Mitten in FreisingOhne Euphorie in den EM-Blues

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Kaum macht sich ein bisschen Begeisterung über die deutsche Fußballmannschaft breit, wird sie im Keim erstickt

Kolumne von Alexander Kappen

Es hat ja doch ein wenig gedauert, bis die Fußballfans im Landkreis sich zumindest ein bisschen erwärmen konnten für diese EM. Mobile Festtagsbeflaggung in rauen Mengen, wie man sie etwa 2014 während des Triumphzugs des deutschen Teams durch Brasiliens WM-Arenen bei uns in der Heimat gesehen hatte, stach einem heuer eher nicht ins Auge. Nur ganz vereinzelt hatte mal einer ein einsames Deutschlandfähnchen an seinem Auto. So wie jener Fahrer, der am Tag des deutschen Turnierauftakts gegen Frankreich am Neustifter Friedhof in Freising, bezeichnenderweise in einem schwarzen Wagen, um die Kurve bog. Im Nachhinein ergibt das fast schon Sinn: Das erste schwarz-rot- golden beflaggte Fahrzeug, das man während der EM zu Gesicht bekam, begegnete einem ausgerechnet vor einem Friedhof.

Weil das DFB-Team seinem Trauerfußball zwischendrin zumindest vorübergehend mal ein bisschen Leben einhauchte und sich in die K.-o.-Runde rettete, trauten sich dann die heimischen Fans nach und nach aus der Deckung. Ein Autohändler an der Landkreisgrenze Richtung Landshut stattete seine zur Schau gestellte Flotte am Straßenrand üppig mit Deutschlandfahnen aus. Und auch der eine oder andere Nachbar - zu Turnierbeginn noch oben ohne - montierte vor dem Achtelfinale gegen England mutig und hoffnungsfroh ein paar Flaggen ans Autodach.

Nun gut, es war ein kurzes Vergnügen. Ob es am Gewittersturm lag, der am Dienstagabend durch den Landkreis fegte, oder an den Engländern, die vergleichsweise wie ein laues Lüftchen daher kamen und dabei trotzdem noch stark genug waren, um das deutsche Team aus dem Turnier zu kegeln, weiß man nicht. Am Mittwochmorgen jedenfalls waren die Fähnchen weg. Während die Engländer sich nun auf den Weg nach Rom machen, um dort - den Gesetzen dieser EM folgend - gegen die Ukraine auszuscheiden, haben die deutschen Fans bereits den EM-Blues. Frei nach dem Motto: Erst hast du keine richtige Euphorie und dann kommt auch noch Depression dazu.

© SZ vom 01.07.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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