Mitten in Freising:Schneekanonen gegen Übermut

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Wenn Politiker zu lange diskutieren und nicht handeln, hilft manchmal das Wetter

Glosse von Thilo Schröder

Wenn die Politik mit ihren (Nicht-)Maßnahmen versagt, muss die Natur ihr zuweilen Beine machen. Und nein, damit sind freilich keine Hochwasserkatastrophen gemeint, die sollte nun wirklich niemand als Weckruf benötigen. Es geht auch eine Nummer kleiner: An diesem Dienstag, noch bevor die Noch-Kanzlerin und der Bald-Kanzler sich mit den Länderfürstinnen und -fürsten zur Besprechung der Corona-Lage zusammenschalteten, fegte auch über den Landkreis Freising ein Schneesturm hinweg. Womöglich ein eisiger Appell, daheim zu bleiben?

Etwaige Ausgangssperren oder -beschränkungen dürften sich dadurch jedenfalls erübrigen. Wer will bei so einem Nies- und Schnupfenwetter schon vor die Tür? Dass Christkindlmärkte ausfallen, ist zwar schade. Aber auch hier würde man wohl gerade nur mit den Fingern am Glühweinbecher festfrieren, während beschwipste Aerosole in der Luft mit den Schneeflocken tanzen und dabei zu Kristallen erstarren, die dann virusgetränkt allen Umstehenden ins Gesicht wehen. Wobei Alkohol ja erst deutlich unter null Grad gefriert, und so kalt ist es nun auch wieder nicht. Vor Schneerosolen fürchten müssen sich also nur hartgesottene Freiluft-Punschtrinker.

In den Niederlanden gilt derweil schon seit einiger Zeit ein Teil-Lockdown. Über diesen dürfte man im Landkreis aber nur müde lächeln. Bars, Restaurants und auch Geschäfte müssen im Oranje-Staat nämlich seit Mitte November schon um 20 Uhr schließen. Schon? In Bayern nennt man so was Alltag oder Ladenschlussgesetz. Teil-Lockdown aus Tradition sozusagen.

Aber wer weiß, vielleicht wirkt der jüngste Winterschneesturm ja wirklich und das Virus irrt nun draußen ziellos umher, während drinnen die Kaminfeuer knistern, die Türen fest verrammelt sind und der Schwiegerelternbesuch abgesagt ist. Bleibt nur zu hoffen, dass die Staatsregierung beziehungsweise das Landratsamt daraus nicht den Schluss ziehen, dauerhaft Schneekanonen zu installieren und anzuwerfen, wann immer die Menschen der Übermut packt.

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