiert, hatte er fälschlich "Märzenbecher" unter das Bild geschrieben. Die zuständige Redakteurin - eher Nagellack denn grüner Daumen - übernahm die fehlerhafte Bezeichnung; und weil selbst Gartenjournale im Netz einräumen, dass zumindest für das ungeübte Auge erblühte Märzenbecher und Schneeglöckchen einander zum Verwechseln ähnlich sehen, hat auch sonst niemand den Fehler bemerkt. Möglicherweise ist es kein Zufall, dass es ein Attribut wie "märzenbecherförmig" genau nicht gibt.
Gleichwohl verfügt die stets aufmerksamen SZ-Leserschaft offenbar über viele sehr wohl geübte Augenpaare, weshalb die Redaktion diverse mehr oder weniger wohlwollende Zuschriften erreichten, in denen - nebst mitgesandtem Anschauungsmaterial - nicht nur auf den Fehler hingewiesen, sondern auch um dessen nachträgliche Korrektur gebeten wurde: "Nicht dass die Leser sich was Falsches merken . . .", wie es in einer besorgten E-Mail heißt.
Weil das nun tatsächlich auf gar keinen Fall passieren sollte, seien hier nun noch einmal ausdrücklich Schneeglöckchen mit Märzenbechern verglichen - gestützt auf eine Website mit dem schönen Namen " Guterboden.de" und selbstverständlich mehrfach gegengecheckt.
Den etwas kompakteren Märzenbecher erkennt man demnach an seinen breiteren Blättern und grünen, zipfeligen Spitzen an den herabhängenden Blüten. Die Blätter vom Märzenbecher haben im Unterschied zum Schneeglöckchen alle die gleiche Länge. Schneeglöckchen haben drei innere kurze und drei äußere längere Blütenblätter. Beim Schneeglöckchen ist ein grüner Punkt an den inneren Blättern zu erkennen. Märzenbecher haben etwa sechs Blütenblätter, jedes mit einem gelb-grünlichen Punkt an der Blütenblattspitze. Das Schneeglöckchen bildet eine Blüte pro Stiel, beim Märzenbecher können ein bis zwei pro Stiel vorkommen.

Anders als bei Äpfeln und Birnen sollte man im Fall der beiden Frühjahrsblüher auf weitergehende Vergleiche bezüglich Kaloriengehalt oder den Zuckeranteil im Übrigen zwingend verzichten. Denn neben der ähnlichen Optik haben die beiden Zwiebelgewächse noch etwas gemein: Beide Pflanzen sind in allen Teilen giftig.