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Mitten in Freising:Hoffnung im Frühsommer

Der Juni ist die Zeit des Erwachens - Balkonblumen blühen, die Vögel zwitschern und es riecht nach Erdbeerkuchen

Glosse von Thilo Schröder

Der Frühsommer im Juni ist in den hiesigen Breiten eine Zeit vielfältiger, überbordender Geräusch- und Geruchskulissen. Geräusche und Gerüche, die sich nach zögerlichem, unstetem Frühlingsstart anschicken, die Vorherrschaft im Gesamtbild der Sinneseindrücke zu übernehmen. Da brummt und dröhnt es in einem fort, und nicht immer lässt sich auf Anhieb unterscheiden, ob hier ein nachbarlicher Rasenmäher, ein Nektar schlürfender Bienenschwarm hinterm Haus oder ein Bagger zwei Straßen weiter am Werk ist. Alles verschwimmt.

Der Frühsommer im Juni ist die Zeit nach dem augenreibenden Erwachen, wenn die Motoren der Organismen - natürlichen wie künstlichen - bereits heiß laufen. Da verschmilzt der Holzkohlegeruch, der aus den Gärten der eifrig Grillenden wabert, mit dem Duft frisch gebackener Erdbeerkuchen. Da singen Vögel wild durcheinander, ergänzt durch das mantramäßige Quietschen des Gartentrampolins der Nachbarskinder, während im Hintergrund eine S-Bahn oder ein Zug vorbeisaust. Und irgendwo spielt jemand ein Instrument, eine Ziehharmonika vielleicht, und hat dabei ein Fenster offenstehen.

Der Frühsommer im Juni ist so etwas wie der Hochsommer light. Er lockt mit warmen, aber nicht zu warmen Temperaturen, blühenden Balkonkästen und offenen Freibädern, auf deren Wiesen man zu dieser Jahreszeit gerne auch außerhalb der später im Jahr umkämpften Schattenzonen entspannt. Seine Abende sind lang und mild, nicht wie im August, wenn es tagsüber sengend heiß und abends schon wieder relativ früh dunkel ist. Erste Sommergewitter ziehen auf, die Luft ist in Ansätzen schwül, aber gerade noch erträglich, um sich beim Joggen (vor dem Gewitter) nicht komplett nass zu schwitzen.

Der Frühsommer im Juni ist eng verwandt mit seinem Pendant, dem Spätsommer im Oktober, hat allerdings die Aussicht auf mehr auf seiner Seite. Und genau das macht ihn zu einer der lebendigsten, hoffnungsfrohesten Perioden im Jahreskreislauf.

© SZ vom 10.06.2021
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