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Mitten in Freising:Rettet den Lippenstift

Die Maske muss sein, das ist klar. Das neue Dauer-Accessoire stellt aber manche vor Probleme, auch wenn es nur Luxusprobleme sind

Glosse von Birgit Goormann-Prugger

Wir haben an dieser Stelle ja bereits über Muffelmasken berichtet. Das ist der Mund- und Nasenschutz von Rauchern, der schnell mal leicht muffig riecht, wenn er nach dem Genuss einer Zigarette vor der Kneipentür wieder aufgesetzt wird und erst recht muffelt, wenn man, wegen der neuen Maskenpflicht in der Freisinger Innenstadt, der Einfachheit halber direkt durch den Stoff hindurch kräftig anzieht. Das soll durchaus funktionieren, wie man hört. Die Notwendigkeit der Maske an sich soll in diesen Tagen auch keineswegs angezweifelt werden, es geht eher um die Tücken, die das neue Accessoire im Alltag so mit sich bringt.

Was man nämlich auch feststellen kann: Das "Schnüssjardinche", wie der Rheinländer das Stück Stoff liebevoll nennt, ist nicht wasserfest. Bemerkbar macht sich das, wenn man beispielsweise von einer Schlechtwetterfront überrascht wird, während man durch die Freisinger Innenstadt radelt und natürlich vorschriftsmäßig die Maske aufgesetzt hat. Der Regen peitscht einem ins Gesicht und alles ist pitschpatsch nass, nicht schön ...

Und dann soll es Frauen geben, die niemals, wirklich niemals, ohne Lippenstift aus dem Haus gehen - auch nicht, wenn sie mal kurz den Müll rausbringen. Sie tragen den Lippenstift also auch dann auf, wenn sie kurz danach die Maske aufsetzen müssen, was den Lippenstift eigentlich sinnlos macht, weil man ja gar nicht sieht, ob er da ist. Das wiederum sei ihnen vollkommen gleichgültig, sagen diese Frauen, weil sie das eigentlich nur für sich selbst tun. Egal, der Lippenstift klebt also meistens innen an der Maske und wenn man dann noch in eine Schlechtwetterfront gerät, ach ja ...

Das ist ein Luxusproblem? Ja, natürlich ist das ein Luxusproblem. Aber andererseits: Soll die Lippenstift-Industrie jetzt auch noch in eine Krise geraten? Der Absatz von Lippenstift ist am Weltmarkt wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr ohnehin schon um 49 Prozent eingebrochen, so meldete es die SZ im September 2020 in ihrem Wirtschaftsteil. Kein Witz!

Und darum hier der Appell an alle, die es betreffen mag: Tragen Sie bitte weiter Maske und Lippenstift, zum Wohlergehen der Kosmetikindustrie und für das eigene Wohlbefinden erst recht - damit wir uns alle jeden Tag daran erinnern, das alles Schlimme einmal vorbei ist, auch diese verdammte Pandemie.

© SZ vom 28.10.2020
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